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Multimorbidität: DEGAM S3-Leitlinie 2024 Zusammenfassung

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Multimorbidität erfordert eine Abkehr von rein krankheitsspezifischen Leitlinien hin zu einer patientenzentrierten, zielorientierten Versorgung.
  • Die Erfassung von Patientenpräferenzen, Krankheitslast und Behandlungslast ist essenziell für die gemeinsame Entscheidungsfindung.
  • Ein regelmäßiges Medikamentenreview mit Prüfung auf Deprescribing soll bei jeder Konsultation erfolgen.
  • Ein jährliches Screening auf Stürze, chronische Schmerzen sowie Seh- und Hörverlust wird zur Prävention von Autonomieverlust empfohlen.
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Hintergrund

Multimorbidität bezeichnet das gleichzeitige Vorliegen von mehreren chronischen Erkrankungen (oft definiert als ≥ 3 chronische Diagnosen) bei derselben Person. Die Prävalenz ist stark altersabhängig und liegt bei über 80-Jährigen bei über 67 %. Multimorbidität ist assoziiert mit erhöhter Mortalität, vermehrten Krankenhauseinweisungen, funktionalen Einschränkungen und reduzierter Lebensqualität.

Die strikte Anwendung krankheitsspezifischer Leitlinien bei diesen Patientinnen und Patienten kann durch Multimedikation und widersprüchliche Empfehlungen zu gesundheitlichen Gefährdungen führen. Daher steht der Umgang mit dem Menschen im Fokus, nicht die Kombination spezifischer Erkrankungen.

Patientenzentrierte Kommunikation und Ziele

Eine intensive Patient-Arzt-Kommunikation und gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) erfordern ausreichend Zeit. Die Hauptanliegen der Konsultation sollen stets herausgearbeitet werden.

  • Empfehlungsgrad A: Patientinnen und Patienten sollen nach ihren individuellen Bedürfnissen, Behandlungspräferenzen und Gesundheitsprioritäten gefragt werden.
  • Wichtige Aspekte sind der Erhalt der sozialen Rolle, Verhinderung spezifischer Ereignisse, Minimierung von Nebenwirkungen und Verringerung der Behandlungslast.
BereichZu erfassende Aspekte
KrankheitslastPsychische Gesundheit, Interaktionen von Gesundheitsproblemen, Auswirkungen auf Wohlbefinden und Lebensqualität
BehandlungslastAnzahl/Art der Termine und Medikamente, Schäden durch Medikamente, nicht-medikamentöse Therapien, Auswirkungen auf die Psyche
RessourcenGesundheitskompetenz, Anpassungsstrategien, Lernkompetenzen, finanzielle Lage, soziale Unterstützung

Der Meta-Algorithmus

Der Meta-Algorithmus der DEGAM dient als Strukturierungs- und Orientierungshilfe für die Konsultation. Er priorisiert:

  1. Erfassung des Beratungsanlasses und Abgleich mit der erlebten Anamnese.
  2. Ausschluss von abwendbar gefährlichen Verläufen (z. B. kardiovaskuläre Komplikationen, Exsikkose, gastrointestinale Blutungen).
  3. Berücksichtigung von Patientenpräferenzen und Lebenszielen.
  4. Übergreifendes Management (Medikamentenreview, Reevaluation, Thematisierung funktioneller Störungen).

Krankheitsmanagement und Multimedikation

Multimedikation (Einnahme von ≥ 5 Medikamenten) erhöht das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) wie Stürze, kognitive Beeinträchtigungen und gastrointestinale Blutungen.

  • Starker Konsens: Bei jeder Konsultation soll die Anzahl und Dosierung der Medikamente ("pillcount") erfasst werden.
  • Ein Medikamentenreview auf nicht-indizierte, UAW-auslösende oder interagierende Medikamente ist zwingend.
  • Gegebenenfalls soll ein Absetzen oder eine Dosisreduktion (Deprescribing) erfolgen.

Prävention von Autonomieverlust und Komplikationen

Der Erhalt der Selbstständigkeit hat höchste Priorität. Funktionelle Einschränkungen müssen aktiv erfragt werden.

  • Psychische Störungen: Bei der Abklärung somatischer Symptome sollen psychische Komorbiditäten (z. B. Depression, Angst) differenzialdiagnostisch erwogen werden.
  • Chronische Schmerzen: Einmal pro Jahr nach beeinträchtigenden Schmerzen fragen; bei Vorliegen vierteljährlich das Schmerzmanagement überprüfen.
ProblembereichEmpfohlene MaßnahmeEmpfehlungsgrad
SturzrisikoJährliches Screening: "Sind Sie in den letzten 12 Monaten gestürzt?"A
SturzrisikoMessung der Ganggeschwindigkeit (gait speed) bei ≥ 1 Sturz im VorjahrB
SturzrisikoWohnraumanpassungen und multimodales Training (Gleichgewicht, Kraft)B
HarninkontinenzBeckenbodenmuskeltraining, Strategien zur BlasenkontrolleB
SehvermögenEmpfehlung zu regelmäßigen augenärztlichen UntersuchungenB
HörvermögenAngebot eines Hörtests und ggf. Bereitstellung von HörgerätenB

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jedem Kontakt einen kurzen 'Pillcount' durch und fragen Sie ältere Patienten einmal jährlich aktiv nach Stürzen im vergangenen Jahr, um Autonomieverlust frühzeitig entgegenzuwirken.

Häufig gestellte Fragen

Multimorbidität bezeichnet das gleichzeitige Vorliegen von mehreren chronischen Erkrankungen bei derselben Person, häufig operationalisiert als 3 oder mehr chronische Diagnosen.
Ein übergeordneter Denkprozess, der nicht auf eine einzelne Erkrankung fokussiert, sondern Patientenpräferenzen, den Ausschluss abwendbar gefährlicher Verläufe und den Erhalt der Autonomie in den Mittelpunkt stellt.
Ältere Patientinnen und Patienten mit Multimorbidität sollen mindestens einmal im Jahr gefragt werden, ob sie in den letzten 12 Monaten gestürzt sind.
Bei jeder Konsultation soll ein Medikamentenreview (Erfassung von Anzahl und Dosierung) erfolgen, um potenziell inadäquate Medikamente zu identifizieren und ggf. ein Deprescribing einzuleiten.
Durch gezieltes Erfragen der Anzahl von Arztterminen, Medikamenten, erlebten Nebenwirkungen und den Auswirkungen der Therapien auf das tägliche Leben und die Psyche.

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