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Pest (Yersinia pestis): RKI-Ratgeber zu Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Erreger der Pest ist das Bakterium Yersinia pestis, das meist durch Flohbisse oder Tröpfcheninfektion übertragen wird.
  • Die Lungenpest verläuft fulminant und erfordert eine sofortige Antibiotikatherapie ohne Abwarten der Labordiagnostik.
  • Wirksame Antibiotika sind Aminoglykoside, Fluorchinolone, Doxycyclin, Cotrimoxazol und Chloramphenicol; Beta-Laktame sind unwirksam.
  • Bei Verdacht auf Lungenpest ist eine strikte Isolierung (Sonderisolierstation) und das Tragen von FFP3-Masken zwingend erforderlich.
  • Es besteht eine namentliche Meldepflicht innerhalb von 24 Stunden bei Verdacht, Erkrankung und Tod.
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Hintergrund

Die Pest wird durch das gramnegative Stäbchenbakterium Yersinia pestis verursacht. Während die Erkrankung in Deutschland aktuell nicht vorkommt, treten weltweit (insbesondere in Madagaskar, der DR Kongo und Peru) weiterhin Ausbrüche auf. Als Reservoir dienen wildlebende Nagetiere. Die Übertragung erfolgt klassischerweise durch infizierte Flöhe (Beulenpest) oder von Mensch zu Mensch per Tröpfcheninfektion (Lungenpest).

Klinische Formen und Symptomatik

Die Inkubationszeit beträgt bei der Beulenpest 2-7 Tage, bei der primären Lungenpest lediglich 1-3 Tage.

PestformAnteilTypische SymptomatikLetalität (unbehandelt)
Beulenpest80-95 %Plötzliches Fieber, Schüttelfrost, druckschmerzhafte Lymphknotenschwellungen (Bubonen, meist inguinal)40-60 %
Primäre LungenpestSeltenFulminant: Fieber, Tachypnoe, Dyspnoe, blutiges Sputum, Lobärpneumonie~100 %
Sekundäre LungenpestVariabelTritt 5-6 Tage nach einer Primärerkrankung (z.B. Beulenpest) als Komplikation aufSehr hoch

Seltene Komplikationen umfassen die Pestmeningitis und die Pestsepsis.

Diagnostik

Bei klinischem Verdacht und entsprechender Reiseanamnese muss umgehend eine labordiagnostische Abklärung erfolgen. Die Probengewinnung sollte unter strengem Eigenschutz (FFP3-Maske) idealerweise vor Antibiotikagabe stattfinden, darf den Therapiebeginn aber keinesfalls verzögern.

VerdachtsdiagnoseBevorzugtes Probenmaterial
LungenpestSputum, Trachealsekret, Bronchoalveoläre Lavage (BAL), Blutkulturen, EDTA-Blut
BeulenpestBubonen-Punktat/Aspirat, Blutkulturen, EDTA-Blut
PestsepsisBlutkulturen, EDTA-Blut, ggf. Liquor
  • PCR: Methode der Wahl für die Akutdiagnostik (hohe Sensitivität, schnelles Ergebnis).
  • Kultur: Diagnostisch beweisend und zwingend für das Antibiogramm erforderlich (Dauer ca. 24h).
  • Schnelltests: Nur orientierend, bedürfen immer einer Bestätigung durch PCR oder Kultur.

Therapie

Aufgrund des fulminanten Verlaufs der Lungenpest muss die Antibiotikatherapie unverzüglich bei klinischem Verdacht eingeleitet werden. Ein verzögerter Therapiebeginn (>18 Stunden nach Symptombeginn) verschlechtert die Prognose drastisch.

Wirksame Antibiotika:

  • Aminoglykoside
  • Fluorchinolone
  • Doxycyclin
  • Cotrimoxazol
  • Chloramphenicol

Wichtig: Penicilline und andere Beta-Lactam-Antibiotika sind wirkungslos!

Infektionsschutz und Isolation

Patienten mit Verdacht auf Lungenpest erfordern eine strikte Isolierung, idealerweise auf einer Sonderisolierstation.

  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA): FFP3-Maske, Schutzhandschuhe, Schutzkleidung, Augen- und Gesichtsschutz.
  • Ansteckungsfähigkeit: Unbehandelt solange symptomatisch. 72 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiose gilt der Patient als nicht mehr infektiös.

Umgang mit Kontaktpersonen

ExpositionsrisikoKriterien (Auswahl)Maßnahmen
HochDirekter Kontakt zu Lungenpest-Patienten (<2m), Haushaltskontakt, Kontakt mit BuboneneiterSofortige Postexpositionsprophylaxe (PEP) + 7 Tage Quarantäne
GeringKontakt zu Lungenpest-Patienten mit >2m Abstand oder adäquatem SchutzPEP kann erwogen werden
Kein RisikoKontakt zu asymptomatischen PersonenKeine Maßnahmen

Zur PEP eignen sich Ciprofloxacin, Doxycyclin oder Sulfamethoxazol/Trimethoprim für 7 Tage.

Meldepflicht

Gemäß § 6 IfSG besteht eine namentliche Meldepflicht an das Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden bei:

  • Krankheitsverdacht
  • Erkrankung
  • Tod an Pest

Zudem ist der direkte oder indirekte Erregernachweis nach § 7 IfSG meldepflichtig.

💡Praxis-Tipp

Warten Sie bei Verdacht auf Lungenpest niemals auf die Laborbestätigung! Beginnen Sie die kalkulierte Antibiotikatherapie sofort, da Beta-Laktame unwirksam sind und eine Verzögerung von mehr als 18 Stunden oft letal endet.

Häufig gestellte Fragen

Die Beulenpest wird meist durch Flohbisse von infizierten Nagetieren übertragen, die Lungenpest direkt von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion.
Wirksam sind Aminoglykoside, Fluorchinolone, Doxycyclin, Cotrimoxazol und Chloramphenicol. Beta-Laktam-Antibiotika (wie Penicilline) sind wirkungslos.
In der Regel ist 72 Stunden nach Beginn einer klinisch wirksamen Antibiotikatherapie nicht mehr von einer Ansteckungsfähigkeit auszugehen.
Es ist eine strikte Isolierung (idealerweise auf einer Sonderisolierstation) erforderlich. Das Personal muss Eigenschutz mit FFP3-Maske, Schutzkleidung, Handschuhen und Schutzbrille betreiben.
Nein, in Deutschland ist aktuell kein Impfstoff gegen die Pest verfügbar.

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