Über- und Unterversorgung: Leitlinien-Empfehlungen
Hintergrund
Die S2e-Leitlinie der DEGAM befasst sich mit dem Schutz vor medizinischer Über- und Unterversorgung in der hausärztlichen Praxis. Überversorgung liegt vor, wenn Leistungen über die Bedarfsdeckung hinausgehen und keinen hinreichenden Netto-Nutzen aufweisen.
Unterversorgung beschreibt das Vorenthalten indizierter Leistungen mit gesichertem Nutzen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Betreuung multimorbider Menschen, bei denen die unreflektierte Addition von Einzelleitlinien oft zu einer schädlichen Polypharmazie führt.
Zusätzlich beleuchtet das Dokument das Konzept der "Planetary Health". Es wird betont, dass unnötige Diagnostik und Therapie nicht nur individuelle Risiken bergen, sondern auch durch vermeidbare CO2-Emissionen erheblich zum Klimawandel beitragen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Aspekt zur Vermeidung von Überversorgung ist das strukturierte Weglassen (Deprescribing). Die Leitlinie betont, dass bei vielen akuten, unkomplizierten Beschwerden wie Halsschmerzen oder akutem Schwindel eine Strategie des abwartenden Beobachtens ("Watchful Waiting") indiziert ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine Therapie-Deeskalation bei chronisch Kranken aktiv geprüft werden sollte, sobald sich Lebensumstände oder Therapieziele ändern.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die Koronar-CT bevorzugt bei einer Vortestwahrscheinlichkeit von bis zu 50 Prozent. Dadurch sollen unnötige invasive Koronarangiographien vermieden werden.
Es wird eine Individualisierung des Zielwertes empfohlen, wobei ein Korridor von 6,5 bis 8,5 Prozent genannt wird. Eine medikamentöse Senkung unter 6,5 Prozent wird zur kardiovaskulären Prävention nicht empfohlen, da sie keinen Nettonutzen erbringt.
Bei akuten und rezidivierenden Kreuzschmerzen soll ohne Hinweise auf gefährliche Verläufe (Red Flags) keine bildgebende Diagnostik durchgeführt werden. Dies schützt vor Überdiagnostik und iatrogener Fixierung.
Da die häufigste Ursache für akute Halsschmerzen selbstlimitierende virale Infektionen sind, wird von einer routinemäßigen Antibiotikagabe abgeraten. Auch bei Kindern mit negativem Streptokokken-Schnelltest sollte auf Antibiotika verzichtet werden.
Bei Blutdruckwerten über 180/110 mmHg ohne akute Begleitsymptome wird empfohlen, zunächst 30 Minuten in einer Ruhesituation abzuwarten. Danach sollte eine Kontrollmessung erfolgen, bevor medikamentös eingegriffen wird.
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Quelle: AWMF 053-045: Schutz vor Über- und Unterversorgung - gemeinsam entscheiden (Living Guideline) (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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