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Lassafieber: Symptome, Diagnostik & Therapie (RKI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Lassafieber ist eine in Westafrika endemische virale Zoonose, deren natürliches Reservoir die Vielzitzenmaus ist.
  • Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung erfolgt über Körperflüssigkeiten; vor Symptombeginn sind Patienten nicht infektiös.
  • Die Inkubationszeit beträgt 6 bis 21 Tage.
  • Goldstandard der Akutdiagnostik ist die RT-PCR in Speziallaboren (z.B. BNITM).
  • Es gibt keine zugelassene Therapie, jedoch wird Ribavirin (Off-Label) in der Frühphase (< 6 Tage) empfohlen.
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Hintergrund

Das Lassavirus gehört zur Familie der Arenaviridae und ist in mehreren Ländern Westafrikas endemisch (insbesondere Sierra Leone, Guinea, Liberia und Nigeria). Der natürliche Wirt ist das afrikanische Nagetier Mastomys natalensis (Vielzitzenmaus). Die meisten Infektionen verlaufen mild oder asymptomatisch, jedoch versterben in Endemiegebieten 1-2 % der Infizierten, bei hospitalisierten Fällen teils über 22 %.

Übertragungswege und Infektiosität

Die Übertragung auf den Menschen erfolgt primär durch kontaminierte Nahrungsmittel oder Stäube, die mit dem Urin oder Kot infizierter Nagetiere verunreinigt sind.

Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist durch direkten Kontakt mit Blut, Gewebe oder Ausscheidungen möglich. Dies geschieht häufig im nosokomialen Umfeld.

  • Vor Symptombeginn ist der Patient nicht infektiös.
  • In den ersten Krankheitstagen ist die Ansteckungsgefahr aufgrund geringer Virämie noch gering.
  • Bei hoher Viruslast ist eine Übertragung durch Tröpfchen (z.B. Husten) bei engem Kontakt möglich.
  • Das Virus kann im Urin 3 bis 9 Wochen und im Sperma bis zu 3 Monate nach Krankheitsbeginn nachgewiesen werden.

Klinische Symptomatik

Die Inkubationszeit beträgt 6 bis 21 Tage. Die Erkrankung beginnt schleichend mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien und gastrointestinalen Beschwerden. Relativ spezifisch ist eine schmerzhafte, ulzerierende Pharyngitis.

PrognoseKlinische und laborchemische Zeichen
UngünstigBlutungen, exsudative Pharyngitis mit Ödem, GOT > 150 U/l, hohe Virämie (> 10^7 - 10^9 RNA-Kopien/ml), Schwangerschaft
KomplikationenSensorineurale Taubheit, Ataxie, Enzephalopathie, irreversibler Schock

Expositionsrisiko

Bei der Ermittlung von Kontaktpersonen wird das Risiko wie folgt stratifiziert:

Risiko-KategorieKriterien (Auswahl)
Hohes RisikoUngeschützter Kontakt (< 1,5 m) zu symptomatischen Patienten in der gastrointestinalen Phase; direkter Kontakt mit Körperflüssigkeiten (z.B. Nadelstichverletzung, Reanimation).
Mittleres RisikoUngeschützter Kontakt (< 1,5 m) in der frühen Krankheitsphase (ohne Erbrechen/Blutungen/Husten); Kontakt zu Nagetieren in Endemiegebieten.
Geringes RisikoAufenthalt im selben Raum (> 1,5 m Abstand); Kontakt unter Einhaltung geeigneter Schutzmaßnahmen.

Diagnostik

Die Labordiagnostik ist Speziallaboratorien (z.B. Bernhard-Nocht-Institut, Uni Marburg) vorbehalten. Proben müssen als Gefahrgut (UN2814) versendet werden.

MethodeIndikationBemerkung
RT-PCRAkutdiagnostik (Mittel der Wahl)Nachweis in Blut, Speichel, Urin, Liquor.
ELISARekonvaleszenz / EpidemiologieNachweis von IgM/IgG. Ein ≥ 4-facher Titeranstieg ist beweisend für eine akute Infektion.

Therapie und Management

Es gibt in Deutschland keine zugelassenen Therapeutika oder Impfstoffe.

  • Medikamentöse Therapie: Der Off-Label-Use von Ribavirin kann die Letalität bei Patienten mit ungünstiger Prognose deutlich senken, wenn es in den ersten 6 Tagen nach Fieberbeginn verabreicht wird.
  • Postexpositionsprophylaxe (PEP): Ribavirin kann nach Expertenmeinung bei hohem Expositionsrisiko erwogen werden.
  • Isolierung: Patienten müssen streng isoliert und in spezialisierten Behandlungszentren (STAKOB) versorgt werden.

Meldepflicht

Gemäß IfSG besteht eine namentliche Meldepflicht für den Krankheitsverdacht, die Erkrankung und den Tod an virusbedingtem hämorrhagischen Fieber (§ 6) sowie für den direkten oder indirekten Erregernachweis (§ 7).

💡Praxis-Tipp

Bei begründetem Verdacht auf Lassafieber (Fieber + Reiseanamnese Westafrika in den letzten 21 Tagen) isolieren Sie den Patienten sofort und kontaktieren Sie umgehend ein STAKOB-Behandlungszentrum. Entnehmen Sie Blutproben nur unter strengen Schutzmaßnahmen.

Häufig gestellte Fragen

Patienten sind vor Symptombeginn nicht infektiös. Die Ansteckungsfähigkeit steigt im Verlauf der Erkrankung mit zunehmender Virämie an.
Das Lassavirus kann in der Samenflüssigkeit bis zu 3 Monate nach Krankheitsbeginn ausgeschieden werden. In dieser Zeit sollte auf ungeschützten Geschlechtsverkehr verzichtet werden.
Eine GOT-Erhöhung von > 150 U/l in Kombination mit einer hohen Virämie (> 10^7 - 10^9 RNA-Kopien/ml) gilt als prognostisch ungünstig.
Es gibt keine zugelassene Therapie. Das Virostatikum Ribavirin wird jedoch im Off-Label-Use eingesetzt und ist besonders wirksam, wenn es innerhalb der ersten 6 Krankheitstage verabreicht wird.

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