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Diabetes Canada2018EndokrinologieInnere Medizin

Diabetes-Management im Krankenhaus: Leitlinie (Diabetes Canada)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Diabetes Canada Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Insulin ist das Mittel der Wahl zur Blutzuckerkontrolle im Krankenhaus; ein proaktives Basal-Bolus-Korrektur-Schema wird empfohlen.
  • Reine Korrektur-Insulinschemata sollten als alleinige Therapieform vermieden werden.
  • Für nicht-kritisch kranke Patienten liegt der Zielblutzucker präprandial bei 5,0-8,0 mmol/l und im Tagesverlauf bei <10,0 mmol/l.
  • Bei kritisch kranken Patienten wird ein Zielbereich von 6,0-10,0 mmol/l angestrebt.
  • Ein HbA1c-Wert sollte bei Aufnahme bestimmt werden, falls dies in den letzten 3 Monaten nicht erfolgt ist.
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Hintergrund

Hyperglykämien treten bei hospitalisierten Patienten häufig auf, auch ohne bekannte Diabetes-Vorgeschichte. Sie sind mit einer erhöhten Komplikationsrate, längerer Verweildauer und erhöhter Mortalität assoziiert. Akute Erkrankungen führen zu physiologischen Veränderungen (z. B. Ausschüttung von Stresshormonen) oder erfordern Therapien (z. B. Glukokortikoide), die eine Hyperglykämie begünstigen. Eine stationäre Hyperglykämie wird als Blutzuckerwert >7,8 mmol/l definiert.

Diagnostik und Screening

Bei allen Patienten sollte bei Aufnahme die Diabetes-Anamnese erhoben werden.

  • HbA1c-Bestimmung: Sollte bei allen Patienten mit bekanntem Diabetes oder bei neu diagnostizierter Hyperglykämie (bzw. bei Vorliegen von Risikofaktoren) erfolgen, sofern in den letzten 3 Monaten kein Wert bestimmt wurde.
  • Ein HbA1c-Wert hilft, zwischen einem bisher unentdeckten Diabetes und einer stressinduzierten Hyperglykämie zu unterscheiden.

Blutzuckermessung (Monitoring)

Die Häufigkeit der kapillären Blutzuckermessung sollte individualisiert werden. Folgende Intervalle werden typischerweise empfohlen:

Klinische SituationMesshäufigkeit
Orale NahrungsaufnahmeVor den Mahlzeiten und zur Nacht
Nüchtern (NPO) oder kontinuierliche enterale ErnährungAlle 4 bis 6 Stunden
Intravenöses Insulin oder kritisch KrankeAlle 1 bis 2 Stunden

Blutzucker-Zielwerte

Die Zielwerte im Krankenhaus sind moderat höher als im ambulanten Bereich, um das Risiko von Hypoglykämien zu minimieren.

PatientenpopulationBlutzucker-Zielwert (mmol/l)
Nicht-kritisch krankPräprandial: 5,0-8,0 / Randomisiert: <10,0
Kritisch krank6,0-10,0
CABG intraoperativ5,5-11,1
Perioperativ (andere OPs)5,0-10,0
Akutes Koronarsyndrom7,0-10,0
Wehen und Entbindung4,0-7,0

Therapiekonzepte

Insulin ist das bevorzugte Medikament zur effektiven Blutzuckerkontrolle im Krankenhaus.

Subkutane Insulintherapie (Nicht-kritisch Kranke)

  • Empfohlen: Ein proaktives Schema bestehend aus Basal-, Bolus- (prandial) und Korrektur-Insulin.
  • Nicht empfohlen: Die alleinige Verwendung von Korrektur-Insulin (reaktives Behandeln von bereits aufgetretenen Hyperglykämien) ist unzureichend und sollte vermieden werden.
  • Bei Patienten, die nicht regelmäßig essen, kann das Bolus-Insulin reduziert oder pausiert werden; das Basal-Insulin darf jedoch nicht abgesetzt werden.

Intravenöse Insulintherapie (Kritisch Kranke)

  • Indiziert bei kritisch Kranken, Nüchternheit mit hohem Insulinbedarf oder metabolischen Entgleisungen (DKA, HHS).
  • Umstellung auf subkutanes Insulin: Kurzwirksames Insulin 1 bis 2 Stunden (bzw. langwirksames Insulin 2 bis 3 Stunden) vor Beendigung der IV-Gabe verabreichen. Die neue Tagesdosis kann aus dem IV-Bedarf der letzten 6 bis 8 Stunden hochgerechnet werden (davon 60-80 % als Basalinsulin).

Nicht-Insulin-Antidiabetika

Orale Antidiabetika sind im Krankenhaus häufig kontraindiziert (z. B. wegen unregelmäßiger Nahrungsaufnahme, Niereninsuffizienz oder Kontrastmittelgabe). Bei stabilen Patienten ohne Kontraindikationen können die häuslichen Medikamente fortgeführt werden.

Spezielle klinische Situationen

Glukokortikoid-Therapie

Hyperglykämien treten bei 20-50 % der Patienten ohne bekannten Diabetes auf. Ein Blutzucker-Monitoring über 48 Stunden nach Beginn der Steroidtherapie wird empfohlen. Auch hier ist ein Basal-Bolus-Korrektur-Schema effektiver als reine Korrekturschemata.

Enterale und parenterale Ernährung

  • Parenteral: Insulin kann der Lösung direkt zugefügt oder subkutan verabreicht werden.
  • Enteral (Bolus): Behandlung analog zu normalen Mahlzeiten (50 % Basal, 50 % Bolus aufgeteilt auf die Sondenzeiten).
  • Bei unerwartetem Abbruch der Ernährung kann intravenöse Glukose erforderlich sein, um Hypoglykämien zu vermeiden.

Insulinpumpen (CSII)

Die Fortführung einer Insulinpumpe im Krankenhaus ist möglich, wenn der Patient mental kompetent ist, die Pumpe selbstständig bedienen kann und das Krankenhaus über entsprechende Richtlinien und Protokolle verfügt.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie im Klinikalltag auf reine Korrektur-Insulinschemata. Nutzen Sie stattdessen proaktiv ein Basal-Bolus-Korrektur-Schema, um Blutzuckerschwankungen und Hyperglykämien effektiv vorzubeugen.

Häufig gestellte Fragen

Der Zielbereich liegt präprandial bei 5,0 bis 8,0 mmol/l und im Tagesverlauf (randomisiert) bei unter 10,0 mmol/l.
Bei Patienten, die nüchtern sind (NPO) oder kontinuierlich enteral ernährt werden, sollte der Blutzucker alle 4 bis 6 Stunden gemessen werden.
Verabreichen Sie kurzwirksames Insulin 1 bis 2 Stunden (oder langwirksames Insulin 2 bis 3 Stunden) vor dem Stoppen des Perfusors. Berechnen Sie die Tagesdosis anhand des IV-Bedarfs der letzten 6 bis 8 Stunden und geben Sie 60-80 % davon als Basalinsulin.
Ja, bei stabilen Patienten ohne Kontraindikationen. Häufig müssen sie jedoch wegen unregelmäßiger Nahrungsaufnahme, Nierenversagen oder Kontrastmittelgabe pausiert und durch Insulin ersetzt werden.
Ja, sofern der Patient in der Lage ist, die Pumpe selbstständig und sicher zu bedienen, und das Krankenhaus über entsprechende Sicherheitsprotokolle verfügt.

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