DIVI Empfehlungen: Ausstattung & Struktur von IMC-Stationen
📋Auf einen Blick
- •IMC-Stationen schließen die Versorgungslücke zwischen Normal- und Intensivstation für Patienten mit mäßiger oder potenziell schwerwiegender Instabilität.
- •Klare, stationsspezifische Aufnahme-, Ausschluss- und Entlassungskriterien sind für den Übergang zwischen den Versorgungsniveaus unerlässlich.
- •Empfohlene Organisationsformen sind das Integrations- oder Parallelmodell an einer ITS oder eine eigenständige IMC-Station, idealerweise mit 10-12 Betten.
- •Eine qualifizierte ärztliche Besetzung mit intensivmedizinischer Erfahrung und eine 24-Stunden-Verfügbarkeit relevanter Krankenhausleistungen sind zwingend.
- •Interne und externe Qualitätssicherung, inklusive jährlichem Reporting, sind für den sicheren Betrieb einer IMC-Station essenziell.
Einleitung
Die Behandlung komplexer Krankheitsbilder erfordert in deutschen Krankenhäusern zunehmend spezialisierte Versorgungsstrukturen. Intermediate Care (IMC)-Stationen füllen hierbei eine wichtige Lücke: Sie bieten hochspezialisierte Therapie und engmaschige Überwachung für Patienten, deren Zustand die Möglichkeiten einer Normalpflegestation übersteigt, aber noch keine Intensivtherapiestation (ITS) erfordert. Die DIVI-Empfehlungen 2017 legen den Rahmen für die Einrichtung und den Betrieb solcher IMC-Stationen fest, wobei die Patientensicherheit höchste Priorität hat.
Definition und Abgrenzung
Eine allgemein verbindliche Definition für IMC-Stationen existiert bisher nicht. Die DIVI definiert eine IMC-Station als eine Einheit zur Überwachung und Behandlung von Patienten mit mäßiger oder potenziell schwerwiegender Instabilität physiologischer Parameter. Diese Patienten benötigen apparative Überwachung und Organunterstützung, jedoch keinen Organersatz. Die IMC nimmt somit eine Mittelstellung zwischen der Normalpflegestation (NPS) und der Intensivtherapiestation (ITS) ein.
- Intensivtherapiestation (ITS): Versorgt kritisch kranke Patienten mit lebensbedrohlichen Störungen eines oder mehrerer Organsysteme, die eine spezielle personelle und apparative Ausstattung erfordern.
- Intermediate Care Station (IMC): Für Patienten, die weniger als normale Intensivtherapie/pflege benötigen, aber mehr, als auf der Normalpflegestation möglich ist. Sie dient der Prävention, Diagnostik und Behandlung von Krankheiten, die zum Versagen von Vitalfunktionen führen können, oder der Nachsorge nach Organausfällen. Beispiele sind Stroke Units oder Coronary Care Units.
- Normalpflegestation (NPS): Versorgt Patienten, die keine ständige Überwachung von Vitalfunktionen oder sehr aufwändige Pflege benötigen und bei denen kein konkretes Risiko für eine lebens- oder organbedrohliche Störung absehbar ist.
Die Abgrenzung zwischen diesen Bereichen ist fließend und erfordert spezifische Aufnahme-, Ausschluss- und Entlassungskriterien, die sich an gestörten Organfunktionen, speziellen Operationen, pathologischen Befunden oder erhöhtem Pflegeaufwand orientieren.
Einschluss- und Ausschlusskriterien für IMC
Es ist Konsens, dass jede IMC spezifische Aufnahme- und Verlegungskriterien entwickeln sollte, die in Absprache mit angrenzenden Stationen verbindlich vereinbart werden. Diese Kriterien regeln den Übergang zwischen ITS, IMC und NPS und sind an lokale Anforderungen anzupassen.
Allgemeine Aufnahmekriterien:
- Notwendigkeit einer Überwachung häufiger als 6x/Tag oder alle 4 Stunden.
- Kein Kriterium, das eine ITS-Aufnahme erfordert.
- Erhöhter Pflegeaufwand (z.B. nach NEMS und RASS Kategorien 2 und 3).
