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Lyme-Borreliose: RKI-Ratgeber zu Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Erythema migrans ist die häufigste Manifestation (89 %) und wird primär klinisch diagnostiziert.
  • Die Labordiagnostik erfolgt als Stufendiagnostik (ELISA, gefolgt von Immunoblot bei positivem/grenzwertigem Befund).
  • Eine prophylaktische Antibiotikagabe nach einem Zeckenstich wird nicht empfohlen.
  • Therapie der Wahl im Frühstadium sind Doxycyclin oder Amoxicillin für 10 bis 30 Tage.
  • Die Untersuchung von Zecken auf Borrelien ist klinisch nicht sinnvoll und wird nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die Lyme-Borreliose wird durch Bakterien des Borrelia burgdorferi sensu lato (Bbsl) Komplexes verursacht. In Mitteleuropa erfolgt die Übertragung durch den Stich der Schildzecke Ixodes ricinus. Da sich die Borrelien im Darm der nüchternen Zecke befinden und erst nach Beginn des Saugaktes in die Speicheldrüsen wandern, muss die Zecke mehrere Stunden gesaugt haben, um den Erreger zu übertragen.

Klinische Stadien und Manifestationen

Die meisten Infektionen verlaufen asymptomatisch. Bei manifester Erkrankung wird zwischen frühen und späten Stadien unterschieden. Die Inkubationszeit für das Erythema migrans beträgt 3 bis 30 Tage (Median 7 bis 10 Tage).

StadiumHautmanifestationNeurologische ManifestationAndere Manifestationen
Früh lokalisiertErythema migrans, Borrelien-Lymphozytom
Früh disseminiertMultiple Erythemata migrantia, multiple LymphozytomeFrühe Neuroborreliose (Meningoradikulitis, Fazialisparese)Lyme-Karditis, frühe Lyme-Arthritis
SpätAcrodermatitis chronica atrophicans (ACA)Späte Neuroborreliose (Enzephalomyelitis)Chronische Lyme-Arthritis

Das Erythema migrans tritt in ca. 89 % der Fälle auf. Es zeigt sich typischerweise als randbetontes, nicht erhabenes Erythem (mindestens 5 cm Durchmesser) mit zentrifugaler Ausbreitung und einem symptomfreien Intervall von mindestens 3 Tagen nach dem Stich.

Diagnostik

Die Lyme-Borreliose ist primär eine klinische Verdachtsdiagnose. Das typische Erythema migrans wird rein klinisch diagnostiziert.

Bei Verdacht auf andere Manifestationen erfolgt die Labordiagnostik nach dem Prinzip der Stufendiagnostik:

  • 1. Stufe: Suchtest (ELISA oder vergleichbare Methoden)
  • 2. Stufe: Bestätigungstest (Immunoblot) – nur bei positivem oder grenzwertigem Suchtest

Besonderheiten der Diagnostik:

  • Neuroborreliose: Erfordert den Nachweis intrathekal gebildeter Antikörper (Liquor/Serum-Index). Typisch sind zudem entzündliche Liquorveränderungen (lymphozytäre Pleozytose, Schrankenstörung). Der Nachweis des Chemokins CXCL13 kann unterstützend wirken.
  • Direktnachweis (PCR/Kultur): Nur bei speziellen Indikationen (z. B. Gelenkpunktate bei Lyme-Arthritis) sinnvoll. Die Untersuchung von Zecken auf Borrelien wird nicht empfohlen.
  • Serologische Fallstricke: Antikörper können nach ausgeheilter Infektion jahrelang persistieren. Im Frühstadium kann eine diagnostische Lücke bestehen (falsch-negativ).

Therapie

Eine frühzeitige antibiotische Therapie verhindert schwere Verläufe und Spätmanifestationen. Die Therapiedauer beträgt je nach Manifestation und Schweregrad 10 bis 30 Tage.

TherapieartWirkstoffeBemerkung
Oral (Therapie der Wahl)Doxycyclin, AmoxicillinAlternativen: Cefuroximaxetil, Azithromycin
IntravenösCeftriaxon, Cefotaxim, Penicillin GBei schweren Verläufen (z.B. Neuroborreliose)

Wichtig: Eine empirische Antibiotikaprophylaxe nach einem Zeckenstich wird aufgrund des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses nicht empfohlen.

Prävention

  • Tragen von geschlossener, heller Kleidung und festem Schuhwerk.
  • Anwendung von Repellents (z. B. Icaridin, DEET).
  • Sorgfältiges Absuchen des Körpers nach Freilandaufenthalten.
  • Schnellstmögliche Entfernung der Zecke mit Pinzette, Zeckenkarte oder -schlinge (hautnah greifen, gerade herausziehen).

💡Praxis-Tipp

Diagnostizieren Sie ein typisches Erythema migrans rein klinisch und leiten Sie sofort eine Therapie ein – die Serologie ist im Frühstadium oft noch negativ (diagnostische Lücke). Verzichten Sie auf die Einsendung der Zecke zur PCR-Testung.

Häufig gestellte Fragen

Nein, eine empirische antimikrobielle Prophylaxe wird nicht empfohlen, da das Risiko von Nebenwirkungen den potenziellen Nutzen übersteigt.
Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 30 Tage, im Median 7 bis 10 Tage. Es besteht ein symptomfreies Intervall von mindestens 3 Tagen.
Für die Diagnose ist der Nachweis intrathekal gebildeter Antikörper gegen Borrelien in Liquor/Serum-Paaren vom gleichen Tag erforderlich (positiver Antikörperindex).
Nein, die Untersuchung der Zecke wird nicht empfohlen. Ein positiver Nachweis bedeutet nicht zwingend eine Übertragung, und ein negativer Befund kann zu falscher Sicherheit führen.

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