Psychoonkologie: Screening, Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die S3-Leitlinie Psychoonkologie (Version 2.0, 2023) des Leitlinienprogramms Onkologie befasst sich mit den psychosozialen Aspekten einer Krebserkrankung bei Erwachsenen. Sie definiert Psychoonkologie als interdisziplinäres Tätigkeitsfeld, das Erleben, Verhalten und soziale Ressourcen von Krebspatienten in allen Krankheitsphasen fokussiert.
Zentrale Ziele der psychoonkologischen Versorgung sind die Unterstützung der Krankheitsverarbeitung und die Verbesserung der Lebensqualität. Krebspatienten sind im Verlauf ihrer Erkrankung mit vielfältigen körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Problemen konfrontiert.
Laut Leitlinie äußern Patienten häufig einen hohen Informationsbedarf zu Krankheit und Behandlung sowie den Wunsch nach psychosozialer Unterstützung. Eine bedarfsgerechte Versorgung erfordert daher strukturierte Angebote in stationären, ambulanten und rehabilitativen Sektoren.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie betrifft die Verordnung von Antidepressiva bei Brustkrebspatientinnen. Es wird dringend davon abgeraten, Tamoxifen mit SSRI wie Paroxetin oder Fluoxetin zu kombinieren, da diese als CYP2D6-Inhibitoren die Wirksamkeit der Antihormontherapie herabsetzen. Zudem ist bei Patienten mit Hirnmetastasen oder ZNS-Tumoren zu beachten, dass Bupropion aufgrund der Senkung der Krampfschwelle absolut kontraindiziert ist.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz validierter Instrumente wie das Distress-Thermometer (DT), die Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) oder den Fragebogen zur Belastung von Krebspatienten (FBK). Zusätzlich soll immer auch der subjektive Unterstützungsbedarf der Patienten erfragt werden.
Laut Leitlinie soll das Übermitteln schlechter Nachrichten ("bad news") grundsätzlich in einem persönlichen Kontakt erfolgen. Eine Übermittlung per Telefon oder Video ist nur in begründeten Ausnahmesituationen oder auf ausdrücklichen Wunsch der Patienten vorgesehen.
Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz von Antidepressiva mit mittlerer bis starker CYP2D6-Inhibition, da diese die Aktivierung von Tamoxifen verhindern. Hierzu zählen insbesondere Paroxetin, Fluoxetin, Bupropion und Duloxetin.
Es wird darauf hingewiesen, dass serotonerge Antidepressiva (wie SSRI) die Thrombozytenaggregation hemmen und das Risiko für gastrointestinale Blutungen erhöhen können. Bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko empfiehlt die Leitlinie Alternativen wie Mirtazapin oder Trazodon.
Eine zeitnahe Krisenintervention wird empfohlen, wenn Patienten oder Angehörige eine akute Krisenreaktion mit Angst, Verzweiflung oder Ohnmacht zeigen. Die Leitlinie betont, dass dies der Entwicklung von psychischen Folgeproblemen vorbeugen kann.
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Quelle: S3-Leitlinie Psychoonkologie v2.0 (Leitlinienprogramm Onkologie, 2023) (Leitlinienprogramm Onkologie, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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