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Schutz vor Über- und Unterversorgung: DEGAM-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Für die patientenzentrierte Versorgung bei Multimorbidität muss ausreichend Zeit eingeplant werden.
  • Bei KHK-Verdacht und einer Vortestwahrscheinlichkeit bis 50 % ist die Koronar-CT das bevorzugte bildgebende Verfahren.
  • Eine invasive Koronarangiographie ist bei stabiler KHK ohne prognostische Bypass-Indikation oder bei Ablehnung durch den Patienten obsolet.
  • Für einen möglichen Überlebensvorteil der PCI (Stent) bei stabiler KHK gibt es keine Evidenz aus randomisierten Studien.
  • Die Langzeitbetreuung von Asthma-Patienten sollte primär hausärztlich oder pädiatrisch erfolgen.
  • Eine CT bei COPD ist nur bei diagnostischen Diskrepanzen oder inadäquatem Therapieansprechen indiziert.
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Hintergrund

Die DEGAM-Leitlinie "Schutz vor Über- und Unterversorgung" fokussiert sich auf die Vermeidung von medizinischen Maßnahmen, die über die Bedarfsdeckung hinausgehen (Überversorgung) oder bei denen indizierte Leistungen unterlassen werden (Unterversorgung). Ziel ist eine ressourcenschonende, patientenzentrierte Medizin, die auch Aspekte der "Planetary Health" (Klimaschutz durch Vermeidung unnötiger Medizin) berücksichtigt. Die hausärztliche Praxis spielt als koordinierende Instanz eine Schlüsselrolle.

Multimorbidität und Versorgungskoordination

Bei multimorbiden Patienten steht oft der Erhalt der Autonomie und Lebensqualität im Vordergrund. Eine unkoordinierte fachärztliche Mitbehandlung birgt das Risiko von Polypharmazie und Überdiagnostik.

VersorgungsbereichEmpfohlene Koordination
KommunikationAusreichend Zeit für gemeinsame Entscheidungsfindung einplanen (starke Empfehlung).
DiagnostikGezielte Anforderung (z. B. Bildgebung) durch die Hausarztpraxis.
TherapieMedikamentöse Änderungen durch Spezialisten sollten vorab mit dem Hausarzt abgestimmt werden.
KrankenhausGemeinsame Entscheidung zur Einweisung; konsiliarische Einbindung des Hausarztes.

Chronische Koronare Herzkrankheit (KHK)

Ein zentrales Thema der Überversorgung ist die zu häufige Durchführung von invasiven Koronarangiographien (Herzkatheter) und Stent-Implantationen (PCI) ohne prognostischen Nutzen.

Nicht-invasive vs. invasive Diagnostik

Vortestwahrscheinlichkeit (VTW)Empfohlene DiagnostikBemerkung
Bis 50 %Bevorzugt Koronar-CTHohe Testgüte, vermeidet unnötige invasive Eingriffe.
15 - 85 %Nicht-invasive Ischämie-DiagnostikBei fehlendem Ischämie-Nachweis ist ein Herzkatheter kontraindiziert.

Indikationen und Kontraindikationen der Koronarangiographie

Eine invasive Koronarangiographie soll nicht durchgeführt werden bei:

  • Niedriger Wahrscheinlichkeit für eine stenosierende KHK.
  • Mittlerer Wahrscheinlichkeit (15-85 %) ohne Ischämie-Nachweis nach nicht-invasiver Diagnostik.
  • Hoher Komorbidität (Risiko übersteigt Nutzen).
  • Patienten, die eine Bypass-OP zur Lebensverlängerung ablehnen.
  • Beschwerdefreiheit nach vorheriger Intervention (ohne neuen Ischämie-Nachweis).

Aufklärung und Therapieentscheidung

Patienten sollen vor einer invasiven Diagnostik zwingend mit einer Entscheidungshilfe aufgeklärt werden. Es muss klar kommuniziert werden, dass für einen möglichen Überlebensvorteil der PCI (Stent) bei stabiler KHK keine Evidenz aus randomisierten Studien vorliegt. Lediglich eine Bypass-OP kann bei bestimmten Konstellationen (z. B. Hauptstammstenose, Mehrgefäßerkrankung mit Diabetes) prognostisch wirksam sein.

Asthma und COPD

Auch in der Pneumologie spielt die hausärztliche Steuerung eine zentrale Rolle zur Vermeidung von Fehlversorgung.

ErkrankungEmpfehlung zur Versorgung
AsthmaLangzeitbetreuung und Dokumentation (DMP) sollten primär durch Haus- oder Kinderärzte erfolgen.
AsthmaBei Stabilisierung unter fachärztlicher Therapie sollte eine Rücküberweisung in die Hausarztpraxis geprüft werden.
COPDEine Computertomographie (CT) soll nur bei diagnostischen Diskrepanzen, Diskrepanz zwischen Lungenfunktion und Beschwerden oder inadäquatem Therapieansprechen erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei KHK-Verdacht mit einer Vortestwahrscheinlichkeit <50 % primär die Koronar-CT und klären Sie Patienten aktiv darüber auf, dass eine Stent-Implantation (PCI) bei stabiler KHK keinen Überlebensvorteil bietet.

Häufig gestellte Fragen

Bei einer Vortestwahrscheinlichkeit von bis zu 50 % soll die Koronar-CT bevorzugt angeboten werden, um unnötige invasive Eingriffe zu vermeiden.
Unter anderem bei niedriger Wahrscheinlichkeit für eine KHK, bei fehlendem Ischämie-Nachweis (VTW 15-85 %) oder wenn der Patient eine Bypass-OP aus prognostischer Indikation ablehnt.
Nein. Laut Leitlinie liegt für einen möglichen Überlebensvorteil der PCI bei stabiler KHK keine Evidenz aus randomisierten Studien vor.
Die Langzeitbetreuung und Dokumentation im Rahmen eines strukturierten Behandlungsprogramms (DMP) sollte durch Hausärzte oder Kinder- und Jugendärzte erfolgen.
Nur bei diagnostischen Diskrepanzen, einer Diskrepanz zwischen Lungenfunktion und Beschwerden oder nach klinischem Eindruck inadäquatem Therapieansprechen.

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