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Chronischer Schmerz (CNTS): Leitlinie (DEGAM/AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Schmerzen von mehr als 3 Monaten Dauer werden als chronischer Schmerz definiert.
  • Körperliche Aktivität und nicht-medikamentöse Maßnahmen bilden die Basis der Therapie.
  • Eine einseitige Fokussierung auf Schmerzfreiheit ist zu vermeiden; funktionelle Ziele stehen im Vordergrund.
  • Medikamentöse Therapien sollten zeitlich begrenzt und mit einem klaren Auslassversuch geplant werden.
  • Opioide sind bei primären Schmerzsyndromen und somatoformen Störungen kontraindiziert.
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Hintergrund

Die Diagnose „chronischer Schmerz“ sollte bei Schmerzen von mehr als 3 Monaten Dauer gestellt werden. Schmerzen sind immer subjektiv und müssen ernst genommen werden, auch wenn keine organische Ursache auffindbar ist. Die Prävalenz im hausärztlichen Kontext liegt bei etwa 20 %, wobei Rückenschmerzen (46 %) am häufigsten sind. Die Pathogenese chronischer nicht tumorbedingter Schmerzen (CNTS) erklärt sich am besten durch das biopsychosoziale Modell (Schmerzgedächtnis, Gate-Control-Theorie, Fear-Avoidance-Modell).

Einteilung

Bei Vorliegen chronischer Schmerzen sollte eine pathogenetische Zuordnung erfolgen:

SchmerztypBeschreibung / Beispiele
NozizeptivMechanische, chemische oder thermische Reizung (z.B. Arthrose)
NeuropathischNervenschädigung
NoziplastischGeänderte Schmerzverarbeitung, Hypersensibilität (z.B. Fibromyalgie)
PsychogenÜberwiegend psychogene Mechanismen (z.B. somatoforme Störung)
Mixed PainMischformen

Diagnostik

Eine strukturierte Schmerzanamnese sollte zumindest einmal durchgeführt werden. Lange zurückliegende Befunde sind keine Indikation für erneute apparative Untersuchungen, es sei denn, es liegen Red Flags vor.

BereichEmpfohlene Instrumente / Fragebögen
SchmerzcharakterMcGill Pain Questionnaire
Neuropathischer SchmerzPain-Detect-Fragebogen
SchmerzintensitätVAS, NRS
BeeinträchtigungPain Disability Index (PDI)
Dysfunktionale MusterFear-Avoidance-Belief-Questionnaire (FABQ), Pain Catastrophising Scale
Psychisches ScreeningPHQ-D (Depression/Angst)

Behandlungsprinzipien

  • Kausale Therapie: Behandelbare Ursachen spezifisch therapieren.
  • Therapieziele: Individuelle, realistische und funktionelle Ziele vereinbaren (z.B. „wieder Busfahren können“). Eine einseitige Fokussierung auf die Schmerzintensität (Schmerzfreiheit) sollte vermieden werden.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Körperliche Aktivität ist die Basis einer evidenzbasierten Therapie. Entspannungsverfahren und Psychotherapie (Verhaltenstherapie) sind zu prüfen.
  • Struktur: Erstellung eines schriftlichen Behandlungsplans und Vereinbarung regelmäßiger, geplanter Termine (unabhängig von Schmerzexazerbationen).

Medikamentöse Therapie

Nur bis zu 30 % der Patient:innen profitieren von einer medikamentösen Therapie. Bei Beginn sollte der Zeitrahmen für einen späteren Reduktions- oder Auslassversuch besprochen werden.

WirkstoffgruppeBeispieleWichtige Anmerkungen
Einfache AnalgetikaParacetamol, MetamizolParacetamol max. 3-4 g/d (Lebertoxizität). Metamizol als Reserve (Agranulozytose-Risiko).
NSAIDIbuprofen, Diclofenac, NaproxenDosis und Dauer geringhalten. Kardiovaskuläre und gastrointestinale Risiken. Bei >65 Jahren PPI-Prophylaxe erwägen. Keine Triple-Kombination mit ACE-Hemmer + Diuretikum.
Co-AnalgetikaAmitriptylin, Duloxetin, GabapentinIndiziert bei neuropathischen Schmerzen. Amitriptylin abends (Sturzrisiko bei Älteren). Gabapentin langsam aufdosieren.

Opioidtherapie

Opioide (z.B. Tramadol, Tilidin/Naloxon, Morphin, Fentanyl) erfordern eine strenge Indikationsstellung.

  • Kontraindikationen: Primäre Schmerzsyndrome, funktionelle/somatoforme Schmerzen, Schmerz als Leitsymptom psychischer Störungen.
  • Einstellung: Bevorzugt orale, retardierte Präparate. Start mit niedriger Dosis. Max. 120 mg/Tag orales Morphinäquivalent.
  • Begleitmedikation: Immer Obstipationsprophylaxe verordnen. In den ersten 3 Wochen Antiemetika (Metoclopramid).
  • Verlauf: Nach spätestens 6 Monaten Dosisreduktion und Auslassversuch besprechen. Keine nicht-retardierte Bedarfsmedikation in der Langzeittherapie.

💡Praxis-Tipp

Vereinbaren Sie mit dem Patienten funktionelle Therapieziele (z.B. 'wieder im Garten arbeiten können') statt völliger Schmerzfreiheit. Planen Sie bei jeder Erstverordnung eines Analgetikums bereits den Auslassversuch.

Häufig gestellte Fragen

Bei Schmerzen, die länger als 3 Monate andauern oder wiederkehrend auftreten.
Nur bei strenger Indikation (z.B. unzureichende Wirkung von Nicht-Opioiden). Bei primären oder somatoformen Schmerzsyndromen sind sie kontraindiziert.
Bei gutem Ansprechen sollte nach spätestens 6 Monaten ein Dosisreduktions- und Auslassversuch besprochen werden.
Körperliche Aktivität ist die Basis der evidenzbasierten Therapie, da sie bei 2 von 3 Patienten zu einer Schmerzlinderung führt.
Nein. Lange zurückliegende Befunde sind keine Indikation für erneute Untersuchungen, sofern keine neuen Red Flags auftreten.

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