Typ-1-Diabetes: Blutzuckereinstellung, CSII und CGM
Hintergrund
Die Insulintherapie ist für Menschen mit Typ-1-Diabetes lebensrettend. Das primäre Ziel der Behandlung besteht darin, optimale Blutzuckerwerte zu erreichen und gleichzeitig Hypoglykämien zu vermeiden.
Laut der Diabetes Canada Leitlinie werden für die meisten Erwachsenen Basis-Bolus-Injektionstherapien oder eine kontinuierliche subkutane Insulininfusion (CSII) bevorzugt. Mischinsuline sind in der Regel nicht geeignet, da häufige Dosisanpassungen erforderlich sind.
Zusätzlich zur Insulintherapie gewinnen neue Technologien wie kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) zunehmend an Bedeutung. Adjuvante, nicht-insulinbasierte Medikamente spielen bei der Blutzuckerkontrolle der meisten Betroffenen derzeit nur eine untergeordnete Rolle.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für Erwachsene mit Typ-1-Diabetes:
Insulintherapie
Es wird eine Basis-Bolus-Injektionstherapie oder eine kontinuierliche subkutane Insulininfusion (CSII) als Teil eines intensiven Diabetesmanagements empfohlen (Empfehlungsgrad A).
Um den HbA1c-Wert zu verbessern und das Hypoglykämierisiko zu minimieren, sollen schnell wirkende Insulinanaloga anstelle von Normalinsulin verwendet werden (Empfehlungsgrad B).
Bei einer Basis-Bolus-Therapie wird der Einsatz lang wirkender Insulinanaloga anstelle von NPH-Insulin empfohlen, um das Risiko für Hypoglykämien zu senken (Empfehlungsgrad B).
Die Leitlinie vergleicht die Eigenschaften verschiedener Basalinsuline wie folgt:
| Basalinsulin | Konzentrationen | Eigenschaften laut Leitlinie |
|---|---|---|
| NPH-Insulin | k.A. | Höheres Risiko für nächtliche Hypoglykämien im Vergleich zu Analoga |
| Insulin Glargin | U-100, U-300 | U-300 hat eine längere Wirkdauer (>30h) und ein flacheres Profil als U-100 |
| Insulin Detemir | U-100 | Geringeres Hypoglykämierisiko als NPH-Insulin |
| Insulin Degludec | U-100, U-200 | Sehr lange Wirkdauer (42h), weniger nächtliche Hypoglykämien als Glargin/Detemir |
Management von Hypoglykämien
Alle Betroffenen und ihre Angehörigen sollen über das Risiko und die Prävention von Hypoglykämien aufgeklärt werden.
Bei einer gestörten Hypoglykämiewahrnehmung empfiehlt die Leitlinie folgende nicht-pharmakologische Strategien:
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Ein standardisiertes Schulungsprogramm zur strikten Vermeidung von Unterzuckerungen
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Eine erhöhte Frequenz der Blutzuckerselbstmessung, auch während der Schlafenszeit
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Kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) mit hoher Tragezeit bei CSII-Nutzern
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Vorübergehend weniger strenge Blutzuckerziele für bis zu drei Monate
Diabetestechnologie (CSII und CGM)
Wenn die glykämischen Ziele mit einer Basis-Bolus-Therapie nicht erreicht werden, kann eine CSII mit oder ohne CGM eingesetzt werden. Die Leitlinie gibt an, dass CSII auch zur Verbesserung der Behandlungszufriedenheit genutzt werden kann.
Ein CGM mit hoher Tragezeit wird empfohlen, um den HbA1c-Wert zu verbessern oder zu halten, ohne das Hypoglykämierisiko zu erhöhen (Empfehlungsgrad B).
Bei nächtlichen Hypoglykämien unter CSII und CGM wird eine sensorunterstützte Pumpentherapie (SAP) mit automatischer Hypoglykämie-Abschaltung empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist auf folgende Kontraindikationen und Warnhinweise hin:
-
Körperliche Aktivität: Bei Vorliegen einer Ketose darf kein Sport getrieben werden, da es zu einer metabolischen Verschlechterung kommen kann.
-
SGLT2-Inhibitoren: Diese Medikamentenklasse hat keine Zulassung für Typ-1-Diabetes. Es wird vor einem erhöhten Risiko für diabetische Ketoazidosen (DKA) gewarnt, die auch euglykämisch verlaufen können.
-
GLP-1-Rezeptoragonisten: Liraglutid und andere GLP-1-Analoga haben derzeit keine Indikation zur Behandlung des Typ-1-Diabetes.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Hinweis der Leitlinie ist das Risiko für euglykämische Ketoazidosen beim Off-Label-Einsatz von SGLT2-Inhibitoren bei Typ-1-Diabetes. Zudem wird betont, dass etwa 85 Prozent der hypoglykämischen Episoden auf alltägliche Verhaltensänderungen wie abweichende Nahrungsaufnahme, Insulindosierung oder körperliche Aktivität zurückzuführen sind. Eine genaue Anamnese dieser Faktoren ist bei gehäuften Unterzuckerungen essenziell.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt schnell wirkende Insulinanaloga anstelle von Normalinsulin, um postprandiale Blutzuckerspitzen besser abzufangen. Als Basalinsulin werden lang wirkende Analoga gegenüber NPH-Insulin bevorzugt, da sie das Risiko für nächtliche Hypoglykämien senken.
Eine Insulinpumpe kann erwogen werden, wenn die glykämischen Ziele unter einer optimierten Basis-Bolus-Therapie nicht erreicht werden. Weitere Indikationen umfassen laut Leitlinie starke Blutzuckerschwankungen, häufige schwere Hypoglykämien oder ein ausgeprägtes Dawn-Phänomen.
Ja, auch bei einem HbA1c-Wert im Zielbereich wird ein CGM empfohlen, sofern der Sensor nahezu täglich getragen wird. Es hilft laut Leitlinie dabei, den Zielwert zu halten, ohne das Risiko für Unterzuckerungen zu erhöhen.
Die Leitlinie rät vom routinemäßigen Einsatz ab, da SGLT2-Inhibitoren keine Indikation für Typ-1-Diabetes haben. Es wird ausdrücklich vor dem erhöhten Risiko einer diabetischen Ketoazidose gewarnt.
Es wird ein standardisiertes Schulungsprogramm zur strikten Vermeidung von Unterzuckerungen empfohlen. Zudem rät die Leitlinie zu einer vorübergehenden Lockerung der Blutzuckerziele für bis zu drei Monate, um die Wahrnehmung wiederherzustellen.
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Quelle: Diabetes Canada Chapter 12: Glycemic Management in Adults with Type 1 Diabetes (Diabetes Canada, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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