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Typ-1-Diabetes bei Kindern: Therapie & DKA-Management

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Diabetes Canada (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Diabetes mellitus ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Die Diabetes Canada Leitlinie betont die Notwendigkeit einer spezialisierten, interprofessionellen Betreuung für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes, um die komplexen physischen und emotionalen Bedürfnisse zu erfüllen.

Eine intensive Schulung der Familien unmittelbar nach der Diagnose ist essenziell. Diese sollte Themen wie Insulinwirkung, Blutzuckermessung, Ernährung und das Management von Krankheitstagen umfassen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Vermeidung von akuten Komplikationen wie der diabetischen Ketoazidose (DKA) und schweren Hypoglykämien. Gleichzeitig soll eine optimale metabolische Kontrolle erreicht werden, um das Risiko für mikrovaskuläre Langzeitkomplikationen zu senken.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management:

Blutzuckerziele und Monitoring

Laut Leitlinie wird für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ein HbA1c-Zielwert von <= 7,5 % empfohlen (Konsens). Die Ziele sollten individuell angepasst werden, um das Risiko schwerer Hypoglykämien zu minimieren, insbesondere bei Kindern unter 6 Jahren.

AlterHbA1c-ZielNüchtern/Präprandial (mmol/L)2-h-Postprandial (mmol/L)
< 18 Jahre<= 7,5 %4,0 - 8,05,0 - 10,0

Es wird ein regelmäßiges Blutzuckermonitoring empfohlen, da eine höhere Messfrequenz mit besseren klinischen Ergebnissen assoziiert ist. Der Einsatz von kontinuierlichen Glukosemesssystemen (CGM) kann erwogen werden, um asymptomatische Hypoglykämien zu erkennen.

Insulintherapie

Die Leitlinie empfiehlt den Start mit einer Basis-Bolus-Therapie unter Verwendung von schnellwirksamen Analoginsulinen und Basalinsulin. Die Therapie sollte bei jedem klinischen Kontakt evaluiert werden.

Bei Nichterreichen der Ziele wird eine Intensivierung des Managements empfohlen (Evidenzgrad A für Jugendliche). Dies kann folgende Maßnahmen umfassen:

  • Erhöhung der Injektionsfrequenz

  • Wechsel der Insulinart (Basal/Bolus)

  • Umstellung auf eine kontinuierliche subkutane Insulininfusion (CSII bzw. Insulinpumpe)

Management der Diabetischen Ketoazidose (DKA)

Die Behandlung der DKA bei Kindern sollte strikt nach pädiatrischen Protokollen erfolgen. Es wird empfohlen, die Flüssigkeitssubstitution über 48 Stunden zu strecken und den klinischen Status regelmäßig zu reevaluieren.

Die intravenöse Insulininfusion sollte laut Leitlinie erst eine Stunde nach Beginn der Flüssigkeitstherapie gestartet werden (Evidenzgrad A). Sobald der Blutzucker auf <= 17,0 mmol/L fällt, wird der Start einer intravenösen Dextrose-Gabe empfohlen, um Hypoglykämien zu vermeiden.

Screening auf Komplikationen

Ab einem Alter von 12 Jahren und einer Diabetesdauer von mehr als 5 Jahren wird ein jährliches Screening auf chronische Nierenerkrankungen empfohlen. Hierfür sollte bevorzugt der Albumin-Kreatinin-Quotient (ACR) im ersten Morgenurin bestimmt werden (Evidenzgrad B).

Ein jährliches Screening auf Retinopathie wird ab 15 Jahren bei einer Diabetesdauer von über 5 Jahren empfohlen. Bei guter Stoffwechseleinstellung kann das Intervall auf zwei Jahre verlängert werden.

