DIVIEmpfehlung2022IntensivmedizinPsychologie

Psychologische Versorgung ITS: Strukturvoraussetzungen

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DIVI (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fordert für Zentren der Intensivmedizin die werktägliche Verfügbarkeit einer psychologischen Betreuung. Dies umfasst auch die Krisenintervention für intensivpflichtige Personen sowie für das medizinische Personal.

Ein Aufenthalt auf der Intensivstation stellt für Betroffene oft eine extreme psychische Ausnahmebelastung dar. Auch für die Mitarbeitenden gehen die hohen Anforderungen in der Intensivmedizin mit erheblichen Stressoren einher.

Die DIVI-Empfehlung präzisiert die inhaltlichen Mindestvoraussetzungen zur Erfüllung dieses G-BA-Beschlusses. Ziel ist es, klare strukturelle und personelle Rahmenbedingungen für die psychologische Versorgung im Intensivzentrum zu definieren.

Klinischer Kontext

Die intensivmedizinische Behandlung stellt für Patienten eine extreme physische und psychische Ausnahmesituation dar. Bis zu fünfzig Prozent der Überlebenden entwickeln ein Post-Intensive Care Syndrome (PICS), welches neben körperlichen und kognitiven Einschränkungen auch schwerwiegende psychische Folgen wie Depressionen, Angststörungen und posttraumatische Belastungsstörungen umfasst. Auch Angehörige sind durch das sogenannte PICS-Family häufig von erheblichen psychischen Belastungen betroffen.

Pathophysiologisch führt die Kombination aus lebensbedrohlicher Erkrankung, invasiven Maßnahmen, Delir und medikamentöser Therapie zu einer massiven Dysregulation der Stressantwort. Diese neurobiologische Überlastung kann strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn begünstigen, die sich langfristig in psychiatrischen Symptomen manifestieren.

Die klinische Bedeutung der psychologischen Mitbetreuung liegt in der Prävention und Linderung dieser Langzeitfolgen, da psychische Morbidität die körperliche Genesung erheblich verzögert. Eine frühzeitige psychologische Intervention auf der Intensivstation unterstützt den Rehabilitationsprozess und verbessert die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen maßgeblich.

Die diagnostische Erfassung des psychologischen Unterstützungsbedarfs erfolgt durch ein systematisches Screening auf akute Belastungsreaktionen, Delirien und vorbestehende psychiatrische Erkrankungen. Durch klinische Beobachtung und validierte Instrumente lässt sich das Risiko für psychische Langzeitfolgen abschätzen, um frühzeitig bedarfsgerechte therapeutische Maßnahmen einzuleiten.

Wissenswertes

Zu den häufigsten psychischen Langzeitfolgen zählen posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Angststörungen und schwere Depressionen. Diese Symptomkomplexe sind zentrale Bestandteile des Post-Intensive Care Syndromes (PICS) und beeinträchtigen die Lebensqualität der Überlebenden massiv.

Ein PICS äußert sich durch eine Kombination aus neu aufgetretenen oder verschlechterten körperlichen, kognitiven und psychischen Einschränkungen nach einer kritischen Erkrankung. Die Diagnose wird meist klinisch und durch gezielte Nachsorgeuntersuchungen gestellt, bei denen Symptome wie Muskelschwäche, Gedächtnisstörungen und Ängste erfasst werden.

Ein intensivmedizinisches Delir gilt als starker unabhängiger Risikofaktor für die spätere Entwicklung von kognitiven Defiziten und einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die mit dem Delir einhergehenden Wahnvorstellungen und Halluzinationen werden von Patienten oft als reale, traumatische Ereignisse abgespeichert.

Angehörige von Intensivpatienten leiden häufig unter extremem Stress, der in das sogenannte PICS-Family münden kann. Eine frühzeitige psychologische Begleitung hilft, akute Krisen zu bewältigen, die Kommunikation mit dem Behandlungsteam zu verbessern und eigenen psychiatrischen Erkrankungen vorzubeugen.

Präventive Ansätze umfassen ein konsequentes Delirmanagement, die Reduktion tiefer Sedierungen und die Führung von Intensivtagebüchern. Diese Maßnahmen helfen den Patienten, Erinnerungslücken zu schließen und traumatische Erfahrungen während der Beatmungszeit besser einzuordnen.

Das Screening basiert auf der Identifikation von Risikofaktoren wie vorbestehenden psychischen Erkrankungen, langer Beatmungsdauer oder schwerem Delir. Zusätzlich können strukturierte Interviews und validierte Fragebögen eingesetzt werden, um akute Belastungsreaktionen frühzeitig zu erkennen.

Ärzte fragen zu diesem Thema

Vollständige Empfehlungen in der Originalleitlinie lesen
ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut DIVI-Empfehlung reicht es für die Zertifizierung als Intensivzentrum nicht aus, sich bei der Krisenintervention ausschließlich auf klinik-externe Teams oder reine Präventionsangebote wie Stressmanagementkurse zu verlassen. Es wird stattdessen der Aufbau klinikinterner Akuthilfen und Rufdienste gefordert, um die strengen zeitlichen Vorgaben von 60 Minuten für Behandelte beziehungsweise 72 Stunden für das Personal einhalten zu können.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie fordert eine kurzfristige Verfügbarkeit der Krisenintervention für Behandelte. In der Regel sollte diese innerhalb von 60 Minuten erfolgen können.

Es wird die Etablierung eines Systems für psychosoziale, kollegiale Akuthilfen empfohlen. Eine Krisenintervention für Mitarbeitende sollte laut Leitlinie innerhalb von maximal 72 Stunden verfügbar sein.

Nein, die DIVI-Empfehlung stellt klar, dass eine ausschließlich psychoonkologische Versorgung das Kriterium nicht erfüllt. Die psychologische Betreuung muss für alle Patientengruppen unabhängig von der Grunderkrankung bedarfsorientiert zur Verfügung stehen.

Die ausschließliche Inanspruchnahme eines klinik-externen Kriseninterventionsteams reicht laut Leitlinie nicht aus, um die Strukturvoraussetzungen zu erfüllen. Es wird stattdessen eine Kooperation mit internen Teams, der Seelsorge oder ein eigener Rufdienst gefordert.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: DIVI Voraussetzungen für die psychologische Versorgung in Intensivzentren (DIVI, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.