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DEGAM (German College of General Practitioners)Allgemeinmedizin

Kardiovaskuläre Prävention: DEGAM S3-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DEGAM (German College of General Practitioners) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die kardiovaskuläre Risikoberatung soll ab 35 Jahren bei Risikofaktoren und ab 50 Jahren anlasslos angeboten werden.
  • Entscheidungen zur Prävention sollen partizipativ (Shared Decision Making) und idealerweise mit Entscheidungshilfen wie arriba getroffen werden.
  • Grundlage der Beratung ist das absolute, globale 10-Jahres-Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, ermittelt durch validierte Scores.
  • Zusätzliche Marker wie hsCRP, Lp(a) oder der Knöchel-Arm-Index sollen nicht routinemäßig zur Risikoschätzung erhoben werden.
  • Eine Statintherapie (moderate Fixdosis) wird bei einem 10-Jahres-Risiko von ≥ 20 % für Personen ≤ 75 Jahre empfohlen.
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Hintergrund

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die führende Todesursache in Deutschland. Die DEGAM S3-Leitlinie fokussiert sich auf die hausärztliche Risikoberatung von Patientinnen und Patienten ohne bereits manifeste kardiovaskuläre Erkrankung (Primärprävention). Ziel ist es, Überdiagnostik bei geringem Risiko zu vermeiden und Hochrisikopatienten gezielt zu identifizieren.

Indikation zur Risikoberatung

Die Indikation zur Beratung richtet sich nach Alter, Risikoprofil und psychosozialen Faktoren.

AltersgruppeEmpfehlung zur BeratungKriterien / Anlass
18–35 JahreEinmalig empfohlenBei hohem familiärem Risiko (z. B. familiäre Hypercholesterinämie)
Ab 35 JahrenSoll empfohlen werdenErhöhtes Risikoprofil, hohe psychosoziale Belastung, niedriger Bildungsgrad/SES, auf Patientenwunsch
Ab 35 JahrenSollte empfohlen werdenNeu festgestellte Risikofaktoren (Rauchen, Hypertonie, Typ-2-Diabetes, Adipositas, eGFR < 60, etc.)
Ab 50 JahrenSollte empfohlen werdenAnlasslos und unabhängig von bekannten Risikofaktoren

In palliativen Situationen oder bei deutlich eingeschränkter Lebenserwartung sollte keine Risikoberatung erfolgen.

Risikoschätzung

Für die Beratung soll das globale, absolute kardiovaskuläre Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall (meist 10-Jahres-Risiko) als vorrangige Entscheidungsgrundlage dienen. Die Nutzung validierter Scores wird empfohlen.

RisikoscoreZielgruppeEndpunkte (10 Jahre)Besonderheiten
arriba Herz30–90 JahreHerzinfarkt / SchlaganfallIntegriert in Entscheidungshilfe, zeigt absolute Risikodifferenz durch Interventionen
SCORE2 / SCORE2-OP40–89 JahreKardiovaskuläre Mortalität, Herzinfarkt / SchlaganfallNicht für Typ-1/2-Diabetes oder chronische Niereninsuffizienz
PROCAM-Test20–75 JahreHerzinfarktBerücksichtigt u. a. familiäre Belastung und Diabetes

Wichtig: Zusätzliche Marker wie Koronarer Kalziumscore (CAC), Intima-Media-Dicke, hsCRP, Knöchel-Arm-Index oder Lipoprotein(a) sollten nicht routinemäßig zur Risikoschätzung erhoben werden.

Partizipative Entscheidungsfindung (Shared Decision Making)

Entscheidungen zu Präventionsmaßnahmen sollen gemeinsam mit dem Patienten getroffen werden. Hierbei sollten Entscheidungshilfen (wie das arriba-Instrument) genutzt werden, um Vor- und Nachteile sowie absolute Risikoreduktionen verständlich darzustellen.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen (Lebensstil)

Unabhängig vom individuellen Risiko gelten folgende Basisempfehlungen:

  • Ernährung: Orientierung an der mediterranen Ernährung.
  • Bewegung: Soll empfohlen werden. Mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten starke Intensität pro Woche. Sedentäres Verhalten (Sitzen) minimieren.
  • Rauchen: Vollständiger Verzicht soll empfohlen werden.
  • Alkohol: Kein oder möglichst wenig Alkohol. Geringe Mengen zur Risikoreduktion sollten nicht empfohlen werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Von Betacarotin soll abgeraten werden. Vitamin D und E sollten nicht empfohlen werden (außer bei nachgewiesenem Mangel).

Medikamentöse Therapie

Die Indikation zur medikamentösen Primärprävention richtet sich nach dem absoluten 10-Jahres-Risiko.

WirkstoffIndikation (10-Jahres-Risiko)EmpfehlungBemerkung
Statine≥ 20 % (Alter ≤ 75 Jahre)Soll empfohlen werdenAls Fixdosistherapie in moderater Dosierung
Statine10 bis < 20 %Sollte empfohlen werdenBei deutlich erhöhtem altersbezogenem Risiko
ASS (75-100 mg)≥ 20 %Kann empfohlen werden-
ASS< 10 %Soll nicht eingesetzt werden-

Bei Statin-assoziierten Muskelschmerzen soll ein Auslassversuch, Wechsel oder eine Dosisreduktion erfolgen. Bei echter Unverträglichkeit und Risiko ≥ 20 % kann Ezetimib, Bempedoinsäure oder ein Fibrat empfohlen werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie für die Risikokommunikation das absolute Risiko anstelle von relativen Risiken. Das arriba-Tool hilft dabei, Patienten visuell zu verdeutlichen, wie stark eine Lebensstiländerung oder Statintherapie ihr persönliches 10-Jahres-Risiko tatsächlich senkt.

Häufig gestellte Fragen

Ab dem 50. Lebensjahr sollte sie anlasslos empfohlen werden. Bei Risikofaktoren oder psychosozialer Belastung bereits ab 35 Jahren.
Nein, laut DEGAM-Leitlinie sollen Marker wie Lipoprotein(a), hsCRP oder der Knöchel-Arm-Index nicht routinemäßig zusätzlich zu den traditionellen Risikofaktoren erhoben werden.
Bei Personen ≤ 75 Jahren soll ab einem absoluten 10-Jahres-Risiko von ≥ 20 % eine Statintherapie (moderate Fixdosis) empfohlen werden.
Bei einem sehr hohen Risiko (≥ 20 % in 10 Jahren) kann ASS 75-100 mg erwogen werden. Bei einem Risiko < 10 % soll es nicht eingesetzt werden.
Nein. Es soll empfohlen werden, keinen oder möglichst wenig Alkohol zu trinken. Ein protektiver Effekt soll nicht kommuniziert werden.

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