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CRPS (Komplexes regionales Schmerzsyndrom) Leitlinie AWMF

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein persistierender Schmerz (Stärke ≥ 5) eine Woche nach distaler Radiusfraktur ist ein Warnsignal für ein CRPS.
  • Die Diagnose wird rein klinisch anhand der Budapest-Kriterien (IASP) gestellt; apparative Diagnostik dient nur der Bestätigung.
  • Die Therapie erfordert einen multimodalen Ansatz aus Physio-/Ergotherapie, Psychotherapie und medikamentöser Schmerztherapie.
  • Bisphosphonate und kurzzeitige Glukokortikoide (in der akuten, entzündlichen Phase) sind wirksame medikamentöse Optionen.
  • Invasive Maßnahmen (z.B. SCS, DRG-Stimulation) sind streng indiziert und spezialisierten Zentren vorbehalten.
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Hintergrund

Das Komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) entwickelt sich bei 2–5 % der Patienten nach einer Extremitätenverletzung (z.B. Radiusfraktur). Die Schmerzen sind im Vergleich zum erwarteten Heilungsverlauf unangemessen stark und gehen mit sensorischen, motorischen, vegetativen und trophischen Störungen einher.

KlassifikationDefinition
CRPS IOhne nachweisbare Verletzung größerer peripherer Nerven (früher: Morbus Sudeck).
CRPS IIMit nachweisbarer Verletzung größerer peripherer Nerven (früher: Kausalgie).
Warmes CRPSCa. 70 % der Fälle; warme, entzündlich veränderte Haut zu Beginn.
Kaltes CRPSCa. 30 % der Fälle; kalte, livide Haut; oft schlechtere Prognose.

Diagnostik

Die Diagnose des CRPS wird rein klinisch nach den Kriterien der IASP (Budapest-Kriterien) gestellt. Alle vier Punkte müssen erfüllt sein:

  1. Anhaltender Schmerz, der durch das Anfangstrauma nicht mehr erklärt wird.
  2. Anamnestisch mindestens ein Symptom aus 3 der 4 Kategorien (Sensorik, Vasomotorik, Sudomotorik/Ödem, Motorik/Trophik).
  3. Bei der Untersuchung mindestens ein Symptom aus 2 der 4 Kategorien.
  4. Keine andere Erkrankung erklärt die Symptomatik hinreichend.

Apparative Untersuchungen dienen lediglich der Bestätigung bei unklaren Fällen, können ein CRPS aber nicht ausschließen:

UntersuchungBefund / Indikation
3-Phasen-KnochenszintigraphieBandenförmige gelenknahe Anreicherungen (hohe Spezifität).
HauttemperaturmessungSeitenunterschiede > 1–2 °C unterstützen die Diagnose.
Röntgen (Seitenvergleich)Nach 4–8 Wochen oft kleinfleckige, osteoporotische Veränderungen.
MRTGeringe Spezifität, nicht zur Diagnosestellung geeignet (Knochenödeme beweisen kein CRPS).

Therapiealgorithmus

Die Behandlung sollte frühzeitig und multidisziplinär erfolgen.

StufeTherapieBemerkung
APhysio-/Ergotherapie & orale SchmerztherapieBasismaßnahme zur Wiedererlangung der Funktion.
BSteroide oder BisphosphonateBei akuter Symptomatik mit Ödem und Temperatursteigerung.
CPsychologische Evaluierung & TherapieBei nicht ausreichender Wirksamkeit von A und B.
DKetamin-DauerinfusionIm Einzelfall stationär bei Therapieresistenz (strenge Indikation).
EInvasive Therapien (z.B. SCS, DRG)Nur durch spezialisierte Einrichtungen bei strenger Indikation.

