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Epidurale Rückenmarkstimulation: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • SCS hat den Empfehlungsgrad A bei persistierenden spinalen Schmerzen (PSPS I/II), therapierefraktärer Angina pectoris und pAVK (Fontaine 2b/3).
  • Die Spinalganglienstimulation (DRG) wird mit Empfehlungsgrad A bei CRPS I/II der unteren Extremitäten empfohlen.
  • Bei diabetischer Polyneuropathie (dPNP) sollen SCS und DRG gleichermaßen angeboten werden (Empfehlungsgrad A).
  • Vor der definitiven Implantation ist eine Testphase (6-12 Tage) mit einer geforderten Schmerzreduktion von mindestens 50 % obligatorisch.
  • Antikoagulantien müssen vor der Implantation zwingend abgesetzt werden (Empfehlungsgrad A), um intraspinale Hämatome zu vermeiden.
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Hintergrund

Die epidurale Rückenmarkstimulation (SCS) und die Spinalganglienstimulation (DRG) sind neuromodulatorische, reversible Verfahren für Patienten mit chronischen, konservativ austherapierten Schmerzen. Sie eignen sich primär für neuropathische, sympathisch vermittelte oder ischämische Schmerzen. Reine nozizeptive Schmerzen stellen im Allgemeinen keine Indikation dar.

Indikationen und Empfehlungsgrade

Die Leitlinie vergibt klare Empfehlungen für verschiedene chronische Schmerzsyndrome:

IndikationBevorzugtes VerfahrenEmpfehlungsgradBemerkung
PSPS I und II (FBSS)SCSABei postoperativem Rücken-/Beinschmerz.
CRPS I und IIDRGABesonders an der unteren Extremität wirksam.
Diabetische PolyneuropathieSCS / DRGABeide Verfahren sollen gleichermaßen angeboten werden.
Angina pectorisSCSABei therapierefraktären Verläufen.
pAVKSCSAFür Stadium 2b und 3 nach Fontaine.
Fokale postoperative NeuropathienDRGBZ.B. nach Hernien-OPs.

Wirkmechanismen und Stimulationsparadigmen

Neben der klassischen tonischen Stimulation kommen zunehmend neue Wellenformen zum Einsatz. Bei der SCS sollen verschiedene Wellenformen ausgetestet werden (Empfehlungsgrad B).

ParadigmaZielstrukturMechanismusParästhesien
Tonische SCSHintersträngeGABA-Freisetzung im Hinterhorn, Aktivierung von Aβ-FasernJa
Burst-SCSHintersträngeModuliert auch emotionale/affektive SchmerzaspekteNein
HF-SCS (Hochfrequenz)HintersträngeDepolarisationsblock oder DesynchronisationNein
DRG-StimulationSpinalganglionBlockade an der T-Verzweigung, wirkt auf Aβ-FasernTeils

Klinischer Algorithmus (Beispiel PSPS/FBSS)

Vor der definitiven Implantation muss ein strukturiertes Stufenschema durchlaufen werden:

  • Schritt 1: Ausschöpfung der konservativen, medikamentösen und psychotherapeutischen Therapie.
  • Schritt 2: Differenzialdiagnostik (nozizeptive vs. neuropathische Anteile).
  • Schritt 3: Indikationsstellung (radikulärer Schmerz muss axialen Rückenschmerz überwiegen).
  • Schritt 4: Testphase (6-12 Tage). Kriterien für Erfolg: Mindestens 50 % Schmerzreduktion, verbesserte Lebensqualität, Wunsch nach Medikamentenreduktion.
  • Schritt 5: Vollimplantation des Impulsgebers bei positiver Testung.
  • Schritt 6 & 7: Nachsorge, Medikamentenreduktion und kontinuierliche Qualitätskontrolle.

Perioperatives Management und Komplikationen

Die Implantation kann in Lokalanästhesie oder Allgemeinanästhesie erfolgen. Eine intraoperative Teststimulation mit optimaler Parästhesie-Abdeckung des Schmerzareals soll erfolgen (Empfehlungsgrad B).

KomplikationsartHäufigkeitBemerkung
Elektrodenmigration11-34 %Häufigste mechanische Komplikation.
Infektionen3,7-11 %Meist in den ersten 6 Monaten.
Elektrodenbruch0,8-13,4 %Erfordert oft Revision.
Epidurales Hämatom0,19-0,75 %Selten, aber potenziell schwere neurologische Defizite.

Zur Vermeidung von intraspinalen Hämatomen sollen Antikoagulantien präoperativ abgesetzt werden (Empfehlungsgrad A).

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Indikationsstellung zum FBSS/PSPS darauf, dass der in die Extremitäten ausstrahlende neuropathische Schmerz den axialen Rückenschmerz deutlich überwiegt. Führen Sie stets eine Testphase von 6-12 Tagen durch, die mindestens 50 % Schmerzreduktion erzielen muss.

Häufig gestellte Fragen

Bei chronischer kritischer Extremitätenischämie im Stadium 2b und 3 nach Fontaine, wenn angiologische Interventionen nicht möglich sind (Empfehlungsgrad A).
Vor allem neuropathische, sympathisch vermittelte oder ischämische Schmerzen. Reine nozizeptive Schmerzen sind im Allgemeinen keine Indikation.
Mindestens 50 % Schmerzreduktion, verbesserte Lebensqualität, Wunsch nach Medikamentenreduktion und der Patientenwunsch nach Vollimplantation.
Ja, Antikoagulantien sollen präoperativ abgesetzt werden (Empfehlungsgrad A), um das Risiko schwerer neurologischer Komplikationen durch intraspinale Hämatome zu minimieren.
Tonische SCS erzeugt oft Kribbelparästhesien. Burst- und Hochfrequenz-SCS (HF) sind parästhesiefreie Paradigmen, die teils auch emotionale und affektive Schmerzaspekte modulieren.

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