Schmerzen bei Querschnittlähmung: Diagnostik & Therapie
Hintergrund
Chronische Schmerzen sind mit einer Prävalenz von bis zu 94 Prozent eine häufige und schwerwiegende Komplikation bei einer Querschnittlähmung (QSL). Die AWMF-Leitlinie unterscheidet grundsätzlich zwischen nozizeptiven und neuropathischen Schmerzen, da diese Differenzierung für die Therapieplanung essenziell ist.
Nozizeptive Schmerzen entstehen meist durch muskuloskelettale Überlastungen, Spastik oder viszerale Probleme. Neuropathische Schmerzen werden infolge der Läsion des somatosensorischen Nervensystems in Schmerzen auf Höhe des neurologischen Niveaus ("at-level") und unterhalb des Niveaus ("below-level") unterteilt.
Laut Leitlinie ist eine frühzeitige und ausreichende Schmerztherapie anzustreben, um einer Chronifizierung entgegenzuwirken. Dabei wird betont, dass Schmerzfreiheit oft kein realistisches Ziel ist, sondern vielmehr eine spürbare Schmerzreduktion und die Verbesserung der Lebensqualität im Vordergrund stehen.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie stellt die unkritische Verordnung von Opioiden bei Querschnittlähmung eine häufige Fehlerquelle dar. Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass Opioide die ohnehin bestehenden neurogenen Darm- und Blasenstörungen massiv verschlechtern können und daher nur als absolute Reserveoption in möglichst niedriger Dosierung eingesetzt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt Pregabalin oder Gabapentin als primäre Therapieoptionen. Die Dosierung sollte schrittweise unter Beachtung der klinischen Verträglichkeit eindosiert werden.
Es wird empfohlen, Opioide nur sehr zurückhaltend und als Reservemedikamente zu verwenden. Die Leitlinie warnt vor einer Verschlechterung der neurogenen Darm- und Blasenfunktion durch diese Substanzklasse.
Laut Leitlinie treten "at-level" Schmerzen auf Höhe des neurologischen Niveaus und bis zu drei Segmente darunter auf, oft als Mischbild aus peripheren und zentralen Läsionen. "Below-level" Schmerzen manifestieren sich unterhalb des Läsionsniveaus und gelten primär als Folge einer zentralen spinalen Schädigung.
Die Leitlinie rät vom Einsatz von Cannabinoiden zur Schmerztherapie bei Querschnittlähmung ab. Dies wird mit der unzureichenden Evidenzlage und dem Risiko für unerwünschte Wirkungen wie Obstipation begründet.
Es wird eine starke Empfehlung für körperliche Aktivität und physiotherapeutische Maßnahmen zur Behandlung nozizeptiver Schmerzen ausgesprochen. Auch bei neuropathischen Schmerzen kann ein unterstützender Einsatz laut Leitlinie erwogen werden.
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Quelle: Schmerzen bei Querschnittlähmung (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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