Verhaltensaktivierung bei Depression und NCDs: Cochrane
Hintergrund
Depressionen treten häufig als Komorbidität bei Erwachsenen mit nicht übertragbaren Krankheiten (NCDs) wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs oder chronischen Atemwegserkrankungen auf. Diese Koexistenz verschlechtert oft die klinischen Endpunkte beider Erkrankungen.
Begleiterkrankungen können das Gesundheitsverhalten, die Therapietreue und die Lebensqualität negativ beeinflussen. Die Verhaltensaktivierung ist eine Form der psychologischen Gesprächstherapie, die zunehmend zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird.
Der vorliegende Cochrane-Review aus dem Jahr 2020 evaluiert die Wirksamkeit dieser Therapieform speziell bei Personen mit NCDs. Es wird untersucht, ob die Verhaltensaktivierung eine praktikable Alternative zu etablierten psychologischen oder pharmakologischen Behandlungen darstellt.
Empfehlungen
Der systematische Review fasst die aktuelle Evidenz zur Verhaltensaktivierung bei Erwachsenen mit Depressionen und chronischen körperlichen Erkrankungen zusammen.
Eingeschlossene Studien
Die Analyse basiert auf zwei randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) aus den USA mit insgesamt 181 Teilnehmern. Die Kohorten bestanden aus Personen nach einem Schlaganfall sowie Frauen mit Brustkrebs. Die Intervention umfasste jeweils acht Wochen persönliche Verhaltensaktivierung.
Wirksamkeit und Therapieerfolg
Die Evidenz zur Wirksamkeit der Verhaltensaktivierung im Vergleich zu Kontrollgruppen (übliche Behandlung oder Problemlösetherapie) zeigt zeitabhängige Unterschiede. Es ergaben sich folgende Resultate hinsichtlich der Remission:
| Zeitraum | Relatives Risiko (RR) | Vertrauenswürdigkeit (GRADE) |
|---|---|---|
| Kurzfristig (8-9 Wochen) | 1,53 | Niedrig |
| Mittelfristig (12 Monate) | 1,76 | Moderat |
| Langfristig (24 Monate) | 1,42 | Moderat |
Weitere klinische Endpunkte
Laut Review konnte keine ausreichende Evidenz für signifikante Unterschiede bei weiteren Parametern festgestellt werden. Dies betrifft insbesondere:
-
Die Ausprägung der Depressionssymptomatik
-
Die gesundheitsbezogene Lebensqualität
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Die körperliche und soziale Funktionsfähigkeit
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Das Auftreten von Angstsymptomen
Schlussfolgerungen für die Praxis
Der Review schlussfolgert, dass die aktuelle Evidenz nicht ausreicht, um verlässliche Empfehlungen für den klinischen Einsatz der Verhaltensaktivierung bei NCDs abzuleiten. Es wird betont, dass weitere Forschung notwendig ist, bevor diese Therapieform als Standardalternative implementiert werden kann.
💡Praxis-Tipp
Der Review weist darauf hin, dass die Verhaltensaktivierung bei Personen mit chronischen körperlichen Erkrankungen zwar kurz- bis mittelfristig die Remissionsraten erhöhen könnte, die Evidenzlage hierfür jedoch stark limitiert ist. Es wird hervorgehoben, dass etablierte Behandlungsstandards für diese spezifische Gruppe vorerst beibehalten werden sollten, bis robustere Studiendaten vorliegen.
Häufig gestellte Fragen
Die Verhaltensaktivierung ist eine Form der psychologischen Gesprächstherapie. Sie zielt darauf ab, depressive Symptome durch den gezielten Aufbau von positiven Aktivitäten und Routinen zu reduzieren.
Laut dem Cochrane-Review gibt es Hinweise auf eine kurz- bis mittelfristig erhöhte Remissionsrate bei Brustkrebspatientinnen. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird jedoch als niedrig bis moderat eingestuft.
Der Review schloss Studien zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs und chronischen Atemwegserkrankungen ein. Tatsächlich auswertbare Daten lagen jedoch nur für Personen nach Schlaganfall und mit Brustkrebs vor.
In den eingeschlossenen Studien des Reviews wurden keine Daten zu unerwünschten Ereignissen oder Nebenwirkungen während des Studienzeitraums berichtet. Eine abschließende Bewertung der Sicherheit ist daher anhand dieser Daten nicht möglich.
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Quelle: Cochrane Review: Behavioural activation therapy for depression in adults with non-communicable diseases (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.