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Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN)2013Psychiatrie

Schizophrenie-Therapie: Leitlinie (SIGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Erstepisoden sollten in spezialisierten Early-Intervention-Zentren behandelt werden.
  • Die Erhaltungstherapie mit Antipsychotika sollte nach Remission mindestens zwei Jahre betragen.
  • Bei akuten Exazerbationen sind Amisulprid, Olanzapin oder Risperidon bevorzugte Optionen.
  • Clozapin ist bei Therapieresistenz (Versagen von zwei Antipsychotika) indiziert.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBTp) und Familieninterventionen sollten integraler Bestandteil der Therapie sein.
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Hintergrund

Schizophrenie ist eine komplexe psychische Erkrankung, die oft im jungen Erwachsenenalter beginnt. Die Behandlung erfordert einen multimodalen Ansatz aus Pharmakotherapie, psychologischen Interventionen und sozialer Unterstuetzung. Die Lebenserwartung von Patienten mit Schizophrenie ist reduziert, haeufig bedingt durch kardiovaskulaere Erkrankungen und Suizid.

Early Intervention und Zugang

Patienten mit einer ersten psychotischen Episode sollten im Rahmen eines spezialisierten Early Intervention (EI) Modells behandelt werden. Dieses umfasst:

  • A Assertives Outreach und Engagement
  • A Einbezug der Familie und Familieninterventionen
  • A Zugang zu psychologischen Therapien
  • A Berufliche und schulische Unterstuetzung
  • A Zugang zu antipsychotischer Medikation

Fuer Patienten mit haeufigen Rueckfaellen, schlechter Compliance und sozialem Abstieg (z. B. Obdachlosigkeit) sollte ein Assertive Community Treatment (ACT) angeboten werden (B).

Physisches Monitoring

Antipsychotika haben signifikante metabolische und kardiovaskulaere Nebenwirkungen. Ein lokales Monitoring-Protokoll muss bei Verschreibung etabliert werden.

ParameterBaseline1 Monat3 MonateJaehrlich
Familien-/EigenanamneseJaNeinNeinJa
RaucherstatusJaNeinNeinJa
BMI / GewichtJaJaJaJa
BlutdruckJaBei BedarfJaJa
Glukose / HbA1cJaBei BedarfJaJa
LipideJaBei BedarfJaJa

Pharmakotherapie

Die Wahl des Antipsychotikums sollte immer gemeinsam mit dem Patienten unter Abwaegung von Nutzen und Nebenwirkungen (z. B. Gewichtszunahme, extrapyramidalmotorische Stoerungen [EPMS]) getroffen werden. Die niedrigste effektive Dosis ist anzustreben.

Erstepisode

  • D Nach Beginn der Medikation sollte diese fuer mindestens zwei Wochen beibehalten werden, sofern keine schweren Nebenwirkungen auftreten.
  • D Bei partiellem Ansprechen sollte die Therapie nach acht Wochen neu bewertet werden.
  • D Nach Remission der Erstepisode sollte die Erhaltungstherapie fuer mindestens 18 Monate fortgefuehrt werden.

Akute Exazerbation

  • A Amisulprid, Olanzapin oder Risperidon sollten als bevorzugte Medikamente erwogen werden. Chlorpromazin und andere niedrigpotente Antipsychotika der ersten Generation sind geeignete Alternativen.
  • D Die Medikation sollte fuer mindestens vier Wochen beibehalten werden, bevor ein Wechsel wegen mangelnder Wirksamkeit erwogen wird.

Erhaltungstherapie

  • A Patienten in Remission sollten eine Erhaltungstherapie fuer mindestens zwei Jahre erhalten.
  • B Die Dosierung sollte im niedrigen bis moderaten Bereich liegen (z. B. 300-400 mg Chlorpromazin-Aequivalent oder 4-6 mg Risperidon).
  • B Bei Compliance-Problemen oder auf Patientenwunsch sollten Depot-Antipsychotika angeboten werden.

Therapieresistenz

Therapieresistenz ist meist definiert als unzureichendes Ansprechen auf zwei verschiedene Antipsychotika in adaequater Dosierung und Dauer.

StufeTherapieBemerkung
1Clozapin (A)Indiziert nach Versagen von zwei Antipsychotika (darunter ein Atypikum).
2Clozapin-Augmentation (C)Mit einem zweiten atypischen Antipsychotikum fuer mindestens 10 Wochen.
3Lamotrigin-Augmentation (B)Off-Label-Use bei unzureichendem Ansprechen auf Clozapin.
4EKT (C)Nur wenn andere medikamentoese Ansaetze versagt haben oder schnelle Besserung noetig ist.

Nebenwirkungsmanagement

  • Gewichtszunahme: Olanzapin und Clozapin verursachen die staerkste Gewichtszunahme. Haloperidol, Aripiprazol oder Amisulprid sollten bei Risikopatienten erwogen werden (A). Lebensstilinterventionen (A) und Metformin (B, Off-Label) koennen eingesetzt werden.
  • EPMS: Bei Bedenken bezueglich EPMS oder Spaetdyskinesien sollten Antipsychotika der zweiten Generation bevorzugt werden (B).
  • Sedierung: Wenn Sedierung ein Problem darstellt, sollten Haloperidol oder Aripiprazol erwogen werden (B).

Psychologische Therapien

  • A Kognitive Verhaltenstherapie fuer Psychosen (CBTp): Sollte allen Patienten angeboten werden, die nicht ausreichend auf Medikation ansprechen oder persistierende Symptome/Depressionen haben.
  • A Familienintervention: Sollte allen Patienten mit engem Familienkontakt angeboten werden. Mindestens 10 Sitzungen ueber 3 Monate gelten als effektive Dosis.

💡Praxis-Tipp

Fuehren Sie bei jeder Antipsychotika-Verordnung ein strukturiertes physisches Monitoring (Gewicht, Blutdruck, Glukose, Lipide) durch, da metabolische Nebenwirkungen haeufig und prognoserelevant sind.

Häufig gestellte Fragen

Nach einer Remission sollte die Erhaltungstherapie fuer mindestens zwei Jahre fortgefuehrt werden, nach einer Erstepisode fuer mindestens 18 Monate.
Bei Therapieresistenz, definiert als unzureichendes Ansprechen auf zwei verschiedene Antipsychotika (darunter mindestens ein atypisches Antipsychotikum).
Clozapin und Olanzapin sind mit der staerksten Gewichtszunahme assoziiert. Aripiprazol, Haloperidol und Amisulprid verursachen weniger Gewichtszunahme.
Amisulprid, Olanzapin oder Risperidon sollten als bevorzugte Medikamente erwogen werden. Die Medikation sollte bei guter Vertraeglichkeit fuer mindestens vier Wochen beibehalten werden.

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