Adenovirus-Konjunktivitis: Leitlinie & RKI-Ratgeber
📋Auf einen Blick
- •Adenoviren verursachen hochkontagiöse Augeninfektionen wie die Keratoconjunctivitis epidemica.
- •Die Übertragung erfolgt meist als Schmierinfektion; die Inkubationszeit beträgt 5–12 Tage.
- •Die PCR aus einem kräftigen Konjunktivalabstrich ist die diagnostische Methode der Wahl.
- •Die Therapie erfolgt rein symptomatisch, da keine spezifischen Virostatika verfügbar sind.
- •Hände-, Flächen- und Instrumentendesinfektion erfordern zwingend 'viruzid' wirksame Mittel.
Hintergrund
Adenoviren sind unbehüllte Doppelstrang-DNA-Viren und extrem umweltresistent. Der Mensch ist das einzige Reservoir. Die Übertragung erfolgt primär über Schmierinfektionen (kontaminierte Hände, Handtücher, Tonometer, Tropfpipetten) oder durch direkten Kontakt mit Augensekreten. Gelegentlich ist auch eine Tröpfcheninfektion möglich.
- Inkubationszeit: 5–12 Tage
- Ansteckungsfähigkeit: In der Regel während der ersten 2 Wochen der Erkrankung (in der Literatur selten bis zu 3 Wochen beschrieben), solange das Virus im Sekret nachweisbar ist.
Klinische Krankheitsbilder
Die Manifestation am Auge hängt vom verursachenden Serotyp ab:
| Krankheitsbild | Betroffene | Leitsymptome |
|---|---|---|
| Keratoconjunctivitis epidemica (Typ 8, 19, 37) | Alle Altersgruppen | Plötzliche Rötung, ringförmige Bindehautschwellung, präaurikuläre Lymphknotenschwellung, Fremdkörpergefühl. Bei 20–90% nach ca. 1 Woche Hornhautbeteiligung. |
| Pharyngokonjunktivalfieber (Typ 3, 7, 14) | Vorschul- und Schulkinder | Pharyngitis, Rhinitis, Fieber, zervikale Lymphadenopathie, milde Konjunktivitis. |
| Follikuläre Konjunktivitis (Typ 3, 4, 7) | Kinder, junge Erwachsene | Milde Konjunktivitis, präaurikuläre Lymphknotenschwellung. |
Diagnostik
Für den direkten Virusnachweis aus dem Konjunktivalabstrich stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:
| Methode | Bewertung | Bemerkung |
|---|---|---|
| PCR (Nukleinsäurenachweis) | Methode der Wahl | Hoch sensitiv und schnell. Erfasst relevante Typen (z.B. 8, 19, 37). |
| Antigen-Nachweis (IFT, EIA) | Eingeschränkt | Schwankende Sensitivität/Spezifität. Bestätigung durch Zellkultur empfohlen. |
| Virusisolierung (Zellkultur) | Referenzmethode | Sehr zeitaufwändig, dient der sicheren Abklärung von Ausbrüchen. |
Therapie und Prävention
Es steht keine spezifische Therapie zur Verfügung; die Behandlung erfolgt rein symptomatisch. Da Adenoviren nosokomiale Ausbrüche verursachen können, sind strenge Hygienemaßnahmen essenziell:
- Hände- und Flächendesinfektion: Ausschließliche Verwendung von als "viruzid" gekennzeichneten Mitteln.
- Instrumentenaufbereitung: Bevorzugt thermische Verfahren (93°C, 5 Minuten) in Reinigungsgeräten oder Einlegen in viruzide Instrumentendesinfektionsmittel. Berührungslose Tonometer sind zu bevorzugen.
- Medikamente: Tropfflaschen und Augensalben dürfen strikt nur für einen Patienten verwendet werden.
- Patientenverhalten: Striktes Vermeiden von Hand-Augenkontakt, separate Nutzung von Handtüchern und Waschlappen.
Meldepflicht
Der direkte Nachweis von Adenoviren im Konjunktivalabstrich ist gemäß § 7 Abs. 1 IfSG namentlich meldepflichtig, soweit er auf eine akute Infektion hinweist. Die Meldung an das Gesundheitsamt muss spätestens 24 Stunden nach Kenntniserlangung erfolgen.
💡Praxis-Tipp
Gewinnen Sie für die PCR ausreichend Epithelzellen durch einen kräftigen Konjunktivalabstrich. Ein vorheriges Anfeuchten des Tupfers mit steriler NaCl-Lösung oder der Einsatz eines Lokalanästhetikums verbessert die Toleranz des Patienten erheblich.