Unterschenkelschaftfraktur Kind: Diagnostik & Therapie
Hintergrund
Die Unterschenkelschaftfraktur ist definiert als kombinierte Fraktur von Tibia und Fibula im Diaphysenbereich. Davon abzugrenzen ist die isolierte Tibiaschaftfraktur, welche mit 70 bis 90 Prozent der Fälle deutlich häufiger auftritt. Eine Sonderform im Kleinkindesalter stellt die sogenannte Toddler-Fraktur dar, eine meist nicht-dislozierte Spiralfraktur der Tibia.
Die Unfallursachen variieren je nach Alter stark. Während bei Kleinkindern oft banale Stürze mit Torsionskomponente ursächlich sind, dominieren bei Schulkindern Sportverletzungen. Bei Jugendlichen nehmen Verkehrsunfälle als Ursache für hochenergetische Traumata stetig zu.
Es wird betont, dass bei Kindern unter einem Jahr mit Tibia- oder Unterschenkelschaftfrakturen in bis zur Hälfte der Fälle eine nicht-akzidentelle Ursache vorliegt. Zudem muss in jedem Alter an die Möglichkeit einer pathologischen Fraktur, beispielsweise bei Knochenzysten oder Osteogenesis imperfecta, gedacht werden.
💡Praxis-Tipp
Das erste und wichtigste klinische Warnzeichen eines Kompartmentsyndroms ist ein ungewöhnlich starker Schmerz, der sich auch durch eine optimierte Analgesie kaum lindern lässt. Es wird eine engmaschige Kontrolle und Dokumentation von peripherer Durchblutung, Motorik und Sensibilität empfohlen, um ein Kompartmentsyndrom rechtzeitig zu erkennen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie kann bei Kleinkindern mit unklarer Laufverweigerung eine Sonographie entlang der Tibiavorderkante durchgeführt werden. Diese kann in geübter Hand das Röntgen ersetzen, um eine Toddler-Fraktur zu identifizieren.
Eine operative Versorgung wird empfohlen bei instabilen Frakturen, die im Gips nicht ausreichend retiniert werden können. Weitere Indikationen gemäß Leitlinie sind offene Frakturen, ein drohendes Kompartmentsyndrom oder ein Polytrauma.
Die elastisch-stabile intramedulläre Nagelung (ESIN) gilt laut Leitlinie als Standardverfahren für die meisten Operationsindikationen. Bei drittgradig offenen Frakturen oder Trümmerfrakturen wird hingegen ein Fixateur externe empfohlen.
Die Ruhigstellungsdauer im Gips beträgt bei konservativer Therapie in der Regel vier Wochen. Bei Toddler-Frakturen genügen laut Leitlinie oft zwei bis drei Wochen in einer dorsalen Gipslonguette.
Die Leitlinie gibt an, dass bei Querfrakturen eine sofortige schmerzadaptierte Belastung an Unterarmgehstützen möglich ist. Bei Schrägfrakturen wird zunächst nur ein Sohlenkontakt mit Belastungsaufbau nach drei bis vier Wochen empfohlen.
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Quelle: Tibia- und Unterschenkelschaftfrakturen im Kindesalter (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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