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Proximale Femurfrakturen des Kindes: AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Proximale Femurfrakturen bei Kindern sind mit unter 1 % aller kindlichen Frakturen sehr selten. Sie entstehen meist durch Hochrasanztraumen wie Verkehrsunfälle oder Stürze aus großer Höhe.

Das primäre Behandlungsziel ist der Erhalt des Hüftgelenks. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer schnellstmöglichen Wiederherstellung der Achsenverhältnisse.

Dadurch sollen Perfusionsschäden durch die Dislokation vermieden und ein Hämarthros im Hüftgelenk entlastet werden. Bei unklaren Verletzungsmechanismen wird empfohlen, auch an Kindesmisshandlung oder pathologische Frakturen zu denken.

Empfehlungen

Die AWMF-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Ablauf:

Klassifikation

Für die Einteilung der Frakturen wird primär die Klassifikation nach Delbet herangezogen:

TypBeschreibung nach Delbet
Typ ITraumatische Epiphysiolyse
Typ IITranszervikale Fraktur
Typ IIIZervikobasale Fraktur
Typ IVIntertrochantere Fraktur

Diagnostik

Laut Leitlinie ist eine sofortige und schmerzarme Diagnostik unter Analgesie erforderlich. Standardmäßig wird eine Beckenübersichtsaufnahme und eine axiale Aufnahme des proximalen Oberschenkels empfohlen.

Bei klinischem Verdacht, aber fehlendem radiologischen Frakturnachweis, ist die MRT-Untersuchung das Verfahren der Wahl (Evidenzgrad IIa). Gehaltene Aufnahmen, Arthroskopie oder Skelettszintigraphie sind laut Leitlinie nicht erforderlich.

Konservative Therapie

Eine nicht operative Behandlung ist primär für stabile, unverschobene Frakturen bei Kleinkindern indiziert. Hierbei wird die Anlage eines Becken-Beingipses in Narkose oder Analgosedierung für 3 bis 4 Wochen empfohlen.

Operative Therapie

Die operative Behandlung ist das Verfahren der Wahl bei allen verschobenen Frakturtypen sowie bei unverschobenen Frakturen älterer Kinder. Es wird eine schnellstmögliche Operation innerhalb von 24 Stunden gefordert (Evidenzgrad IIa).

Eine frühzeitige Operation senkt das Risiko einer Hüftkopfnekrose signifikant. Die Wahl des Osteosyntheseverfahrens richtet sich nach dem Frakturtyp:

  • Typ I: Schraubenosteosynthese (mit Überschreitung der Epiphysen), Bohrdrähte oder winkelstabile Platten

  • Typ II und III: Schraubenosteosynthese (bevorzugt ohne Fugenkreuzung), Bohrdrähte oder winkelstabile Platten

  • Typ IV: Elastisch-stabile Markraumnagelung (ESIN), winkelstabile Platten oder lateraler Adoleszentennagel

Präklinisches und klinisches Management

Eine Extensionsbehandlung wird nicht empfohlen, da sie den Druck in der Gelenkkapsel erhöht. Stattdessen wird eine bequeme Lagerung des verletzten Beines auf Kissen angeraten.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor einer präoperativen Extensionsbehandlung, da diese das Kapselvolumen verkleinert und den intraartikulären Druck erhöht. Stattdessen wird eine einfache Kissenlagerung empfohlen. Zudem wird betont, dass dislozierte intrakapsuläre Frakturen als absoluter Notfall gelten und zwingend innerhalb von 24 Stunden operiert werden sollten, um das hohe Risiko einer Hüftkopfnekrose zu minimieren.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist die MRT-Untersuchung das Verfahren der Wahl, wenn eine verdächtige Klinik besteht, aber im konventionellen Röntgenbild kein sicherer Frakturnachweis gelingt. Sie dient auch dem Ausschluss einer Durchblutungsstörung im weiteren Verlauf.

Die Leitlinie rät von einer Extensionsbehandlung ab. Diese hat keinen positiven Effekt auf die Reposition und erhöht durch die Volumenverkleinerung der Kapsel den Druck im Hüftgelenk.

Es wird eine schnellstmögliche operative Versorgung innerhalb von 24 Stunden nach dem Trauma empfohlen. Eine frühzeitige Operation senkt das Risiko einer Hüftkopfnekrose laut Leitlinie um das 4,2-Fache.

Eine konservative Therapie mittels Becken-Beingips ist gemäß Leitlinie nur für stabile, nicht verschobene Frakturen bei Kleinkindern indiziert. Bei älteren Kindern wird auch bei unverschobenen Frakturen zur Operation geraten, um eine Sekundärdislokation zu vermeiden.

Die Leitlinie nennt die aseptische Hüftkopfnekrose als schwerwiegendste Komplikation. Das Risiko hierfür steigt, je weiter proximal die Fraktur liegt und je stärker sie primär disloziert ist.

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Quelle: S2e-Leitlinie Proximale Femurfrakturen des Kindes (S2e) (AWMF). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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