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Unterarmschaftfrakturen bei Kindern: AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Röntgen der Gegenseite sowie CT/MRT sind in der Akutdiagnostik obsolet bzw. ohne Bedeutung.
  • Die konservative Therapie im Gips ist bei unvollständigen, stabilen oder undislozierten Frakturen die Methode der Wahl.
  • Eine sekundäre Fragmentverschiebung > 10 Grad nach 7 Tagen erfordert die Abwägung eines Therapiewechsels zur Osteosynthese.
  • Die elastisch-stabile intramedulläre Nagelung (ESIN) ist die operative Methode der Wahl bei instabilen Frakturen.
  • Die Materialentfernung nach ESIN sollte frühestens nach 3 Monaten bei vollständiger Durchbauung erfolgen.
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Hintergrund

Unterarmschaftfrakturen machen ca. 10 % aller Frakturen im Kindesalter aus, wobei bis zu 37,5 % als Grünholzfrakturen auftreten. Die höchste Inzidenz liegt im 8. und 12. Lebensjahr, Jungen sind häufiger betroffen. Die Inzidenz und die operative Versorgungshäufigkeit nehmen zu.

Die AO-PAEG klassifiziert diese Frakturen wie folgt:

FrakturtypAO-KlassifikationEigenschaften
Unvollständig22-D/1-2Bowing-, Wulst- oder Grünholzfraktur; stabil/semistabil
Vollständig22-D/4-5Instabil
Monteggia22u-D/6Ulnaschaftfraktur mit proximaler Radiusluxation

Präklinik und Diagnostik

Präklinisch erfolgt die Lagerung auf einer Schiene, adäquate Analgesie und die zwingende Dokumentation der peripheren DMS (Durchblutung, Motorik, Sensibilität). Bei drohender Perforation kann unter Analgesie eine präliminäre Reposition durch Zug/Gegenzug erfolgen.

MaßnahmeEmpfehlung
Röntgen 2 EbenenStandard (inkl. angrenzende Gelenke)
Röntgen EllenbogenZwingend bei isolierter Ulnafraktur (Ausschluss Monteggia)
Röntgen GegenseiteObsolet
Sono, CT, MRTKeine Bedeutung in der Akutdiagnostik

Konservative Therapie

Die Gipsruhigstellung ist die Methode der Wahl bei unvollständigen, stabilen, achsengerecht stehenden oder undislozierten Frakturen.

  • Grünholzfrakturen: Können reponiert und konservativ behandelt werden. Bei Achsenfehlern muss die Gegenkortikalis gebrochen werden, was die Fraktur instabil machen kann.
  • Vollständige Frakturen: Wenn achsengerecht und undisloziert, ist eine konservative Therapie möglich, erfordert aber engmaschige Kontrollen (hohes Dislokationsrisiko).
  • Achsenfehler: Ab 15° führen sie zu Einschränkungen in der Pro-/Supination. Eine anatomiegerechte Stellung ist anzustreben.

Die Ruhigstellung erfolgt im zirkulären, gespaltenen Oberarmgips, Sandwich-Schiene oder 2/3 umgreifender Gipsschiene (90 Grad Ellenbogenflexion, Neutralstellung).

Operative Therapie

Die operative Therapie wird zunehmend angewendet. Eine Indikation besteht bei:

  • Instabilen Unterarmschaftfrakturen (vollständige Frakturen beider Knochen auf gleicher Höhe)
  • Kombination aus vollständiger Schaftfraktur und Grünholzfraktur
  • Unzureichender Reposition/Retention bei Grünholzfrakturen beider Knochen
  • Monteggiafrakturen (wenn Radiusluxation konservativ nicht sicher retiniert werden kann)

Operationsmethoden:

MethodeIndikation / Bemerkung
ESINMethode der Wahl. Gegenläufige oder aszendierende Nagelung. Bei Fraktur beider Knochen werden beide stabilisiert.
PlattenosteosyntheseNur Ausnahmeindikationen (Korrekturosteotomie, distale Schaftfraktur bei Jugendlichen).
Fixateur externeMehrfragment-Frakturen, schwere Weichteilschäden, Kompartmentsyndrom.

Nachbehandlung und Komplikationen

Ein routinemäßiges Nachbehandlungsschema sieht wie folgt aus:

ZeitpunktKonservativOperativ (ESIN)
Tag 0/1Röntgenkontrolle nach RepositionRöntgenkontrolle (OP-Resultat)
Tag 7-10Röntgenkontrolle (Ausschluss sek. Dislokation)-
Tag 28Gipsfrei, KonsolidierungskontrolleKonsolidierung, Sportfreigabe
> 3 Monate-Materialentfernung (nach Remodelling)

Wichtig: Eine sekundäre Fragmentverschiebung > 10 Grad am Tag 7 sollte zur Abwägung eines Therapiewechsels zur Osteosynthese führen. Refrakturen treten in bis zu 16,7 % auf, weshalb eine zu frühe Materialentfernung vermieden werden sollte.

💡Praxis-Tipp

Bei einer isolierten Ulnafraktur muss zwingend der Ellenbogen in zwei Ebenen geröntgt werden (Radiuskopf auf Kapitulum zentriert), um eine Monteggia-Fraktur nicht zu übersehen. Ein Röntgen der Gegenseite ist obsolet.

Häufig gestellte Fragen

Bei instabilen Frakturen, vollständigen Frakturen beider Knochen, Monteggia-Frakturen, unzureichender Reposition oder bei einer sekundären Dislokation >10° nach 7 Tagen.
Die elastisch-stabile intramedulläre Nagelung (ESIN) ist die Methode der Wahl. Plattenosteosynthesen sind nur in Ausnahmefällen indiziert.
Frühestens nach 3 Monaten, wenn eine vollständige Durchbauung und ein abgeschlossenes Remodelling radiologisch dokumentiert sind, um Refrakturen zu vermeiden.
Nein, Sonografie, CT und MRT haben für die Akutdiagnostik von Unterarmschaftfrakturen keine Bedeutung.
Die Gegenkortikalis muss gebrochen werden, um die Fraktur in einen spannungsfreien Zustand zu überführen. Zerreißt dabei das Periost, kann die Fraktur instabil werden und eine OP-Indikation nach sich ziehen.

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