Psychoonkologie: AWMF S3-Leitlinie
Hintergrund
Die S3-Leitlinie des Leitlinienprogramms Onkologie (AWMF, DKG, DKH) befasst sich mit der psychoonkologischen Versorgung erwachsener Krebserkrankter. Ziel ist es, die Lebensqualität zu erhalten, die Krankheitsverarbeitung zu unterstützen und psychische Folgeprobleme zu lindern.
Krebserkrankungen gehen häufig mit starken psychosozialen Belastungen einher. Zu den häufigsten subsyndromalen Beschwerden zählen allgemeiner Distress, Ängste, Progredienzangst und Depressivität.
Auch klinisch manifeste psychische Komorbiditäten wie affektive Störungen oder Anpassungsstörungen treten im Behandlungsverlauf regelmäßig auf. Eine bedarfsgerechte psychoonkologische Unterstützung wird daher in allen Phasen der Erkrankung empfohlen.
Empfehlungen
Screening und Diagnostik
Laut Leitlinie sollen alle Krebserkrankten ein Screening auf psychosoziale Belastungen erhalten (starke Empfehlung). Dieses sollte frühestmöglich und wiederholt im Krankheitsverlauf durchgeführt werden.
Für die Erfassung werden folgende validierte Instrumente empfohlen (Evidenzgrad 1b):
| Screening-Instrument | Abkürzung | Erfasster Bereich |
|---|---|---|
| Distress-Thermometer | DT | Allgemeine psychosoziale Belastung |
| Hospital Anxiety and Depression Scale | HADS | Angst und Depressivität |
| Patient Health Questionnaire | PHQ-9 | Depressivität |
| Generalized Anxiety Disorder Scale | GAD-7 | Generalisierte Angststörung |
| Fragebogen zur Belastung von Krebspatienten | FBK | Krebsspezifische Belastungen |
Zusätzlich zum reinen Screeningwert soll immer auch der subjektive Unterstützungsbedarf erfragt werden. Bei Auffälligkeiten wird ein vertiefendes diagnostisches Gespräch empfohlen.
Psychoonkologische Interventionen
Die Indikationsstellung richtet sich nach dem individuellen Belastungsgrad und der Krankheitsphase. Die Leitlinie empfiehlt folgendes abgestuftes Vorgehen:
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Bei fehlender oder geringer Belastung: Information und psychosoziale Beratung
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Bei subsyndromalen Belastungen: Psychoedukation, Entspannungsverfahren oder psychotherapeutische Kurzinterventionen (Evidenzgrad 1a)
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Bei diagnostizierten psychischen Störungen (ICD-10): Behandlung gemäß den jeweiligen störungsspezifischen Leitlinien
Die Wahl zwischen einem Einzel- und Gruppensetting soll anhand der Präferenz der Betroffenen getroffen werden.
Psychopharmakotherapie
Eine medikamentöse Therapie soll immer in ein psychoonkologisches Gesamtkonzept eingebettet sein. Vor Beginn wird die Abklärung somatischer Ursachen wie Schmerzen, ZNS-Affektionen oder Medikamentennebenwirkungen empfohlen.
Bei der Verordnung sind spezifische onkologische Risiken zu beachten:
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Erhöhtes Krampfrisiko bei ZNS-Tumoren
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Erhöhtes Blutungsrisiko unter SSRI
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Pharmakokinetische Interaktionen mit der Tumortherapie
Kommunikation
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer patientenzentrierten Kommunikation in allen onkologischen Berufsgruppen. Das Übermitteln schlechter Nachrichten soll in einem persönlichen Kontakt und nicht am Telefon oder über digitale Medien erfolgen.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie bestehen bei der psychopharmakologischen Behandlung von Krebserkrankten spezifische Warnhinweise und Kontraindikationen.
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Bupropion ist bei Personen mit Tumoren des zentralen Nervensystems kontraindiziert, da es dosisabhängig das Risiko für epileptische Anfälle erhöht.
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Bei Brustkrebserkrankten unter Tamoxifen wird vor SSRI mit starker oder mäßiger CYP2D6-Inhibition (z. B. Paroxetin, Fluoxetin) gewarnt, da diese die antitumorale Wirksamkeit reduzieren und die Mortalität erhöhen können.
💡Praxis-Tipp
Ein besonders relevanter Hinweis der Leitlinie betrifft die Kombination von Tamoxifen und bestimmten Antidepressiva. Es wird dringend davon abgeraten, starke CYP2D6-Inhibitoren wie Paroxetin oder Fluoxetin zu verordnen, da diese die Umwandlung von Tamoxifen in seine wirksame Form hemmen. Alternativ wird empfohlen, auf Antidepressiva ohne diese spezifische Interaktion auszuweichen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt validierte Fragebögen wie das Distress-Thermometer (DT), die Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) oder den Patient Health Questionnaire (PHQ-9). Diese sollten routinemäßig und wiederholt im Behandlungsverlauf eingesetzt werden.
Eine psychotherapeutische Einzel- oder Gruppenintervention wird bereits bei subsyndromalen psychischen Belastungen sowie bei Anpassungsstörungen empfohlen. Bei fehlender Belastung ist laut Leitlinie eine psychosoziale Beratung ausreichend.
Es wird empfohlen, das erhöhte Risiko für gastrointestinale Blutungen unter SSRI-Therapie zu berücksichtigen. Bei Personen mit hohem Blutungsrisiko rät die Leitlinie zu Antidepressiva mit geringer Affinität zum Serotonin-Transporter, wie beispielsweise Mirtazapin, Trazodon oder Trimipramin.
Die Leitlinie gibt vor, dass das Übermitteln schlechter Nachrichten grundsätzlich in einem persönlichen Kontakt erfolgen soll. Nur in begründeten Ausnahmefällen oder auf ausdrücklichen Wunsch darf dies telemedizinisch geschehen.
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Quelle: S3-Leitlinie Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung (DGPPN, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.