Typ-1-Diabetes: Blutzuckermanagement (Diabetes Canada)
📋Auf einen Blick
- •Der HbA1c-Zielwert liegt für Erwachsene und Kinder bei <7,0 %, sollte jedoch individualisiert werden.
- •Automatisierte Insulinabgabesysteme (AID) sind die bevorzugte Therapiemethode für alle Patienten.
- •Bei Basal-Bolus-Therapie (BBI) werden langwirkende Basal-Analoga und (ultra-)kurzwirkende Bolus-Analoga empfohlen.
- •SGLT2-Inhibitoren, GLP-1-Rezeptor-Agonisten und Metformin können bei Erwachsenen als Zusatztherapie erwogen werden.
- •Die milde bis moderate diabetische Ketoazidose (DKA) kann sicher mit subkutanem Insulin behandelt werden.
Hintergrund
Die aktualisierte Leitlinie von Diabetes Canada fokussiert sich auf das Blutzuckermanagement bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern mit Typ-1-Diabetes. Ziel ist die Optimierung der glykämischen Kontrolle unter Minimierung von Hypoglykämien durch den Einsatz moderner Insuline und Technologien.
Glykämische Zielwerte
- Ein HbA1c-Wert von <7,0 % wird für Erwachsene und Kinder empfohlen, um mikrovaskuläre Komplikationen zu reduzieren [Grade A, Level 1A].
- Die Zielwerte sollten jedoch individuell und patientenzentriert festgelegt werden, wobei Faktoren wie Zugang zu Technologie, Angst vor Hypoglykämien und psychische Komorbiditäten berücksichtigt werden müssen [Grade D, Consensus].
Insulintherapie und Applikationssysteme
Automatisierte Insulinabgabesysteme (AID) stellen den neuen Goldstandard dar.
| System / Therapie | Empfehlung | Evidenz |
|---|---|---|
| AID-Systeme | Bevorzugte Methode für alle Patienten zur Verbesserung von HbA1c und "Time in Range" (TIR) ohne erhöhtes DKA-Risiko. | [Grade A, Level 1A] |
| IPT + PLGS | Sensorunterstützte Pumpentherapie mit prädiktiver Hypoglykämie-Abschaltung, wenn AID nicht möglich ist. | [Grade A, Level 1A] |
| BBI (Basal-Bolus) | Langwirkende Basal-Analoga (statt NPH) und (ultra-)kurzwirkende Analoga (statt Normalinsulin) verwenden. | [Grade A, Level 1A] |
Hinweis: Mahlzeiteninsuline sollten idealerweise 10-20 Minuten vor dem Essen appliziert werden, um postprandiale Glukosespitzen zu senken [Grade C, Level 3].
Zusatztherapien bei Erwachsenen
Nicht-Insulin-Antidiabetika können bei Erwachsenen nach gemeinsamer Entscheidungsfindung ("Shared Decision Making") ergänzend eingesetzt werden [Grade D, Consensus].
| Wirkstoffklasse | Effekte | Risiken / Nebenwirkungen | Evidenz |
|---|---|---|---|
| Metformin | Senkt HbA1c, Gewicht und Insulindosis | Gastrointestinale Beschwerden | [Grade A, Level 1A] |
| GLP-1-RA | Senkt HbA1c, Gewicht und Insulindosis | Gastrointestinal, erhöhtes Ketose-Risiko | [Grade A, Level 1A] |
| SGLT2-Inhibitoren | Senkt HbA1c, Gewicht und Glukosevariabilität | Genitalinfektionen, euglykämische Ketoazidose | [Grade A, Level 1A] |
Management der Hypoglykämie bei Kindern
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad und der verwendeten Insulintherapie.
| Schweregrad | Kriterien | Therapieempfehlung |
|---|---|---|
| Level 1 (Mild) | Glukose 3,0-3,9 mmol/L, autonome Symptome | BBI/IPT: 0,3 g/kg p.o. Kohlenhydrate (max. 15g). AID: Geringere Dosis (5-10g). |
| Level 2 (Moderat) | Glukose <3,0 mmol/L, neuroglykopenische Symptome | Wie Level 1. |
| Level 3 (Schwer) | Kognitive Einschränkung, Bewusstlosigkeit | Ab 4 Jahren: Glukagon intranasal oder s.c./i.m. Unter 4 Jahren: Glukagon s.c./i.m. |
Diabetische Ketoazidose (DKA)
Die DKA wird anhand des pH-Wertes und Bikarbonats klassifiziert:
| Schweregrad | pH-Wert | Bikarbonat (mmol/L) | Mentaler Status |
|---|---|---|---|
| Mild | 7,25 - 7,35 | 15 - 18 | Wach |
| Moderat | 7,00 - 7,24 | 10 - 15 | Wach / Schläfrig |
| Schwer | <7,00 | <10 | Stupor / Koma |
Therapieempfehlungen zur DKA:
- Flüssigkeit: Intravenöse Volumengabe mit balancierten Kristalloiden oder 0,9% NaCl [Grade A, Level 1]. Bei Kindern mit milder/moderater DKA initial 10-20 ml/kg als Bolus [Grade B, Level 2].
- Insulin: Bei milder bis moderater DKA kann subkutanes Insulin als sichere Alternative zur i.v.-Gabe verwendet werden, um Intensivaufnahmen zu vermeiden [Grade B, Level 1].
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei milder bis moderater DKA subkutanes Insulin, um Intensivstationsaufnahmen zu vermeiden. Achten Sie bei der Verordnung von SGLT2-Inhibitoren zwingend auf das Risiko einer euglykämischen Ketoazidose und schulen Sie die Patienten im Keton-Monitoring.