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Kardiogener Schock: Pflege-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Tägliche interprofessionelle Visiten mit Formulierung von Tageszielen sind essenziell.
  • Bei systolischem Blutdruck >100 mmHg wird eine Oberkörperhochlagerung von 20-45° empfohlen.
  • Die klinische Einschätzung soll strukturiert nach dem ABCDE(F)-Schema erfolgen.
  • Noradrenalin ist der Vasopressor der ersten Wahl bei einem MAP < 65 mmHg.
  • Nach Reanimation wird ein Targeted Temperature Management (32-36 °C) für mindestens 24 Stunden empfohlen.
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Hintergrund

Der infarktbedingte kardiogene Schock (IKS) geht mit einer hohen Letalität einher und erfordert ein standardisiertes, interprofessionelles Vorgehen. Die pflegerische Versorgung beginnt in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) und setzt sich über das Herzkatheterlabor bis zur Intensivstation fort. Starker Konsens besteht darüber, dass eine tägliche, bettseitige, interprofessionelle Visite mit Formulierung von Tageszielen durchgeführt werden soll.

Sofortmaßnahmen und Basismonitoring

Im Mittelpunkt stehen die Symptomlinderung und die Stabilisierung der Hämodynamik. Die Versorgung soll in ständiger Reanimationsbereitschaft erfolgen.

MaßnahmeEmpfehlung / ZielwertBemerkung
Lagerung20-45° OberkörperhochlagerungSoll erfolgen bei systolischem RR > 100 mmHg zur Atemunterstützung.
SauerstoffSpO2-Zielwert: 94-98 %Applikation über Brille, Maske, HFNC oder NIV.
ZugängeMehrere periphere VenenverweilkanülenBei frustranem Versuch soll ein intraossärer Zugang vorbereitet werden.
EKG12-Kanal-EKG innerhalb von 10 MinutenBei Aufnahme oder Zustandsveränderung. Ggf. V4r & V7-V9 ergänzen.
BlutdruckNIBP alle 3-5 MinutenBis zur Anlage einer arteriellen Kanüle zur kontinuierlichen Messung.

Klinische Untersuchung nach ABCDE(F)-Schema

Eine strukturierte Einschätzung soll mindestens alle 8 Stunden und bei Zustandsveränderungen durchgeführt werden.

BuchstabeFokusPflegerische Maßnahmen & Empfehlungen
A (Airway)AtemwegeInspektion des Mundraumes und Mundpflege mind. alle 8h. Bei Verlegung O2-Gabe erhöhen.
B (Breathing)BelüftungAuskultation, SpO2-Monitoring (94-98 %), BGA. Lungenprotektive Beatmung.
C (Circulation)KreislaufRekapillarisierungszeit (< 2 Sek.), Hautkolorit, Diurese. Bei MAP < 65 mmHg soll Noradrenalin als Vasopressor der 1. Wahl eingesetzt werden.
D (Disability)NeurologieBewusstsein soll mind. alle 8h mittels RASS (nicht GCS) beurteilt werden. Pupillenkontrolle 1x/Schicht. Blutzucker < 150 mg/dl halten.
E/F (Exposure/Failure)Body-CheckVollständiger Body-Check inkl. Zu- und Ableitungen 1x/Schicht.

ECLS und ECMO-Therapie

Wenn sich Patienten nicht zeitnah stabilisieren lassen, kommt die veno-arterielle Extrakorporale Membranoxygenierung (VA-ECMO / ECLS) zum Einsatz.

  • Zur Kontrolle der Oxygenierung unter VA-ECMO soll die arterielle BGA ausschließlich an der rechten oberen Extremität abgenommen werden.
  • Mindestens alle 8 Stunden soll die periphere Durchblutung und der Beinumfang überprüft werden.
  • Die blutzuführenden und -abführenden Schläuche sollen am Punktionsort und an einer weiteren Stelle fixiert werden.
  • Für den Notfall sollen am ECLS-Gerät immer mindestens zwei Schlauchklemmen pro Kanüle verfügbar sein.

Targeted Temperature Management (TTM)

Etwa die Hälfte der IKS-Patienten erleidet initial einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Für komatöse Patienten mit Return of Spontaneous Circulation (ROSC) wird ein TTM empfohlen.

PhaseZiel / MaßnahmeBemerkung
Kühlung32 °C - 36 °C für mind. 24hSoll über ein Feedback-gesteuertes System erfolgen. Temperaturmessung via Blasenkatheter oder Ösophagussonde.
Wiedererwärmung0,25 - 0,5 °C pro StundeGesteuerte Erwärmung. Fieber soll für mind. 72h vermieden werden.
BegleittherapieVermeidung von KältezitternTiefe Sedierung (RASS-gesteuert), Counterwarming (z. B. Handschuhe) oder medikamentöse Unterdrückung.

Zentrale Notaufnahme (ZNA)

Bei Verdacht auf einen kardiogenen Schock soll in der Triage (z. B. ESI oder MTS) die höchste Dringlichkeitsstufe gewählt werden. Die initiale Erstversorgung soll mit mindestens zwei Pflegefachkräften erfolgen. Zur strukturierten Anamneseerhebung soll das SAMPLER-Schema (Symptome, Allergien, Medikation, Patientenvorgeschichte, letzte Mahlzeit, Ereignisse, Risikofaktoren) und zur Schmerzeinschätzung das OPQRST-Schema angewendet werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie zur neurologischen Beurteilung von intensivpflichtigen Patienten den RASS-Score anstelle der Glasgow Coma Scale (GCS) und führen Sie tägliche Sedierungspausen durch.

Häufig gestellte Fragen

Bei einem MAP < 65 mmHg ist Noradrenalin der Vasopressor der ersten Wahl.
Der anzustrebende Zielwert der peripheren Sauerstoffsättigung (SpO2) liegt zwischen 94 % und 98 %.
Zur Kontrolle der Oxygenierung unter VA-ECMO soll die arterielle Blutgasanalyse ausschließlich an der rechten oberen Extremität durchgeführt werden.
Entgegen der klassischen Schocklagerung profitieren Patienten bei einem systolischen Blutdruck >100 mmHg von einer Oberkörperhochlagerung (20-45°).

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