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Kopflausbefall: Diagnostik & Therapie (RKI-Ratgeber)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Kopfläuse übertragen in unseren Breiten keine Krankheitserreger, verursachen aber oft starken Juckreiz durch Speichelsekrete.
  • Die Diagnostik erfolgt am besten durch systematisches Auskämmen des nassen, mit Pflegespülung behandelten Haars.
  • Die Therapie der Wahl ist eine Kombination aus topischen Pedikuloziden und nassem Auskämmen.
  • Eine Wiederholungsbehandlung mit dem Kopflausmittel an Tag 8, 9 oder 10 ist zwingend erforderlich.
  • Ein Schulbesuch ist direkt nach einer korrekt durchgeführten Erstbehandlung wieder möglich.
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Hintergrund

Die Kopflaus (Pediculus humanus capitis) ist ein 2,1–3,3 mm großer Ektoparasit, der ausschließlich im menschlichen Kopfhaar lebt. Die Übertragung erfolgt primär durch direkten Haar-zu-Haar-Kontakt. In unseren Breiten übertragen Kopfläuse keine Krankheitserreger.

Der Lebenszyklus dauert vom Ei bis zur ersten Eiablage etwa 17–22 Tage. Die Eier (Nissen) werden wasserunlöslich nahe der Kopfhaut an die Haare geklebt. Ohne Blutmahlzeit überleben Kopfläuse bei Zimmertemperatur maximal 2 bis 3 Tage.

Klinische Symptomatik

Die Stiche der Kopfläuse erfolgen alle 4–6 Stunden und führen zu folgenden Symptomen:

  • Hochrote urtikarielle Papeln
  • Leitsymptom Juckreiz
  • Kratzeffekte (Exkoriationen) und Krustenbildung
  • Regionale Lymphknotenschwellungen (okzipital/zervikal)
  • Bei bakterieller Superinfektion: Ekzembildung (bevorzugt hinter den Ohren und im Nacken)

Diagnostik

Die Diagnose wird durch den Nachweis lebender Läuse gestellt. Die bloße Inspektion reicht oft nicht aus.

Diagnostik-SchrittDurchführungBemerkung
VorbereitungHaar mit Wasser und Pflegespülung anfeuchtenErleichtert das Kämmen und fixiert die Läuse
AuskämmenSystematisch Strähne für Strähne von der Kopfhaut zu den Spitzen ziehenSpezieller Läusekamm (Zinkenabstand <0,2 mm) erforderlich
KontrolleKamm nach jedem Strich auf Küchenpapier abstreifen oder mit Lupe prüfenGefundene Läuse direkt beseitigen

Hinweis zur Nissen-Beurteilung: Entwicklungsfähige Eier kleben meist weniger als 1 cm von der Kopfhaut entfernt. Eihüllen, die weiter entfernt sind, sind in der Regel leer, da das Haar ca. 1 cm pro Monat wächst.

Therapie

Die optimale Behandlung besteht aus einer Kombination von chemischen/physikalischen Pedikuloziden und nassem Auskämmen. Hausmittel wie Essigwasser oder Heißluft (Föhn) sind ungeeignet und potenziell schädlich.

Empfohlenes Kombinationsschema

TagMaßnahmeZiel
Tag 1Topisches Mittel + Nasses AuskämmenErstbehandlung und Beseitigung adulter Läuse
Tag 2Nasses AuskämmenKontrolle des Behandlungserfolges
Tag 5Nasses AuskämmenEntfernung nachgeschlüpfter Larven
Tag 8, 9 oder 10Wiederholungsbehandlung + Nasses AuskämmenZwingend erforderlich! Abtötung neu geschlüpfter Stadien
Tag 11Nasses AuskämmenKontrolle nach Wiederholungsbehandlung
Tag 13 & 17Nasses AuskämmenAbschließende Kontrolluntersuchungen

Hygienemaßnahmen im Haushalt

Da Kopfläuse abseits des Wirtes schnell sterben, sind Umgebungsmaßnahmen zweitrangig, dienen aber der Vorsicht:

  • Kämme und Bürsten in heißer Seifenlösung reinigen.
  • Bettwäsche, Handtücher und Schlafanzüge wechseln.
  • Mützen, Schals und Kuscheltiere für 3 Tage in einer Plastiktüte verschlossen aufbewahren.
  • Insektizid-Sprays sind nicht indiziert.

Infektionsschutz und IfSG-Regelungen

Gemäß § 34 Abs. 5 IfSG müssen Eltern die Gemeinschaftseinrichtung über einen Kopflausbefall informieren.

Ein Besuchsverbot für Schulen und Kitas besteht nur bis zur ersten korrekten Behandlung. Direkt nach der sachgerechten Erstbehandlung mit einem geeigneten Mittel ist eine Weiterverbreitung nicht mehr zu befürchten, und die Einrichtung darf wieder besucht werden. Ein ärztliches Attest ist hierfür in der Regel nicht zwingend erforderlich; oft genügt die Bestätigung der Eltern über die durchgeführte Behandlung.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei der Diagnostik nicht auf die bloße Inspektion. Das systematische Auskämmen mit Pflegespülung und einem feinzinkigen Läusekamm (<0,2 mm) erhöht die Sensitivität massiv. Eier, die weiter als 1 cm von der Kopfhaut entfernt sind, sind in der Regel leere Hüllen.

Häufig gestellte Fragen

Direkt nach einer korrekt durchgeführten Erstbehandlung mit einem geeigneten Kopflausmittel. Ein ärztliches Attest ist meist nicht zwingend erforderlich, oft reicht die Bestätigung der Sorgeberechtigten.
Da Kopflausmittel nicht zuverlässig alle Eier abtöten, können nach der Erstbehandlung noch Larven schlüpfen. Die Wiederholungsbehandlung an Tag 8, 9 oder 10 tötet diese ab, bevor sie geschlechtsreif werden und neue Eier legen können.
Nein. Der Mensch ist der einzige Wirt für die Kopflaus. Haustiere spielen bei der Übertragung keine Rolle.
Ohne Blutmahlzeit werden Kopfläuse schnell geschwächt und überleben bei Zimmertemperatur in der Regel nicht länger als 2 Tage, im absoluten Ausnahmefall maximal 3 Tage.

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