ErkrankungIndikation für ScreeningScreening-Methode
AutoimmunthyreoiditisAlle Kinder mit Typ-1-DiabetesTSH und TPO-Antikörper (bei Diagnose, dann alle 2 Jahre)
ZöliakieSymptome, Wachstumsstörungen, häufige HypoglykämienGewebstransglutaminase- und IgA-Spiegel
DyslipidämieAb 12 Jahren (früher bei Risikofaktoren wie Adipositas)Nüchtern- oder Nicht-Nüchtern-Lipidprofil

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungen für Akutsituationen:

Therapie der Hypoglykämie

IndikationMedikament/MaßnahmeDosierung
Leichte Hypoglykämie (< 5 Jahre)Orale Kohlenhydrate5 g
Leichte Hypoglykämie (5 bis 10 Jahre)Orale Kohlenhydrate10 g
Leichte Hypoglykämie (> 10 Jahre)Orale Kohlenhydrate15 g
Drohende Hypoglykämie (bei Nahrungsverweigerung)Glukagon (Mini-Dosis)10 mcg pro Lebensjahr (Min. 20 mcg, Max. 150 mcg)
Schwere Hypoglykämie (bewusstlos, <= 5 Jahre)Glukagon (s.c. oder i.m.)0,5 mg
Schwere Hypoglykämie (bewusstlos, > 5 Jahre)Glukagon (s.c. oder i.m.)1,0 mg
Schwere Hypoglykämie (mit i.v.-Zugang)Dextrose (i.v.)0,5 bis 1 g/kg über 1-3 Minuten

Therapie der Diabetischen Ketoazidose (DKA)

IndikationMedikamentDosierung
DKA bei KindernKurz wirksames Insulin (i.v.-Infusion)0,05 bis 0,1 Einheiten/kg/h (Start erst 1h nach Flüssigkeit)

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor der Gabe eines intravenösen Insulinbolus bei der Behandlung der diabetischen Ketoazidose (DKA), da dies nicht zu einer schnelleren Auflösung der Azidose führt und das Risiko eines Hirnödems erhöhen kann.

Ebenso wird von der schnellen Verabreichung hypotoner Flüssigkeiten abgeraten. Die Gabe von Natriumbikarbonat sollte laut Leitlinie vermieden werden, außer bei extremer Kreislaufinsuffizienz, da auch dies mit der Entstehung von Hirnödemen assoziiert ist.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie unterscheidet sich das Management der diabetischen Ketoazidose bei Kindern fundamental von dem bei Erwachsenen. Es wird dringend empfohlen, die Insulininfusion erst eine Stunde nach Beginn der Flüssigkeitssubstitution zu starten und auf initiale Insulinboli komplett zu verzichten, um das hohe Risiko eines lebensbedrohlichen Hirnödems zu minimieren.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren einen HbA1c-Zielwert von <= 7,5 %. Dabei wird betont, dass dieses Ziel individuell angepasst werden sollte, um schwere Hypoglykämien zu vermeiden.

Es wird die Gabe von Glukagon empfohlen: 1 mg für Kinder über 5 Jahre und 0,5 mg für Kinder bis 5 Jahre (s.c. oder i.m.). Bei liegendem intravenösem Zugang empfiehlt die Leitlinie 0,5 bis 1 g/kg Dextrose i.v. über 1 bis 3 Minuten.

Ein Screening auf Zöliakie wird bei klinischen Symptomen, Wachstumsstörungen, unerklärlichen häufigen Hypoglykämien oder schlechter Stoffwechseleinstellung empfohlen. Die Testung erfolgt mittels Gewebstransglutaminase- und IgA-Spiegeln.

Laut Leitlinie sollte das jährliche Screening auf chronische Nierenerkrankungen ab einem Alter von 12 Jahren beginnen, sofern die Diabetesdauer mehr als 5 Jahre beträgt. Bevorzugt wird hierfür der Albumin-Kreatinin-Quotient (ACR) im Morgenurin bestimmt.

Die Leitlinie empfiehlt eine kontinuierliche intravenöse Infusion von kurzwirksamem Insulin mit 0,05 bis 0,1 Einheiten/kg/h. Diese darf erst eine Stunde nach Beginn der Flüssigkeitstherapie gestartet werden, und es darf kein initialer Insulinbolus gegeben werden.

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Quelle: Diabetes Canada Chapter 34: Type 1 Diabetes in Children and Adolescents (Diabetes Canada, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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