Medikamentöse Therapie

WirkstoffDosis (Erwachsene)Indikation & Evidenz
Bisphosphonate (z.B. Alendronat)40 mg/Tag p.o. für 8 WochenEmpfohlen bei CRPS der oberen/unteren Extremität zur Schmerz- und Funktionsverbesserung.
Glukokortikoide (z.B. Prednisolon)ca. 100 mg/Tag p.o. (Ausschleichen über 2-3 Wochen)Empfohlen bei frühem, entzündlichem CRPS (Rötung, Ödem). Keine Dauertherapie!
Gabapentin1200–2400 mg/Tag (max. 3600 mg)Eingeschränkt empfohlen gegen Schmerzen und Sensibilitätsstörungen.
Ketaminca. 22 mg/h (bei 70 kg) i.v. über 4 TageEmpfohlen bei Therapieresistenz in erfahrenen Zentren (Missbrauchs- und Hepatotoxizitätsgefahr).
N-Acetylcystein (NAC)3 x 600 mg/Tag p.o.Kann bei kaltem CRPS versucht werden (geringe Evidenz, aber nebenwirkungsarm).

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie & Ergotherapie: Unverzichtbar zur Wiederherstellung der Funktion und Vermeidung von Kontrakturen. Aktive Mitarbeit ist essenziell.
  • Verhaltenstherapeutische Ansätze: Spiegeltherapie, "Graded Motor Imagery" und "Graded Exposure" (EXP) reduzieren Bewegungsangst und normalisieren kortikale Prozesse.
  • Psychotherapie: Wichtig bei psychischen Begleiterkrankungen oder ausbleibender Besserung zur Bewältigung von Angst und Kontrollverlust.

Interventionelle Therapie

Invasive Verfahren sind streng indiziert und spezialisierten Zentren vorbehalten:

  • Rückenmarksnahe Elektrostimulation (SCS): Bei therapierefraktärem CRPS der unteren Extremität (ohne mechanische Allodynie).
  • DRG-Stimulation (Spinalganglien): Alternative zur SCS bei therapierefraktären Fällen der unteren Extremität.
  • Sympathikusblockaden: Genereller Einsatz wird nicht empfohlen (fehlende Evidenz). Nur als zeitlich begrenzte Serie bei nachgewiesenem sympathisch unterhaltenem Schmerz.
  • Baclofen intrathekal: Bei schweren, konservativ nicht beherrschbaren dystonen Störungen.

Besonderheiten bei Kindern

Bei Kindern hat das CRPS eine sehr gute Prognose. Die Therapie muss durch einen erfahrenen Pädiater begleitet werden. Invasive oder potenziell schädigende Maßnahmen (z.B. Ketamin) sind fast immer kontraindiziert.

💡Praxis-Tipp

Ein Schmerzscore von ≥ 5 auf der NRS eine Woche nach einer distalen Radiusfraktur ist ein wichtiges Warnsignal für ein CRPS. Beginnen Sie frühzeitig mit aktiver, schmerzadaptierter Physiotherapie und vermeiden Sie rein passive, schmerzverstärkende Maßnahmen.

Häufig gestellte Fragen

Die Diagnose wird rein klinisch anhand der IASP-Kriterien (Budapest-Kriterien) gestellt. Apparative Diagnostik wie Szintigraphie oder MRT dient nur dem Ausschluss von Differenzialdiagnosen.
Glukokortikoide (z.B. Prednisolon) werden in der akuten, entzündlichen Phase (Rötung, Überwärmung, Ödem) für maximal 2 bis 3 Wochen in ausschleichender Dosierung empfohlen.
Ein genereller Einsatz wird mangels Evidenz nicht empfohlen. Sie sollten nur in spezialisierten Zentren bei gesichert sympathisch unterhaltenen Schmerzen als zeitlich begrenzte Serie erwogen werden.
CRPS bei Kindern hat eine sehr gute Prognose. Invasive oder potenziell schädigende Therapien (wie Ketamin-Infusionen) sind kontraindiziert. Die Behandlung sollte primär konservativ und pädiatrisch begleitet erfolgen.
Keine. Die Diagnose ist rein klinisch. Eine 3-Phasen-Knochenszintigraphie oder Hauttemperaturmessungen können die Diagnose stützen, ein MRT ist aufgrund geringer Spezifität nicht zur Diagnosestellung geeignet.

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