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Lebenslange Nachsorge Querschnittlähmung (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine regelmäßige (meist jährliche) interdisziplinäre Nachsorge ist essenziell zur Prävention und Früherkennung von Komplikationen.
  • Neurologische Kontrollen fokussieren auf Spastik, Schmerzen, Syringomyelie und autonome Dysregulation (besonders bei Läsionen >Th6).
  • Ein kardiometabolisches Screening (Blutdruck, Lipide, Glukose, Gewicht) wird jährlich empfohlen.
  • Neurogene Darmfunktionsstörungen erfordern ein regelmäßiges Screening auf Obstipation, Megacolon und kolorektale Karzinome.
  • Die Dekubitusprävention umfasst Hautinspektionen, Risikoassessments und Hilfsmittelkontrollen.
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Hintergrund

Die Querschnittlähmung (QSL) führt zum Ausfall motorischer, sensibler und autonomer Funktionen. Da sich der Gesundheitszustand durch Alterung und Dauer der Lähmung verändert, ist eine lebenslange, interdisziplinäre Nachsorge in spezialisierten Zentren der "Goldstandard". Ziel ist die Prävention, Früherkennung und Behandlung querschnittlähmungsassoziierter und altersbedingter Gesundheitsprobleme. Nach der Erstbehandlung sollten Kontrollen im ersten Jahr häufiger, danach in der Regel jährlich stattfinden.

Neurologische Nachsorge

Eine regelmäßige neurologische Verlaufskontrolle (Sensomotorik, Spastik, Schmerzen, Reflexe) ist essenziell.

KomplikationRisikogruppe / SymptomeDiagnostik / Maßnahme
SyringomyelieNeurologische Verschlechterung, Schmerzzunahme, SpastikzunahmeKlinische Untersuchung, kurzfristiges MRT (CISS-Sequenzen), neurochirurgische Vorstellung
Tethered CordSpina bifida, posttraumatisch / Veränderung der Spastik oder BlasenfunktionKlinische Untersuchung, MRT, neurochirurgische Vorstellung
Autonome DysregulationLäsion >Th6 / Blutdruckkrisen, Kopfschmerzen, SchwitzenBlutdruck/Puls messen, Ursachensuche (Blase, Darm, Haut), ggf. erweiterte Diagnostik
Kognitive StörungenSHT, Tetraplegie, Spina bifida (Hydrozephalus)Aktives Screening, bei Spina bifida Shuntkontrolle
  • Spastik: Bei jeder Kontrolle und bei relevanter Änderung evaluieren (Scores: MAS, SCATS, SCI-SET). Ursachensuche bei Verschlechterung (z.B. Harnwegsinfekt, Fraktur).
  • Schmerzen: Neuropathische Schmerzen aktiv erfragen und fokussiert klinisch untersuchen.

Kardiovaskuläres und Metabolisches System

Das Risiko für ein kardiometabolisches Syndrom ist bei QSL deutlich erhöht.

ParameterIntervallEmpfehlung / Maßnahme
BlutdruckMindestens jährlichImmer in derselben Position messen. Bei Schwankungen 24h-Messung.
LipideAlle 3 Jahre (jährlich bei Risiko)Nüchtern LDL, TC, TG, HDL-C.
Glukose / HbA1cJährlichFamilienanamnese und Risikofaktoren erheben.
Gewicht / AdipositasJährlichKörpergewicht messen. BMI mit angepasstem Schwellenwert (22 kg/m²) nutzen.
EKGJährlich (ab 10 J. Läsion oder >60 J.)Besonders bei Tetraplegie (fehlende klassische Infarktsymptome).
  • Thrombose: Erhöhtes Risiko im ersten Jahr, bei Schwangerschaft, hormoneller Kontrazeption, Rauchen, Diabetes, Alter >45 oder AIS A. Klinische Untersuchung bei Symptomen.

Atmung und Immunsystem

  • Atmung: Bei Tetraplegie Spirometrie und Messung der Atemmuskelkraft. Hustenkapazität (Peak Cough Flow) regelmäßig prüfen. Bei Verdacht auf Schlafapnoe Polygraphie.
  • Impfungen: Jährliche Influenza-Impfung. Pneumokokken, Herpes-Zoster, Meningokokken (besonders bei Läsion >Th3 wegen Milzatrophie) und Covid-19 gemäß nationalen Empfehlungen.

