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Diabetes Typ 2: Leitlinie 2024 (Diabetes Canada)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Diabetes Canada Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose eines Diabetes mellitus wird ab einem HbA1c ≥ 6,5 % oder einem Nüchternblutzucker ≥ 7,0 mmol/L gestellt.
  • Das Standard-HbA1c-Ziel liegt für die meisten Patienten bei ≤ 7,0 %.
  • Bei kardiovaskulären Erkrankungen, Herzinsuffizienz oder chronischer Nierenerkrankung (CKD) sind SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptor-Agonisten indiziert.
  • Bei akuten Erkrankungen mit Dehydratationsrisiko müssen bestimmte Medikamente pausiert werden (SADMANS-Regel).
  • Hypoglykämien (Level 1: < 3,9 mmol/L) werden primär mit 15 g schnell wirksamen Kohlenhydraten behandelt.
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Hintergrund

Die Leitlinie von Diabetes Canada (2024) bietet praxisnahe Empfehlungen für das Screening, die Diagnostik und das Management des Diabetes mellitus. Ein besonderer Fokus liegt auf der individualisierten Therapie, der Vermeidung von Hypoglykämien und dem kardiorenalen Schutz.

Screening und Diagnostik

Ein Screening auf Typ-2-Diabetes sollte bei Personen ab 40 Jahren oder bei Vorliegen von Risikofaktoren (z. B. positive Familienanamnese, kardiovaskuläre Risikofaktoren, Endorganschäden) alle 3 Jahre erfolgen. Bei sehr hohem Risiko (50 % Wahrscheinlichkeit für Diabetes in 10 Jahren) wird ein Screening alle 6 bis 12 Monate empfohlen.

ParameterPrädiabetesDiabetes
HbA1c6,0 – 6,4 %≥ 6,5 %
Nüchternblutzucker (FPG)6,1 – 6,9 mmol/L≥ 7,0 mmol/L
  • Asymptomatische Patienten: Benötigen zwei Werte im diabetischen Bereich (z. B. HbA1c und FPG) zur Diagnosestellung.
  • Symptomatische Patienten: Ein einzelner Wert im diabetischen Bereich reicht bei Vorliegen klassischer Symptome (Polyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust) aus.

Therapieziele

Die Blutzuckerziele müssen individualisiert werden. Für die meisten Patienten gilt ein Nüchternblutzucker von 4,0 – 7,0 mmol/L und ein postprandialer Wert (2h) von 5,0 – 10,0 mmol/L.

HbA1c-Ziele

PatientengruppeHbA1c-Ziel
Potenzial für Remission zu Normoglykämie< 6,0 %
Reduktion des Risikos für CKD und Retinopathie≤ 6,5 %
Die meisten Patienten (Typ 1 & Typ 2)≤ 7,0 %
Funktionell abhängig, gebrechlich oder kognitiv eingeschränkt7,1 – 8,5 %

CGM-Ziele (Continuous Glucose Monitoring)

Für die meisten Patienten mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes gelten folgende Zielbereiche:

ParameterBereichZielwert
Time in Range (TIR)3,9 - 10,0 mmol/L> 70 %
Time below Range (TBR)< 3,9 mmol/L< 4,0 %
Time above Range (TAR)> 13,9 mmol/L< 5 %

Medikamentöse Therapie und Organschutz

Die medikamentöse Therapie richtet sich zunehmend nach Begleiterkrankungen, um kardiovaskuläre und renale Ereignisse zu reduzieren.

KomorbiditätEmpfohlene Substanzklassen
ASCVD (Kardiovaskuläre Erkrankung)ACE-Hemmer/ARB, GLP1-RA, SGLT2-Inhibitoren, Statine, ASS
Chronische Nierenerkrankung (CKD)ACE-Hemmer/ARB, GLP1-RA, nsMRA, SGLT2-Inhibitoren, Statine
Herzinsuffizienz (HF)ACE-Hemmer/ARB, SGLT2-Inhibitoren, Statine

Hinweise zur Nierenfunktion (eGFR):

  • Metformin: Dosisreduktion (max. 1000 mg) bei eGFR 30-44. Nicht initiieren bei eGFR < 30.
  • SGLT2-Inhibitoren: Wirksamkeit zur Blutzuckersenkung nimmt bei sinkender eGFR ab, kardiorenaler Schutz bleibt jedoch erhalten.
  • Sulfonylharnstoffe: Bei eGFR < 15 oder Dialyse vermeiden.

Management bei Krankheitstagen (SADMANS)

Um bei akuten Erkrankungen mit Dehydratationsrisiko (z. B. Erbrechen, Durchfall) akutes Nierenversagen oder Ketoazidosen zu vermeiden, müssen folgende Medikamente pausiert werden (SADMANS):

  • Sulfonylharnstoffe
  • ACE-Hemmer
  • Diuretika
  • Metformin, MRA (Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten)
  • Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB)
  • NSAIDs (Nichtsteroidale Antirheumatika)
  • SGLT2-Inhibitoren

Hypoglykämie-Management

StufeDefinitionTherapie
Level 1< 3,9 mmol/L, autonome Symptome15 g Kohlenhydrate oral (z. B. 4 Dextrose-Tabletten). Kontrolle nach 15 Min.
Level 2< 3,0 mmol/L, neuroglykopenische Symptome15 g Kohlenhydrate oral. Kontrolle nach 15 Min.
Level 3Schwere Einschränkung, Fremdhilfe nötigBewusst: 20 g KH oral oder Glukagon. Unbewusst: Glukagon oder 10-25 g Glukose i.v.

Fahrtauglichkeit: Nach Behandlung einer Hypoglykämie darf erst wieder gefahren werden, wenn der Blutzucker > 5,0 mmol/L liegt.

Schwangerschaft

Bei geplanter Schwangerschaft sollte ein HbA1c von ≤ 6,5 % angestrebt werden.

  • Absetzen: Statine, ACE-Hemmer/ARB und nicht-insulinhaltige Antidiabetika (Ausnahme: Metformin und/oder Glyburid).
  • Starten: Folsäure 1 mg/Tag (3 Monate vor Konzeption) und ggf. Insulin.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die SADMANS-Regel aktiv in der Patientenaufklärung: Weisen Sie Patienten an, bei Magen-Darm-Infekten Medikamente wie SGLT2-Inhibitoren und Metformin zu pausieren, um euglykämische Ketoazidosen und Nierenversagen zu verhindern.

Häufig gestellte Fragen

Die Diagnose wird ab einem HbA1c ≥ 6,5 % oder einem Nüchternblutzucker ≥ 7,0 mmol/L gestellt. Bei asymptomatischen Patienten müssen zwei Werte im pathologischen Bereich liegen.
Für die meisten Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes wird ein HbA1c-Ziel von ≤ 7,0 % empfohlen. Bei gebrechlichen Patienten kann das Ziel auf 7,1 – 8,5 % gelockert werden.
Bei Herzinsuffizienz sollten primär SGLT2-Inhibitoren in Kombination mit ACE-Hemmern/ARBs und Statinen eingesetzt werden.
Mit 15 g schnell wirksamen Kohlenhydraten (z. B. 4 Glukosetabletten oder 150 ml Saft). Der Blutzucker sollte nach 15 Minuten kontrolliert und die Gabe bei Werten < 3,9 mmol/L wiederholt werden.
Erst wenn der Blutzucker nach der Behandlung wieder stabil über 5,0 mmol/L liegt.

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