Pest: Diagnostik, Therapie und Isolationsmaßnahmen
Hintergrund
Der RKI-Ratgeber beschreibt die Pest als eine durch das gramnegative Stäbchenbakterium Yersinia pestis ausgelöste Zoonose. Die Übertragung erfolgt klassischerweise durch infizierte Flöhe oder direkten Kontakt mit infizierten Tieren.
Bei der Lungenpest ist zudem eine direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung über Tröpfcheninfektion möglich. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel ein bis sieben Tage, wobei die primäre Lungenpest oft schon nach ein bis drei Tagen symptomatisch wird.
Unbehandelt weist insbesondere die Lungenpest eine Letalität von nahezu 100 Prozent auf. Ein rasches klinisches Erkennen und sofortiges Handeln sind daher essenziell.
Klinischer Kontext
Die Pest ist eine durch das gramnegative Stäbchenbakterium Yersinia pestis verursachte Zoonose, die weltweit in bestimmten Endemiegebieten wie Madagaskar, der Demokratischen Republik Kongo und Peru auftritt. In Europa sind humane Infektionen extrem selten, jedoch behält die Erkrankung ihre Relevanz in der Reisemedizin und als potenzieller Bioterrorismus-Erreger.
Die Übertragung erfolgt primär durch den Biss infizierter Flöhe, was zur Beulenpest führt, oder seltener durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch als hochkontagiöse Lungenpest. Die Bakterien vermehren sich rasch in den regionalen Lymphknoten, verursachen dort eine hämorrhagische Entzündung und können unbehandelt schnell in eine lebensbedrohliche Sepsis übergehen.
Für behandelnde Ärzte ist das rasche Erkennen der Erkrankung essenziell, da die Letalität ohne sofortige antibiotische Therapie besonders bei der Lungen- und Pestsepsis extrem hoch ist. Eine frühzeitige Verdachtsdiagnose erfordert die sofortige Isolierung des Patienten und die Einleitung von Schutzmaßnahmen.
Diagnostisch stützt sich der Verdacht auf die Kombination aus typischer Klinik und entsprechender Reiseanamnese in Endemiegebiete. Die Erregersicherung erfolgt mittels PCR, Kultur oder Mikroskopie aus Blut, Sputum oder Lymphknotenpunktat und darf nur in Speziallaboratorien der Schutzstufe 3 durchgeführt werden.
Wissenswertes
Die Inkubationszeit der Beulenpest beträgt in der Regel zwei bis sechs Tage nach dem Flohbiss. Bei der primären Lungenpest ist die Inkubationszeit deutlich kürzer und liegt meist bei nur einem bis drei Tagen.
Zur kalkulierten Initialtherapie werden meist Aminoglykoside wie Streptomycin oder Gentamicin sowie Fluorchinolone wie Ciprofloxacin eingesetzt. Auch Doxycyclin ist eine wirksame Alternative, wobei die Behandlung stets so früh wie möglich beginnen muss.
Bei der Pest besteht eine namentliche Meldepflicht bereits bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod. Auch der direkte Erregernachweis muss umgehend an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden.
Patienten mit Verdacht auf Lungenpest müssen sofort streng isoliert werden, wobei das medizinische Personal FFP2/FFP3-Masken, Schutzkittel und Handschuhe tragen muss. Bei der reinen Beulenpest reicht eine Standardhygiene mit Kontaktisolierung aus, sofern eine Lungenbeteiligung sicher ausgeschlossen ist.
Als Probenmaterial eignen sich Blutkulturen, Sputum, Trachealsekret sowie Aspirate aus vergrößerten Lymphknoten. Wegen der hohen Kontagiosität und Infektionsgefahr muss das Labor vorab zwingend über den Verdacht informiert werden.
Enge Kontaktpersonen von Patienten mit Lungenpest sollten eine medikamentöse Postexpositionsprophylaxe erhalten. Hierfür werden in der Regel Fluorchinolone oder Doxycyclin über einen Zeitraum von sieben Tagen verabreicht.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Der RKI-Ratgeber warnt eindringlich davor, bei Verdacht auf Lungenpest den Beginn der Antibiotikatherapie zugunsten der Diagnostik oder der Klärung von Arbeitsschutzmaßnahmen zu verzögern. Es wird betont, dass ein Therapiebeginn jenseits von 18 Stunden nach Symptombeginn mit einer sehr schlechten Prognose einhergeht. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei blutigem Sputum von einer besonders hohen Erregerdichte und Kontagiosität auszugehen ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut RKI-Ratgeber sind Aminoglykoside, Fluorchinolone, Cotrimoxazol, Doxycyclin und Chloramphenicol wirksam. Penicilline und Beta-Lactam-Antibiotika zeigen hingegen keine Wirkung.
Die Leitlinie gibt die Inkubationszeit allgemein mit ein bis sieben Tagen an. Bei der primären Lungenpest ist sie mit ein bis drei Tagen in der Regel kürzer als bei der Beulenpest.
Es wird davon ausgegangen, dass 72 Stunden nach Beginn einer klinisch wirksamen Antibiotikatherapie keine Ansteckungsfähigkeit mehr besteht. Unbehandelte Personen sind laut RKI ansteckend, solange sie symptomatisch sind.
Der RKI-Ratgeber empfiehlt konsequente Schutzmaßnahmen bestehend aus Schutzkleidung, Schutzhandschuhen, Augen- und Gesichtsschutz, Fußschutz sowie Atemschutz mittels FFP3-Maske.
Für Kontaktpersonen mit hohem Expositionsrisiko wird eine siebentägige Prophylaxe empfohlen. Hierfür eignen sich laut Leitlinie Ciprofloxacin, Doxycyclin oder Sulfamethoxazol/Trimethoprim.
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Quelle: RKI-Ratgeber: Pest (RKI/STIKO, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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