Über- und Unterversorgung: DEGAM S2e-Leitlinie
Hintergrund
Die S2e-Leitlinie der DEGAM zum Schutz vor Über- und Unterversorgung adressiert die zunehmende Herausforderung einer bedarfsgerechten medizinischen Betreuung. Sie fasst hoch priorisierte Empfehlungen aus bestehenden Leitlinien zusammen, um das ärztliche Handeln im Praxisalltag zu reflektieren.
Überversorgung wird in der Leitlinie als eine Versorgung definiert, die über die Bedarfsdeckung hinausgeht und meist keinen hinreichenden Nutzen bietet. Unterversorgung liegt hingegen vor, wenn indizierte Maßnahmen mit gesichertem Nutzen nicht oder nur teilweise erfolgen.
Ziel der Leitlinie ist es, durch eine bewusste Auswahl diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen eine gerechtere und sicherere Medizin zu fördern. Dabei wird die zentrale Lotsenfunktion der Hausarztpraxis bei der Einschätzung individueller Versorgungsbedarfe und der Vermeidung von Überdiagnostik betont.
💡Praxis-Tipp
Bei der Entscheidung über eine stationäre Einweisung von Personen mit ambulant erworbener Pneumonie überschätzt der CRB-65-Score in der primärärztlichen Versorgung häufig das tatsächliche Risiko. Die Leitlinie empfiehlt daher, den Score stets durch eine individuelle klinische Risikoeinschätzung zu ergänzen. Zudem wird betont, dass bei normalen Vitalparametern und unauffälliger Auskultation eine Pneumonie sehr unwahrscheinlich ist.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie rät von einem anlasslosen, generellen Hautkrebs-Screening ab, da die Mortalität dadurch in Deutschland nicht gesunken ist. Im Einzelfall kann eine Früherkennung nach ausgewogener Aufklärung über Vor- und Nachteile erfolgen, insbesondere bei Personen mit erhöhtem Risiko.
Bei akuten und rezidivierenden Kreuzschmerzen ohne Hinweise auf gefährliche Verläufe (Red Flags) in Anamnese und körperlicher Untersuchung wird von einer bildgebenden Diagnostik abgeraten. Eine symptomorientierte klinische Untersuchung ist beim Erstkontakt ausreichend.
Nein, die Leitlinie empfiehlt, Kortikosteroide nicht zur analgetischen Therapie bei Halsschmerzen einzusetzen. Ebenso wird vom Gebrauch medizinischer Lutschtabletten, die Lokalantiseptika oder Antibiotika enthalten, abgeraten.
Wenn bei einer Vortestwahrscheinlichkeit von bis zu 50 Prozent eine bildgebende Untersuchung indiziert ist, wird laut Leitlinie bevorzugt die Durchführung eines Koronar-CTs empfohlen. Vor weiteren invasiven Untersuchungen wird eine strukturierte Beratung mittels Entscheidungshilfe angeraten.
Wenn ein akuter Schwindel nach Ausschluss abwendbar gefährlicher Verläufe keiner spezifischen Diagnose zugeordnet werden kann, wird eine Strategie des abwartenden Offenhaltens (Watchful Waiting) empfohlen. Die Symptomatik sistiert in diesen Fällen häufig spontan.
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Quelle: S2e-Leitlinie Schutz vor Über- und Unterversorgung - gemeinsam entscheiden (Living Guideline) (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.