S3-Leitlinie Palliativmedizin bei Krebs (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Das primäre Ziel der Palliativversorgung ist die Verbesserung oder der Erhalt der Lebensqualität von Patienten und deren Angehörigen.
- •Palliativmedizin bietet Hilfe beim Sterben, jedoch keine Hilfe zum Sterben (kein ärztlich assistierter Suizid).
- •Die Betreuung erfolgt ganzheitlich und umfasst vier Dimensionen: physisch, psychisch, sozial und spirituell.
- •Palliative Tumortherapie (z. B. Chemotherapie) und Palliativversorgung schließen sich nicht aus, sondern ergänzen einander.
Hintergrund
Die S3-Leitlinie zur Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung zielt darauf ab, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu verbessern oder zu erhalten. Sie dient als Entscheidungshilfe für die Praxis und bündelt evidenzbasierte Handlungsempfehlungen. Die Leitlinie betont ausdrücklich den interdisziplinären und multiprofessionellen Charakter der Palliativversorgung.
Grundhaltung zum Lebensende
Das Sterben wird in der Palliativmedizin als natürlicher Prozess betrachtet. Die Leitlinie formuliert hierzu eine klare Haltung:
- Lebensbejahender Ansatz: Palliativmedizin bietet Hilfe beim Sterben an, jedoch nicht Hilfe zum Sterben.
- Keine Lebensverkürzung: Lebensverkürzende Maßnahmen wie ärztlich assistierter Suizid oder Tötung auf Verlangen (aktive Sterbehilfe) gehören nicht zum Grundverständnis der Palliativmedizin.
Die vier Dimensionen des Menschen
Der Ansatz der Palliativversorgung ist ganzheitlich und adressiert das multidimensionale Leid am Lebensende. Die Betreuung umfasst vier interrelationale Dimensionen:
| Dimension | Beschreibung |
|---|---|
| Physisch | Somatische Komponente des Menschen. |
| Psychisch | Kognitive und emotionale Dimension. |
| Sozial | Relationale Dimension, die alle zwischenmenschlichen Beziehungen einschließt (besonders die Einbindung der Angehörigen). |
| Spirituell | Suche nach Sinn, Bedeutung und Transzendenz; umfasst existentielle Fragen (Schuld, Hoffnung), Werte und religiöse Aspekte. |
Wichtige Begriffsdefinitionen
Für den klinischen Alltag definiert das Glossar der Leitlinie zentrale Begriffe, um eine einheitliche Kommunikation im multiprofessionellen Team zu gewährleisten:
| Begriff | Definition laut Leitlinie |
|---|---|
| Nicht-Heilbarkeit | Keine relevante Wahrscheinlichkeit, die Erkrankung mit tumorspezifischer Therapie auszuheilen. Kriterien sind u. a. die Progressionstendenz und die Beeinflussbarkeit des Verlaufs. |
| Palliative Tumortherapie | Gegen die Grunderkrankung gerichtete Maßnahmen (z. B. Strahlentherapie, medikamentöse Tumortherapie) mit dem Ziel der Lebensverlängerung und/oder Symptomkontrolle. |
| Palliativversorgung | Umfasst alle Aktivitäten zur Verbesserung der Lebensqualität. Die Durchführung palliativer Tumortherapien schließt eine Palliativversorgung nicht aus, sondern ergänzt diese. |
| Bedürfnis vs. Bedarf | Bedürfnis: Subjektiver Wunsch nach Abhilfe. Bedarf: Objektiv erkennbarer Mangel, der nicht durch eigene Ressourcen behoben werden kann. |
💡Praxis-Tipp
Trennen Sie in der Kommunikation mit Patienten klar zwischen 'palliativer Tumortherapie' (z. B. Chemotherapie zur Symptomkontrolle) und der allgemeinen 'Palliativversorgung'. Kommunizieren Sie deutlich, dass sich beide Ansätze nicht ausschließen, sondern sinnvoll ergänzen.