Spezifische Aufnahmekriterien umfassen:
- Kardiales System: Ausschluss akuter Herzinfarkt, hämodynamisch stabiler Nicht-ST-Hebungs-Herzinfarkt, stabile Arrhythmien, akute Herzinsuffizienz ohne Schock, hypertensive Notfälle ohne akuten Organschaden.
- Respiratorisches System: Leichtgradige respiratorische Insuffizienz oder Risiko der Verschlechterung, die engmaschige Überwachung und/oder intermittierende Atemunterstützung (z.B. NIV/CPAP/High Flow Oxygen) erfordert.
- Neurologisches System: Akute neurologische/neurochirurgische Krankheitsbilder mit Bedarf an häufiger neurologischer Untersuchung, bewusstseinsgestörte Patienten mit engmaschigem Monitoring, stabile neurochirurgische Patienten mit Liquordrainage.
- Intoxikationen und Überdosierungen: Patienten, die häufiges neurologisches, respiratorisches oder kardiozirkulatorisches Monitoring benötigen und hämodynamisch stabil sind.
- Gastrointestinale Störungen: GI-Blutung mit geringer orthostatischer Hypotonie, die auf Volumengabe reagiert.
- Endokrines System: Diabetische Ketoazidose mit kontinuierlicher Insulininfusion, hyperosmolarer Zustand mit Erholung vom Koma, Thyreotoxikose oder hypothyreoter Zustand mit engmaschigem Überwachungsbedarf.
- Chirurgische Zustände: Postoperative Patienten nach großen Eingriffen, die hämodynamisch stabil sind, aber erhöhten Volumen- und Transfusionsbedarf oder hohes Blutungsrisiko aufweisen.
- Sonstiges: Behandelte Sepsis ohne Schock, Patienten mit engmaschigem Flüssigkeitsmanagement, geburtshilfliche Patienten bei (Prä)Eklampsie, Patienten mit sehr aufwändigem Wundmanagement.
Ausschlusskriterien (erfordern ITS-Behandlung):
- Akuter ST-Hebungs-Herzinfarkt, akutes Koronarsyndrom mit hämodynamischer Instabilität, hoher/wechselnder Katecholaminbedarf, akute mechanische Kreislaufunterstützung.
- Schock (septisch, hämorrhagisch, kardiogen, anaphylaktisch), akute Dialyse, CRRT.
- Akutes respiratorisches Versagen mit drohender Intubationsindikation oder intubierte Patienten.
- Patienten mit invasivem erweitertem hämodynamischem Monitoring (PiCCO, pulmonal-arterieller Katheter) oder Hirndruckmessung.
- Status epilepticus, erhöhter Hirndruck, SAB mit Vasospasmus.
Verlegungs-/Entlassungskriterien:
- Wenn der Patientenzustand keine intensive Überwachung mehr erfordert und eine Behandlung auf der Normalstation möglich ist.
- Wenn sich der Patientenzustand derartig verschlechtert, dass aktiver Organersatz erforderlich ist, erfolgt die Verlegung auf eine ITS.
Organisation von IMC-Stationen
Organisationsformen
Die DIVI empfiehlt drei Hauptorganisationsformen, deren Wahl sich an lokalen Gegebenheiten orientieren sollte:
- Integrationsmodell in einer ITS: ITS- und IMC-Patienten werden auf einer gemeinsamen Station behandelt. Vorteile sind hohe Flexibilität bei Personalzuteilung und Therapieanpassung, permanente Arztpräsenz und gemeinsame Nutzung apparativer Ausstattung. Nachteile können die teure Grundausstattung jedes Patientenplatzes und das unruhige ITS-Umfeld sein.
- Parallelmodell an einer ITS: ITS und IMC sind räumlich getrennt, aber benachbart und greifen auf gemeinsame Ressourcen zu. Vorteile sind gemeinsame Administration, ständige ärztliche Präsenz, hohe Flexibilität durch Personalaustausch und gute Behandlungskontinuität. Nachteile können die Notwendigkeit der Verlegung bei Zustandsänderungen und das Risiko einer Fehlbelegung sein.
