Lassafieber: Symptome, Diagnostik & Therapie (RKI)
📋Auf einen Blick
- •Lassafieber ist eine in Westafrika endemische virale Zoonose, deren natürliches Reservoir die Vielzitzenmaus ist.
- •Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung erfolgt über Körperflüssigkeiten; vor Symptombeginn sind Patienten nicht infektiös.
- •Die Inkubationszeit beträgt 6 bis 21 Tage.
- •Goldstandard der Akutdiagnostik ist die RT-PCR in Speziallaboren (z.B. BNITM).
- •Es gibt keine zugelassene Therapie, jedoch wird Ribavirin (Off-Label) in der Frühphase (< 6 Tage) empfohlen.
Hintergrund
Das Lassavirus gehört zur Familie der Arenaviridae und ist in mehreren Ländern Westafrikas endemisch (insbesondere Sierra Leone, Guinea, Liberia und Nigeria). Der natürliche Wirt ist das afrikanische Nagetier Mastomys natalensis (Vielzitzenmaus). Die meisten Infektionen verlaufen mild oder asymptomatisch, jedoch versterben in Endemiegebieten 1-2 % der Infizierten, bei hospitalisierten Fällen teils über 22 %.
Übertragungswege und Infektiosität
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt primär durch kontaminierte Nahrungsmittel oder Stäube, die mit dem Urin oder Kot infizierter Nagetiere verunreinigt sind.
Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist durch direkten Kontakt mit Blut, Gewebe oder Ausscheidungen möglich. Dies geschieht häufig im nosokomialen Umfeld.
- Vor Symptombeginn ist der Patient nicht infektiös.
- In den ersten Krankheitstagen ist die Ansteckungsgefahr aufgrund geringer Virämie noch gering.
- Bei hoher Viruslast ist eine Übertragung durch Tröpfchen (z.B. Husten) bei engem Kontakt möglich.
- Das Virus kann im Urin 3 bis 9 Wochen und im Sperma bis zu 3 Monate nach Krankheitsbeginn nachgewiesen werden.
Klinische Symptomatik
Die Inkubationszeit beträgt 6 bis 21 Tage. Die Erkrankung beginnt schleichend mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien und gastrointestinalen Beschwerden. Relativ spezifisch ist eine schmerzhafte, ulzerierende Pharyngitis.
| Prognose | Klinische und laborchemische Zeichen |
|---|---|
| Ungünstig | Blutungen, exsudative Pharyngitis mit Ödem, GOT > 150 U/l, hohe Virämie (> 10^7 - 10^9 RNA-Kopien/ml), Schwangerschaft |
| Komplikationen | Sensorineurale Taubheit, Ataxie, Enzephalopathie, irreversibler Schock |
Expositionsrisiko
Bei der Ermittlung von Kontaktpersonen wird das Risiko wie folgt stratifiziert:
| Risiko-Kategorie | Kriterien (Auswahl) |
|---|---|
| Hohes Risiko | Ungeschützter Kontakt (< 1,5 m) zu symptomatischen Patienten in der gastrointestinalen Phase; direkter Kontakt mit Körperflüssigkeiten (z.B. Nadelstichverletzung, Reanimation). |
| Mittleres Risiko | Ungeschützter Kontakt (< 1,5 m) in der frühen Krankheitsphase (ohne Erbrechen/Blutungen/Husten); Kontakt zu Nagetieren in Endemiegebieten. |
| Geringes Risiko | Aufenthalt im selben Raum (> 1,5 m Abstand); Kontakt unter Einhaltung geeigneter Schutzmaßnahmen. |
Diagnostik
Die Labordiagnostik ist Speziallaboratorien (z.B. Bernhard-Nocht-Institut, Uni Marburg) vorbehalten. Proben müssen als Gefahrgut (UN2814) versendet werden.
| Methode | Indikation | Bemerkung |
|---|---|---|
| RT-PCR | Akutdiagnostik (Mittel der Wahl) | Nachweis in Blut, Speichel, Urin, Liquor. |
| ELISA | Rekonvaleszenz / Epidemiologie | Nachweis von IgM/IgG. Ein ≥ 4-facher Titeranstieg ist beweisend für eine akute Infektion. |
Therapie und Management
Es gibt in Deutschland keine zugelassenen Therapeutika oder Impfstoffe.
- Medikamentöse Therapie: Der Off-Label-Use von Ribavirin kann die Letalität bei Patienten mit ungünstiger Prognose deutlich senken, wenn es in den ersten 6 Tagen nach Fieberbeginn verabreicht wird.
- Postexpositionsprophylaxe (PEP): Ribavirin kann nach Expertenmeinung bei hohem Expositionsrisiko erwogen werden.
- Isolierung: Patienten müssen streng isoliert und in spezialisierten Behandlungszentren (STAKOB) versorgt werden.
Meldepflicht
Gemäß IfSG besteht eine namentliche Meldepflicht für den Krankheitsverdacht, die Erkrankung und den Tod an virusbedingtem hämorrhagischen Fieber (§ 6) sowie für den direkten oder indirekten Erregernachweis (§ 7).
💡Praxis-Tipp
Bei begründetem Verdacht auf Lassafieber (Fieber + Reiseanamnese Westafrika in den letzten 21 Tagen) isolieren Sie den Patienten sofort und kontaktieren Sie umgehend ein STAKOB-Behandlungszentrum. Entnehmen Sie Blutproben nur unter strengen Schutzmaßnahmen.