Gastrointestinaltrakt und Darmmanagement

Die neurogene Darmfunktionsstörung (nDFS) erfordert ein lebenslanges Management.

ProblemDiagnostik / MaßnahmeBemerkung
Obstipation / InkontinenzAnamnese (Trinkmenge, Ernährung), Sphinkter-Tonus, NBD-ScoreStuhlentleerung muss planbar und zuverlässig sein (<1h Dauer).
MegacolonAbdomenübersicht, DarmpassagezeitBei hartnäckiger Obstipation, Dehnung, Schmerzen. Ggf. Colostomie erwägen.
Analfissuren / HämorrhoidenDarmanamnese, rektale Untersuchung, ProktoskopieVorsicht: Gefahr der autonomen Dysreflexie bei Manipulation (>Th6).
Colonkarzinom-VorsorgeColoskopie (ab 50 J., alle 10 J.)Vorbereitung dauert 3-4 Tage (verlangsamte Transitzeit). Stationäre Durchführung bei >Th6 empfohlen.

Urogenitalsystem und Sexualität

  • Blase: Individuell risikoadaptierte neuro-urologische Kontrollen zur Prävention von Nierenschäden und Harnblasenkarzinomen.
  • Gynäkologie: Regelmäßige Krebsvorsorge (Mamma, Zervix) und HPV-Impfung ansprechen.
  • Kontrazeption: Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva wegen Thromboserisiko vermeiden. Empfohlen: Gestagenmonopräparate oder Intrauterinsysteme (IUS).
  • Schwangerschaft: Gilt als Risikoschwangerschaft. Präkonzeptionelle Beratung (Folsäure, Medikationscheck, Thromboseprophylaxe) ist essenziell.

Muskuloskeletalsystem und Haut

BereichRisiko / ProblemNachsorge-Empfehlung
Obere ExtremitätenÜberbelastung (Rollstuhl, Transfer), KarpaltunnelsyndromJährliche Evaluation (Schmerz, Gelenkstatus), besonders bei Tetraplegie und langer Rollstuhldauer.
Untere ExtremitätenKontrakturenJährliche Evaluation der Gelenkbeweglichkeit. Bei Fußgängern Gehhilfen prüfen.
SkolioseProgredienz, SitzproblemeKlinische Beurteilung, ggf. Röntgen (im Sitzen/Stehen). Sitzposition/Rollstuhl prüfen.
Haut (Dekubitus)Druck, Reibung, MangelernährungVisuelle/palpatorische Hautinspektion, Risikoassessment, Hilfsmittelkontrolle, ggf. Laborkontrolle (Ernährungsstatus).

Psychologie und Medikation

  • Depression: Aktives Screening auf psychische Symptome, besonders im ersten Jahr, bei Tetraplegie oder jungen Patienten.
  • Polypharmazie: Medikamentenliste regelmäßig auf Indikation, Dosierung (Nierenfunktion beachten) und Nebenwirkungen prüfen.

💡Praxis-Tipp

Achtung bei Läsionen oberhalb Th6: Jede rektale Manipulation (z.B. bei Hämorrhoiden oder Coloskopie-Vorbereitung) kann eine lebensbedrohliche autonome Dysreflexie auslösen. Zudem zeigen Tetraplegiker oft keine klassischen Herzinfarktsymptome – schreiben Sie ab 10 Jahren nach Eintritt der Lähmung oder ab dem 60. Lebensjahr ein jährliches EKG.

Häufig gestellte Fragen

Nach der Erstbehandlung im ersten Jahr häufiger, danach bei stabilen Verhältnissen in der Regel jährlich in einem spezialisierten Zentrum.
Die Darmvorbereitung dauert aufgrund der verlangsamten Transitzeit 3-4 Tage. Bei Läsionen >Th6 sollte die Untersuchung wegen der Gefahr einer autonomen Dysreflexie stationär erfolgen.
Wegen des erhöhten Thromboserisikos sollten kombinierte hormonelle Kontrazeptiva vermieden werden. Empfohlen werden Gestagenmonopräparate oder Intrauterinsysteme (IUS).
Ab 10 Jahren nach Eintritt der Lähmung oder ab einem Alter von 60 Jahren, da klassische Herzinfarktsymptome oft fehlen.
Eine Verschlechterung der Neurologie, neu auftretende oder zunehmende Schmerzen sowie eine Zunahme der Spastik.

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