- Eigenständige IMC-Station: Die IMC ist räumlich, organisatorisch und personell eigenständig. Vorteile sind eine klare Struktur und einheitliche Behandlungspfade. Nachteile können geringere Flexibilität bei kleinen Stationen, die Notwendigkeit einer kompletten eigenen apparativen Infrastruktur und längere Wege zu einer ITS sein. Bei fehlender ITS im Haus ist ein Verlegungskonzept auf eine auswärtige ITS zwingend.
Integrations- oder Parallelmodelle an einer Normalstation werden aufgrund potenziell geringerer Qualifikation des Personals und erschwertem Notfallmanagement nicht primär empfohlen.
Bettenzahl
Für alleinstehende IMC-Stationen werden Einheiten mit 10-12 Betten empfohlen. Bei kleinerer Bettenzahl sollte ein Integrations- oder Parallelmodell bevorzugt werden. Der Bettenbedarf ist individuell für jedes Haus zu ermitteln, basierend auf Faktoren wie Patientenzahl, Schweregrad, ITS-Abmelderaten und Rückverlegungsraten von Normalstationen. Größere Stationen (22-28 Betten) sollten in Einheiten von 10-12 Betten gegliedert werden.
Leistungsangebot des Krankenhauses
Das Krankenhaus, in dem sich die IMC befindet, muss folgende Leistungen vorhalten:
- 24-Stunden-Verfügbarkeit (Präsenz): Konventionelles-Röntgen, Computertomographie, Bronchoskopie, Ultraschall.
- 24-Stunden-Verfügbarkeit (innerhalb von 30 Minuten): Interventionelle kardiologische Diagnostik und Therapie, Operationskapazität für Notfalleingriffe, Gastroskopie, Blutdepot und transfusionsmedizinische Kompetenz, Klinisch-chemisches Labor, Intensivstation (oder Verlegungskonzept).
- Fachärztliche Kompetenz (24-Stunden-Präsenz): Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesiologie.
- Fachärztliche Kompetenz (24-Stunden-Abruf innerhalb von 30 Minuten): Zusätzliche Fachgebiete je nach Patientenkollektiv.
Abläufe auf der Station
Für einen reibungslosen Betrieb sind klare, einheitliche und schriftlich fixierte Regelungen erforderlich. Dazu gehören regelmäßige Visiten/Besprechungen aller beteiligten Fachdisziplinen und Berufsgruppen, SOPs/Algorithmen für organisatorische und medizinische Bereiche (z.B. Hygienepläne, Sedierung/Delir, NIV-Beatmung) sowie Besucherregelungen.
Qualitätssicherung
Auf der IMC soll eine dokumentierte und transparente interne Qualitätssicherung durchgeführt werden. Dies beinhaltet ein zumindest jährliches Reporting der Leistungszahlen und Ergebnisse sowie, wenn möglich, eine externe Qualitätssicherung. Maßnahmen umfassen interdisziplinäre Fallbesprechungen, M&M-Konferenzen, Infektions- und Komplikationsstatistiken sowie die Erfassung von Prozessparametern.
Personalausstattung
Ärztliche Besetzung
- Leitung: Ein Leiter der Station mit Zusatzweiterbildung Intensivmedizin und ein Stellvertreter (Facharzt mit mindestens 1-jähriger Erfahrung in der Intensivmedizin) sollen ausgewiesen werden.
- Visiten: Der Leiter oder sein Stellvertreter sollen an allen Regelarbeitstagen alle Patienten der Station mindestens zweimal täglich visitieren.
- Präsenz: Eine ständige ärztliche Präsenz ist erforderlich, die nachts und am Wochenende in Form eines Bereitschaftsdienstes im Krankenhaus organisiert werden kann. Der Bereitschaftsdienst muss innerhalb von 5 Minuten am Patienten sein und die Patienten kennen.
- Fachaufsicht: Eine Fachaufsicht durch einen Facharzt mit intensivmedizinischen Kenntnissen, der jederzeit (innerhalb von 5 Minuten) auf der Station präsent sein kann, soll gewährleistet sein.
💡Praxis-Tipp
Etablieren Sie stationsspezifische, schriftlich fixierte Aufnahme-, Ausschluss- und Entlassungskriterien in enger Abstimmung mit ITS und Normalstation. Dies gewährleistet eine lückenlose und sichere Patientenversorgung, vermeidet Fehlbelegungen und optimiert die Patientenströme im Krankenhaus.