WHO2023

Psychische & neurologische Störungen (mhGAP): Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie mhGAP (Mental Health Gap Action Programme) aus dem Jahr 2023 richtet sich primär an nicht-spezialisiertes Gesundheitspersonal. Sie bietet evidenzbasierte Empfehlungen für die Diagnostik und Behandlung von psychischen, neurologischen und substanzbedingten Erkrankungen.

Ziel des Programms ist es, die weltweite Versorgungslücke zu schließen und die Integration der psychiatrischen sowie neurologischen Betreuung in die allgemeine Gesundheitsversorgung zu fördern. Die Leitlinie legt besonderen Wert auf die Anwendbarkeit in ressourcenschwachen Umgebungen.

Das Dokument aktualisiert frühere Versionen und umfasst Module zu Themen wie Depression, Angststörungen, Epilepsie, Demenz sowie Alkohol- und Drogenkonsumstörungen. Es werden sowohl pharmakologische als auch psychosoziale Interventionen detailliert bewertet.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die jeweiligen Krankheitsbilder:

Angststörungen

Es wird empfohlen, Erwachsenen mit generalisierter Angststörung oder Panikstörung strukturierte psychologische Kurzinterventionen anzubieten (starke Empfehlung). Diese sollten auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) basieren.

Pharmakologisch können selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) in Betracht gezogen werden. Wenn SSRI nicht verfügbar sind, können laut Leitlinie trizyklische Antidepressiva (TCA) bei Panikstörungen erwogen werden.

Depressionen

Für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Depression werden strukturierte psychologische Interventionen wie CBT, interpersonelle Therapie oder Verhaltensaktivierung empfohlen (starke Empfehlung).

Antidepressiva (SSRI oder Amitriptylin) sollten in Betracht gezogen werden, wobei eine alleinige medikamentöse Therapie nur erfolgen sollte, wenn keine psychologischen Interventionen verfügbar sind. Wenn Antidepressiva wirksam sind, wird eine Fortsetzung der Therapie für mindestens sechs Monate nach der Remission empfohlen.

Epilepsie und Krampfanfälle

Bei einem etablierten Status epilepticus, der nicht auf Benzodiazepine anspricht, wird die intravenöse Gabe von Fosphenytoin, Phenytoin, Levetiracetam, Phenobarbital oder Valproinsäure empfohlen. Die Auswahl richtet sich nach den lokalen Ressourcen und Überwachungsmöglichkeiten.

Für die medikamentöse Langzeittherapie empfiehlt die Leitlinie folgende Erstlinien-Monotherapien:

AnfallsartBevorzugte MonotherapieAlternative ErstlinientherapieZweitlinientherapie
GeneralisiertLamotrigin, Levetiracetam, ValproinsäurePhenytoin, PhenobarbitalÜberweisung an Spezialisten
FokalLamotrigin, LevetiracetamCarbamazepinLacosamid

Psychosen und Bipolare Störungen

Erwachsenen mit psychotischen Störungen (einschließlich Schizophrenie) sollten orale Antipsychotika wie Aripiprazol, Haloperidol, Olanzapin, Paliperidon, Quetiapin oder Risperidon angeboten werden (starke Empfehlung). Nach einer ersten psychotischen Episode in Remission wird eine Erhaltungstherapie für mindestens 7 bis 12 Monate empfohlen.

Bei einer bipolaren Störung in der akuten Manie-Phase wird der Einsatz von Antipsychotika oder Phasenprophylaktika (Lithium, Valproinsäure, Carbamazepin) empfohlen. Zur Erhaltungstherapie nach einer Remission sollten diese Medikamente für mindestens sechs Monate fortgesetzt werden.

Demenz

Für Menschen mit Demenz wird körperliche Aktivität (3-4 Mal pro Woche für 30-45 Minuten) stark empfohlen (starke Empfehlung). Zudem sollten psychosoziale Interventionen wie kognitive Stimulationstherapie erwogen werden.

Ein besonderer Fokus liegt auf den pflegenden Angehörigen. Diesen sollten psychosoziale Interventionen, Psychoedukation und Entlastungsangebote zur Verfügung gestellt werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Valproinsäure: Darf bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter aufgrund des hohen Risikos für Geburtsfehler und neurologische Entwicklungsstörungen des Fötus nicht angewendet werden (starke Empfehlung).

  • Benzodiazepine: Werden zur Behandlung von generalisierten Angst- oder Panikstörungen nicht empfohlen. Sie dürfen nur als kurzfristige Maßnahme (maximal 3 bis 7 Tage) zur Notfallbehandlung akuter und schwerer Symptome eingesetzt werden.

  • Antidepressiva bei Kindern: Werden für die Behandlung von depressiven Episoden bei Kindern unter 12 Jahren nicht empfohlen (starke Empfehlung).

  • Stimulanzien bei Suchterkrankungen: Dexamphetamin, Methylphenidat und Modafinil werden aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht zur Behandlung von Kokain- oder Stimulanzienkonsumstörungen empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor dem Einsatz von Valproinsäure bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter, da ein erhebliches teratogenes Risiko besteht. Zudem wird betont, dass Benzodiazepine bei Angststörungen keine Dauertherapie darstellen und strikt auf eine maximale Anwendungsdauer von 3 bis 7 Tagen im akuten Notfall begrenzt werden sollten.

Häufig gestellte Fragen

Bei einem Status epilepticus, der nach zwei Dosen Benzodiazepinen persistiert, wird die intravenöse Gabe von Levetiracetam, Valproinsäure, Phenytoin, Fosphenytoin oder Phenobarbital empfohlen. Die genaue Auswahl sollte laut Leitlinie von der lokalen Verfügbarkeit und den Überwachungsmöglichkeiten abhängig gemacht werden.

Die Leitlinie empfiehlt, die antidepressive Therapie nach einer erfolgreichen Remission für mindestens sechs Monate fortzusetzen. Dies dient der Rückfallprävention und sollte mit Blick auf Adhärenz und Nebenwirkungen regelmäßig überwacht werden.

Es wird stark davon abgeraten, Antidepressiva bei Kindern unter 12 Jahren mit depressiven Störungen einzusetzen. Bei Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren sollte Fluoxetin nur dann unter fachärztlicher Aufsicht erwogen werden, wenn psychosoziale Interventionen allein nicht wirksam waren.

Als Erstlinientherapie werden strukturierte psychologische Kurzinterventionen empfohlen, die auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie basieren. Medikamentös können laut Leitlinie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) in Betracht gezogen werden.

Nach einer ersten psychotischen Episode, die sich in Remission befindet, wird eine Erhaltungstherapie mit Antipsychotika für mindestens 7 bis 12 Monate empfohlen. Dabei müssen Wirksamkeit und Nebenwirkungen sorgfältig abgewogen werden.

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Quelle: Mental Health Gap Action Programme (mhGAP) guideline for mental, neurological and substance use disorders (WHO, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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