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Psychoonkologie Leitlinie: Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Rund 34 % der Krebspatienten haben einen Bedarf an psychosozialer Unterstützung, während 70-90 % Informationen zu Krankheit und Behandlung wünschen.
  • Häufigste psychische Komorbiditäten sind affektive Störungen, Angststörungen und Anpassungsstörungen.
  • Bei anhaltenden Schmerzen, hoher Symptombelastung oder Fatigue soll zwingend auf psychische Belastungen gescreent werden.
  • Psychoonkologische Versorgungsangebote sollen in allen Sektoren (Klinik, Reha, ambulant) vorgehalten werden.
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Hintergrund

Die Psychoonkologie befasst sich mit dem Erleben, Verhalten und den spezifischen Belastungen von Krebspatienten im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung. Ziel ist es, die Krankheitsverarbeitung zu unterstützen, das psychische Befinden zu verbessern, soziale Ressourcen zu stärken und die Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen zu erhalten.

Psychosoziale Belastungen und Lebensqualität

Krebspatienten sind im Verlauf ihrer Erkrankung mit vielfältigen körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Problemen konfrontiert. Die Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfolgt multidimensional:

DimensionHäufige Probleme und Symptome
KörperlichFatigue, Schmerzen, Schlafprobleme, Übelkeit, Gewichtsveränderungen
PsychischDistress, Progredienzangst, Depressivität, Trauer, Selbstwertprobleme
SozialIsolation, finanzielle Belastungen, familiäre Konflikte, berufliche Einschränkungen
SpirituellSinnverlust, Hoffnungslosigkeit, ethische Konflikte

Zur standardisierten Erfassung der Lebensqualität werden in der Onkologie häufig folgende Instrumente eingesetzt:

InstrumentAnwendungsbereich
EORTC QLQ C30Multidimensionale Basiserhebung (ergänzbar durch spezifische Module)
FACT-GMultidimensionale Basiserhebung
SF-36Generische, diagnoseübergreifende Erfassung

Psychische Komorbidität und Risikofaktoren

Zu den häufigsten psychischen Störungen bei Krebspatienten zählen affektive Störungen, Angststörungen, Anpassungsstörungen und Störungen durch psychotrope Substanzen.

Empfehlungsgrad A: Vor allem bei anhaltenden Schmerzen, starker körperlicher Symptombelastung oder Fatigue soll die psychische Belastung sowie das Vorliegen einer psychischen Störung abgeklärt werden.

Folgende Risikofaktoren begünstigen das Auftreten psychischer Störungen bei Krebspatienten:

  • Schmerzen
  • Hohe körperliche Symptombelastung
  • Fatigue
  • Vorliegen einer psychischen Störung in der Vorgeschichte
  • Jüngeres Alter (tendenziell)
  • Fortschreitende Erkrankung (tendenziell)

Strukturelle Voraussetzungen der Versorgung

Eine patientenorientierte Information über psychoonkologische Unterstützungsangebote soll frühzeitig und krankheitsbegleitend sichergestellt werden. Die Versorgung erfolgt sektorenübergreifend:

VersorgungsbereichStrukturvorgabeBemerkung
KrankenhausPsychoonkologisches Angebot durch qualifizierte FachkräfteSoll-Empfehlung für alle onkologischen Kliniken
RehabilitationPsychoonkologisches Angebot in stationären/ambulanten RehasFokus auf Krankheitsverarbeitung und berufliche Reintegration
AmbulantPsychosoziale KrebsberatungsstellenAnlaufstellen bei subsyndromalen Belastungen
PalliativversorgungIntegrierte psychoonkologische MitarbeiterFokus auf Lebensqualität in der letzten Lebensphase

Zusätzlich sollen Krebspatienten und ihre Angehörigen in jeder Phase des Versorgungsprozesses über qualifizierte Unterstützungsangebote der Krebs-Selbsthilfe informiert werden.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Krebspatienten mit ausgeprägter Fatigue oder starken Schmerzen aktiv auf Anzeichen psychischer Störungen und leiten Sie frühzeitig eine psychoonkologische Diagnostik ein.

Häufig gestellte Fragen

Durchschnittlich haben etwa 34 % der Patienten einen Bedarf an psychosozialer Unterstützung, während 70-90 % primär Informationen zu Krankheit und Behandlung wünschen.
Am häufigsten sind affektive Störungen, Angststörungen, Anpassungsstörungen und Störungen durch psychotrope Substanzen.
Insbesondere anhaltende Schmerzen, hohe körperliche Symptombelastung, Fatigue sowie psychische Vorerkrankungen in der Anamnese erhöhen das Risiko.
Häufig genutzte standardisierte Fragebögen sind der EORTC QLQ C30, der FACT-G sowie der diagnoseübergreifende SF-36.

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