Tofacitinib bei Colitis ulcerosa: Therapie & Dosierung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A18-52 bewertet den Zusatznutzen von Tofacitinib bei erwachsenen Personen mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa. Dies betrifft Fälle, bei denen eine konventionelle Therapie oder ein Biologikum unzureichend gewirkt hat, nicht mehr wirkt oder nicht vertragen wurde.
Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die mit einem hohen therapeutischen Bedarf einhergeht. Ziele der Behandlung sind unter anderem die steroidfreie Induktion einer Remission, der Remissionserhalt sowie die Mukosaheilung.
Tofacitinib stellt mit seinem neuartigen Wirkmechanismus eine weitere medikamentöse Option dar. Die Bewertung vergleicht den Wirkstoff mit etablierten Therapien wie TNF-alpha-Inhibitoren oder Integrin-Inhibitoren.
Empfehlungen
Zusatznutzen
Laut Bericht liegt für Tofacitinib in der untersuchten Indikation kein belegter Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor. Der pharmazeutische Unternehmer hat keine geeigneten Daten für einen direkten oder indirekten Vergleich eingereicht.
Zweckmäßige Vergleichstherapie
Die Bewertung definiert je nach Vortherapie unterschiedliche Vergleichstherapien:
-
Bei Versagen einer konventionellen Therapie: TNF-alpha-Inhibitoren (Adalimumab, Golimumab oder Infliximab)
-
Bei Versagen eines Biologikums: TNF-alpha-Inhibitoren oder der Integrin-Inhibitor Vedolizumab
Studiendauer
Für die Ableitung eines Zusatznutzens bei einer chronischen Erkrankung wie der Colitis ulcerosa wird eine Studiendauer von mindestens 12 Monaten herangezogen. Kürzere Zeiträume von beispielsweise 20 Wochen werden als nicht adäquat eingestuft.
Dosierung
Die Fachinformation gibt folgende Dosierungsempfehlungen für Tofacitinib bei mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa vor:
| Therapiephase | Dosis | Dauer / Anmerkung |
|---|---|---|
| Einleitungstherapie | 10 mg zweimal täglich | 8 Wochen (verlängerbar auf 16 Wochen) |
| Erhaltungstherapie | 5 mg zweimal täglich | Standarddosis |
| Erhaltungstherapie (intensiviert) | 10 mg zweimal täglich | Bei Versagen von TNF-alpha-Inhibitoren oder Wirkverlust unter 5 mg |
Für Personen mit eingeschränkter Organfunktion gelten laut Dokument folgende Anpassungen:
| Patientengruppe | Dosisanpassung |
|---|---|
| Leichte bis mittelschwere Nierenfunktionsstörung | Keine Anpassung erforderlich |
| Schwere Nierenfunktionsstörung | Reduktion auf die halbe Dosis (z.B. 5 mg einmal statt zweimal täglich) |
| Leichte Leberfunktionsstörung | Keine Anpassung erforderlich |
| Mittelschwere Leberfunktionsstörung | Reduktion auf die halbe Dosis |
Kontraindikationen
Laut Fachinformation bestehen für Tofacitinib folgende Kontraindikationen:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
-
Aktive Tuberkulose
-
Schwere Infektionen (z. B. Sepsis oder opportunistische Infektionen)
-
Schwere Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse C)
-
Schwangerschaft und Stillzeit
Zudem wird von einem Behandlungsbeginn abgeraten, wenn bestimmte Laborwerte unterschritten werden:
-
Absolute Lymphozytenzahl (ALC) unter 750 Zellen/mm³
-
Absolute Neutrophilenzahl (ANC) unter 1.000 Zellen/mm³
-
Hämoglobinwert unter 9 g/dl
💡Praxis-Tipp
Ein wesentlicher Aspekt für den klinischen Alltag ist, dass für Tofacitinib bei Colitis ulcerosa laut IQWiG-Bewertung kein belegter Zusatznutzen gegenüber etablierten Biologika besteht. Zudem wird vor Behandlungsbeginn eine strikte Kontrolle des Blutbildes empfohlen, da die Therapie bei einer absoluten Lymphozytenzahl unter 750 Zellen/mm³ oder einem Hämoglobinwert unter 9 g/dl nicht eingeleitet werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Tofacitinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Es wurden keine verwertbaren Daten für einen direkten oder indirekten Vergleich vorgelegt.
Die Einleitungstherapie erfolgt in der Regel mit 10 mg zweimal täglich über 8 Wochen. Für die Erhaltungstherapie wird eine Dosis von 5 mg zweimal täglich empfohlen.
Die Bewertung definiert in diesem Fall TNF-alpha-Inhibitoren als Vergleichstherapie. Dazu zählen die Wirkstoffe Adalimumab, Golimumab oder Infliximab.
Bei einer leichten bis mittelschweren Nierenfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich. Liegt eine schwere Nierenfunktionsstörung vor, wird eine Reduktion der Dosis auf die Hälfte empfohlen.
Es wird empfohlen, die Behandlung bei Auftreten einer schwerwiegenden Infektion zu unterbrechen, bis diese unter Kontrolle ist. Auch bei dosisbezogenen anomalen Laborbefunden wie einer schweren Lymphopenie oder Anämie kann ein Abbruch erforderlich sein.
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Quelle: IQWiG A18-52: Tofacitinib (Colitis) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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