Perinatologische Versorgung: Struktur-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Bei einer Not-Sectio muss die Entscheidungs-Entbindungszeit (E-E-Zeit) unter 20 Minuten liegen.
- •Ziel in der Geburtshilfe ist eine 1:1-Hebammenbetreuung (maximal 1:2) während der aktiven Geburt.
- •Auf neonatologischen Intensivstationen gilt ein Basis-Pflegeschlüssel von 1:2, bei extrem unreifen oder instabilen Frühgeborenen 1:1.
- •Level-IV-Geburtskliniken sollen ausschließlich Schwangere am Termin (ab 37+0 SSW) ohne erwartete Komplikationen betreuen.
- •Perinatalzentren Level 1 erfordern eine 24-Stunden-Facharztpräsenz in der Geburtshilfe und Neonatologie.
Hintergrund
Die perinatologische Versorgung erfordert eine optimale interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Hebammen, Gynäkologen, Pflegefachkräften, Pädiatern und Kinderchirurgen. Ziel der Leitlinie ist es, die Sicherheit von Mutter und Kind zu optimieren und die Versorgungssicherheit in Deutschland risikoadaptiert zu gewährleisten.
Geburtshilfe und Anästhesie
Für jede Geburt gelten grundlegende strukturelle und personelle Anforderungen:
- E-E-Zeit: Bei einer erforderlichen Notfall-Entbindung (Not-Sectio) muss die Entscheidungs-Entbindungszeit unter 20 Minuten liegen.
- Hebammen: Rund um die Uhr muss mindestens eine Hebamme anwesend und eine weitere in Rufbereitschaft sein. Ziel ist eine 1:1-Betreuung (maximal 1:2) während der aktiven Geburt.
- Ärztliche Präsenz: Ständige Anwesenheit eines geburtshilflich erfahrenen Arztes (Facharztstandard).
- Anästhesie: Eine anästhesiologische ärztliche 24-Stunden-Bereitschaftsdienstleistung inklusive anästhesiologischer Pflegekraft muss gewährleistet sein.
Neonatologische Intensivpflege
Die pflegerische Betreuungsintensität auf neonatologischen Intensivstationen richtet sich nach dem individuellen Bedarf und der Stabilität der Patienten.
| Pflegeschlüssel | Indikation / Patientengruppe |
|---|---|
| 1:1 | < 1.000 g (erste 72h), kardiorespiratorisch instabil, OP-Tag, ECMO, Hypothermie (erste 24h), Sterbebegleitung |
| 1:2 | Basis-Mindestbesetzung für auf Intensivstation behandelte Früh- und Reifgeborene |
| 1:4 | Stabile Patienten (nur Monitoring, O2-Therapie, Magensonde, Infusion, Phototherapie) |
Stufensystem der Versorgung
Die perinatologische Versorgung wird in vier Stufen unterteilt, um eine risikoadaptierte Betreuung zu gewährleisten:
| Versorgungsstufe | Bezeichnung | Zielgruppe / Kriterien | Ärztliche Präsenz (Auszug) |
|---|---|---|---|
| Level IV | Geburtsklinik | Termingeborene (ab 37+0 SSW) ohne erwartete Komplikationen | Facharztstandard Geburtshilfe |
| Level III | Perinataler Schwerpunkt | ≥ 32+0 SSW und ≥ 1.500 g | Pädiater im Notfall in 10 Min. vor Ort |
| Level II | Perinatalzentrum Level 2 | 1.250–1.499 g oder 29+0 bis 31+6 SSW | Permanente Arztpräsenz Neonatologie |
| Level I | Perinatalzentrum Level 1 | Höchste Risiken (z.B. < 1.250 g) | 24h-Facharztpräsenz Geburtshilfe & Neonatologie |
Wichtige Kernaussagen zu den Versorgungsstufen:
- Level IV: Neugeborenentransporte sollen durch rechtzeitige präventive Verlegung von Risikoschwangeren vermieden werden.
- Level I: Operative Eingriffe dürfen nur von Kinderchirurgen oder chirurgischen Disziplinen mit ausgewiesener Expertise durchgeführt werden (Rufbereitschaft < 1 Stunde).
💡Praxis-Tipp
Planen Sie bei Risikoschwangerschaften frühzeitig die präventive Verlegung der Mutter (In-utero-Transfer) in ein geeignetes Perinatalzentrum, um riskante postnatale Neugeborenentransporte zu vermeiden.