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Loiasis (Afrikanischer Augenwurm): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Loiasis wird durch Bremsen (Chrysops spp.) in Zentral- und Westafrika übertragen.
  • Klassische Symptome sind die subkonjunktivale Augenwurmwanderung und Calabar-Schwellungen.
  • Die Diagnostik erfolgt primär durch den Nachweis von Mikrofilarien im Blut (Abnahme zwingend zwischen 10 und 16 Uhr).
  • Die medikamentöse Therapie richtet sich strikt nach der Mikrofilarienlast, um lebensbedrohliche Komplikationen wie eine Enzephalopathie zu vermeiden.
  • Diethylcarbamazin (DEC) ist das einzige kurative Medikament, ist aber bei hoher Parasitenlast oder Onchozerkose-Koinfektion kontraindiziert.
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Hintergrund

Die Loiasis (Afrikanischer Augenwurm) ist eine durch Fadenwürmer (Nematoden) der Gattung Loa loa verursachte Infektionskrankheit. Sie ist in ländlichen Regenwald- und Savannenregionen Zentral- und Westafrikas endemisch. Die Übertragung erfolgt durch tagaktive Bremsen (Chrysops silacea und C. dimidiata).

Nach der Übertragung entwickeln sich die Larven im subkutanen Gewebe zu adulten Würmern. Deren Nachkommen, die Mikrofilarien, zirkulieren tagsüber im peripheren Blut.

Klassifikation der Loiasis

Die Erkrankung wird parasitologisch und klinisch eingeteilt, was für die Therapieentscheidung essenziell ist:

EinteilungKategorieDefinition & Besonderheiten
ParasitologischOkkulte LoiasisInfektion ohne Nachweis peripherer Mikrofilarien. Diagnosesicherung oft schwierig.
Mikrofilaräme LoiasisNachweis von Mikrofilarien. Therapie abhängig von der Last.
Hypermikrofilaräme LoiasisHohe Mikrofilarienzahl (z.B. >8.000/ml). Hohes Risiko für lebensbedrohliche Therapiekomplikationen.
KlinischMigratorische LoiasisTypische Zeichen der Wurmwanderung (z.B. Augenpassage). Hohe Morbidität.
Non-migratorische LoiasisKeine Symptome der adulten Wurmwanderung. Oft asymptomatisch, aber Risiko für Organkomplikationen.

Klinische Präsentation

Die klinische Penetranz ist sehr variabel und korreliert nicht zwingend mit der Mikrofilarienlast.

  • Klassische Symptome:
    • Augenwanderung: Sichtbare Wanderung des adulten Wurms durch die Konjunktiva (dauert Stunden bis Tage).
    • Calabar-Schwellung: Transientes, nicht eindrückbares, juckendes Angioödem (oft an Extremitäten).
  • Unspezifische Symptome: Fatigue, Myalgien, Arthralgien, Pruritus, Urtikaria.
  • Komplikationen (selten, aber lebensbedrohlich): Enzephalopathie (oft therapieinduziert), Endomyokardfibrose (assoziiert mit Hypereosinophilie), Nephropathie.

Diagnostik

Die Diagnostik stützt sich auf direkte und indirekte Nachweisverfahren:

  • Direkter Nachweis: Mikroskopie (Dicker Tropfen, Giemsa-Färbung). Wichtig: Blutabnahme zwingend zwischen 10:00 und 16:00 Uhr wegen der Tagesperiodik der Mikrofilarien.
  • Indirekte Hinweise: Ausgeprägte Eosinophilie, stark erhöhtes IgE.
  • Serologie: Eingeschränkte Spezifität (Kreuzreaktivität mit anderen Filarien), vor allem bei Patienten aus Endemiegebieten wenig hilfreich.

Therapie

Die Therapie der Loiasis ist komplex und potenziell lebensbedrohlich. Ein rascher Zerfall von Mikrofilarien kann eine fatale Enzephalopathie auslösen. Vor jeder DEC-Gabe muss eine Koinfektion mit Onchozerkose ausgeschlossen werden.

Medikamentenübersicht

WirkstoffWirkung auf MikrofilarienWirkung auf adulte WürmerBemerkung
Diethylcarbamazin (DEC)Sehr stark & raschAusreichend (kurativ)Erstlinientherapie. Kontraindiziert bei >2.000 mf/ml oder Onchozerkose.
IvermectinStark & raschFraglich / KeineZur Senkung der Last vor DEC-Gabe. Kontraindiziert bei >8.000 mf/ml.
AlbendazolLangsam & verzögertGeringZur schonenden Senkung der Mikrofilarienlast.

Stufenschema nach Mikrofilarienlast

Mikrofilarien pro mlEmpfohlene TherapieBemerkung
OkkultDEC (21 Tage) oder Albendazol (4 Wochen)DEC ist Erstlinientherapie.
1 - 2.000DEC (langsame Titration über 21 Tage)Stationäre Überwachung zu Therapiebeginn empfohlen.
2.000 - 8.000Albendazol (4 Wochen) ODER Ivermectin (Einzeldosis)Dient der Senkung der Last auf <2.000 mf/ml, danach kurative DEC-Therapie.
8.000 - 30.000Apherese ODER AlbendazolMechanische oder langsame medikamentöse Reduktion, danach Ivermectin/DEC.
> 30.000AphereseErstlinientherapie zur mechanischen Reduktion. Albendazol nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung.

Nachsorge

Eine mehrmonatige Nachverfolgung (bis mind. 1 Jahr) ist empfohlen. Ein Therapieerfolg zeigt sich durch das Verschwinden der Mikrofilarämie, Sistieren der Symptome und Normalisierung von Eosinophilen und IgE. Oft sind mehrere DEC-Zyklen für eine komplette Ausheilung notwendig.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie die Mikrofilarienlast zwingend durch eine Blutentnahme zwischen 10:00 und 16:00 Uhr. Leiten Sie bei einer Mikrofilarämie >2.000/ml niemals direkt eine Therapie mit DEC ein, da akute Lebensgefahr durch eine Enzephalopathie besteht.

Häufig gestellte Fragen

Die Blutabnahme muss zwischen 10:00 und 16:00 Uhr erfolgen, da die Mikrofilarien im peripheren Blut eine ausgeprägte Tagesperiodik aufweisen und zu dieser Zeit am höchsten konzentriert sind.
Eine Calabar-Schwellung ist ein transientes, nicht eindrückbares und oft stark juckendes Angioödem. Es entsteht durch eine allergisch-immunologische Reaktion auf die Wanderung der adulten Würmer.
DEC tötet Mikrofilarien sehr rasch ab. Bei einer hohen Last (>2.000 mf/ml) kann die massive Freisetzung von Parasitenantigenen zu schweren anaphylaktischen Reaktionen und einer potenziell tödlichen Enzephalopathie führen.
Bei Reiserückkehrern mit nur einem adulten Wurm kann die Extraktion kurativ sein. Bei Patienten aus Endemiegebieten liegen meist multiple Würmer vor, sodass die Entfernung die Erkrankung nicht heilt.
Nein. Im Gegensatz zu anderen Filarien besitzt Loa loa keine Wolbachien-Symbionten. Doxycyclin ist daher bei Loiasis wirkungslos.

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