Blutzuckermonitoring: Leitlinie (Diabetes Canada)
📋Auf einen Blick
- •Der HbA1c-Wert sollte bei nicht erreichten Zielwerten alle 3 Monate, bei stabiler Einstellung alle 6 Monate gemessen werden.
- •Bei intensivierter Insulintherapie ist eine Blutzuckerselbstkontrolle (SMBG) mindestens 3-mal täglich indiziert.
- •Faktoren wie Anämie, Niereninsuffizienz oder Hämoglobinopathien können den HbA1c-Wert verfälschen.
- •Blutketonmessungen (Beta-Hydroxybutyrat) werden bei Typ-1-Diabetes und Blutzucker >14,0 mmol/L oder Krankheit empfohlen.
- •CGM und FGM senken signifikant die Zeit in der Hypoglykämie und verbessern die Stoffwechseleinstellung.
Hintergrund
Die Überwachung der Blutzuckereinstellung ist essenziell für das Diabetesmanagement. Sie umfasst die Messung des HbA1c-Wertes, die klassische Blutzuckerselbstkontrolle (SMBG) sowie moderne Verfahren wie das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM) und Flash Glucose Monitoring (FGM). Diese Methoden dienen nicht als eigenständige blutzuckersenkende Maßnahmen, sondern als Instrumente zur Beurteilung der Therapieeffizienz und zur Vermeidung von Hypoglykämien.
HbA1c-Messung
Der HbA1c-Wert spiegelt die durchschnittliche Plasmaglukose der letzten 8 bis 12 Wochen wider, wobei die letzten 30 Tage etwa 50 % des Wertes ausmachen.
- Messintervall: Alle 3 Monate bei nicht erreichten Zielwerten oder Therapieanpassungen [Grad D, Konsensus].
- Stabile Einstellung: Alle 6 Monate bei konsistent erreichten Zielwerten [Grad D, Konsensus].
Bestimmte Faktoren können die Aussagekraft des HbA1c-Wertes verfälschen:
| Faktor | Erhöhter HbA1c | Erniedrigter HbA1c | Variable Veränderung |
|---|---|---|---|
| Erythropoese | Eisen-/B12-Mangel, verminderte Erythropoese | EPO-Gabe, Retikulozytose | Chronische Lebererkrankung |
| Veränderte Glykation | Alkoholismus, chronische Niereninsuffizienz, verringerter Erythrozyten-pH | Aspirin, Vitamin C/E, erhöhter Erythrozyten-pH | Hämoglobinopathien |
| Erythrozyten-Lebensdauer | Verlängert (z. B. Splenektomie) | Verkürzt (z. B. Splenomegalie, rheumatoide Arthritis) | Chronische Niereninsuffizienz |
Blutzuckerselbstkontrolle (SMBG)
Die Frequenz der SMBG muss individualisiert werden. Sie ist am effektivsten, wenn sie mit einem strukturierten Schulungsprogramm kombiniert wird.
- Typ-1-Diabetes & Typ-2-Diabetes mit intensivierter Insulintherapie: Mindestens 3-mal täglich, inklusive prä- und postprandialer Messungen [Grad A, Level 1 für Typ 1; Grad C, Level 3 für Typ 2].
- Typ-2-Diabetes mit Einmal-Insulin: Mindestens einmal täglich zu variablen Zeiten [Grad D, Konsensus].
- Typ-2-Diabetes ohne Insulin: Frequenz individualisieren basierend auf Medikation und Hypoglykämierisiko [Grad D, Konsensus]. Bei nicht erreichten Zielen sollte SMBG initiiert werden [Grad B, Level 2].
Zur Überprüfung der Messgenauigkeit sollte das Gerät mindestens jährlich mit einer venösen Nüchternplasmaglukose (Labor) abgeglichen werden. Eine Abweichung von <15 % bei Werten >4,2 mmol/L gilt als akzeptabel [Grad D, Konsensus].
Ketonmessung
Eine Ketonmessung wird für alle Patienten mit Typ-1-Diabetes empfohlen bei:
- Akuter Erkrankung mit erhöhten Blutzuckerwerten
- Präprandialen Werten >14,0 mmol/L
- Symptomen einer diabetischen Ketoazidose (DKA) [Grad D, Konsensus]
Blutketonmessungen (Beta-Hydroxybutyrat) werden gegenüber Urintests (Acetoacetat) bevorzugt, da sie eine Ketose und das Ansprechen auf die Therapie früher erkennen lassen [Grad B, Level 2].
Kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM & FGM)
Moderne Sensorsysteme messen die Glukosekonzentration in der interstitiellen Flüssigkeit und bieten Vorteile gegenüber der klassischen SMBG.
| System | Eigenschaften | Evidenz & Empfehlung |
|---|---|---|
| Real-Time CGM | Zeigt Werte in Echtzeit, bietet Alarme bei Hypo-/Hyperglykämie. Erfordert SMBG-Kalibrierung. | Senkt HbA1c und Hypoglykämiedauer bei Typ-1-Diabetes [Grad A, Level 1A]. |
| Flash Glucose Monitoring (FGM) | Werkskalibriert (keine SMBG nötig). Werte werden durch Scannen abgerufen. Keine aktiven Alarme. | Reduziert signifikant die Zeit in der Hypoglykämie bei Typ 1 und Typ 2 [Grad B, Level 2]. |
💡Praxis-Tipp
Überprüfen Sie die Genauigkeit von Blutzuckermessgeräten Ihrer Patienten mindestens einmal jährlich durch einen Abgleich mit der venösen Nüchternplasmaglukose aus dem Labor. Bevorzugen Sie bei Verdacht auf eine diabetische Ketoazidose die kapilläre Blutketonmessung (Beta-Hydroxybutyrat) gegenüber Urinteststreifen.