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WHO mhGAP Leitlinie: Depression & Psychosen (2016)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf World Health Organization (WHO) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose einer Depression erfordert das Vorliegen von Kernsymptomen für mindestens 2 Wochen.
  • Vor der Gabe von Antidepressiva muss zwingend eine bipolare Störung ausgeschlossen werden, um keine Manie auszulösen.
  • Bei suizidalen Patienten sind SSRI (z. B. Fluoxetin) zu bevorzugen, da Trizyklika (wie Amitriptylin) bei Überdosierung tödlich sein können.
  • Valproat, Lithium und Carbamazepin sind in der Schwangerschaft und Stillzeit aufgrund des Risikos von Geburtsfehlern zu vermeiden.
  • Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen haben ein stark erhöhtes Risiko, an vermeidbaren physischen Krankheiten zu versterben.
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Hintergrund

Die mhGAP-Interventionsleitlinie (Mental Health Gap Action Programme) der WHO zielt darauf ab, die Versorgung von Menschen mit psychischen, neurologischen und substanzbedingten (MNS) Störungen in nicht-spezialisierten Gesundheitseinrichtungen zu verbessern. Da Menschen mit schweren MNS-Erkrankungen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko haben, an vermeidbaren physischen Krankheiten zu sterben, ist eine umfassende körperliche Untersuchung essenziell.

Allgemeine Prinzipien und Diagnostik

Jede Konsultation erfordert eine respektvolle Kommunikation und den Schutz der Privatsphäre. Die Diagnostik umfasst die Erhebung der aktuellen Beschwerden, der psychiatrischen und somatischen Anamnese sowie eine körperliche Untersuchung zum Ausschluss organischer Ursachen.

NotfallpräsentationVerdachtsdiagnoseErstmaßnahme
Suizidgedanken/-handlung mit AgitationAkutes SuizidrisikoUnmittelbare Sicherung und Evaluation
Akute Konvulsionen / Status epilepticusEpilepsieAkutmanagement
Verwirrtheit, Tremor, SchwitzenAlkoholentzug(sdelir)Entzugsbehandlung

Depression

Eine Depression ist gekennzeichnet durch erhebliche Beeinträchtigungen im Alltag. Körperliche Ursachen (z. B. Anämie, Hypothyreose, Medikamentennebenwirkungen) sowie eine bipolare Störung müssen vor Behandlungsbeginn zwingend ausgeschlossen werden.

Diagnostische Kriterien

Mindestens eines der folgenden Kernsymptome muss für mindestens 2 Wochen bestehen:

  • Anhaltend gedrückte Stimmung
  • Deutlich vermindertes Interesse oder Freudverlust

Zusätzlich müssen weitere Symptome wie Schlafstörungen, Appetitveränderungen, Energielosigkeit, Konzentrationsmangel oder Suizidgedanken vorliegen.

Therapie der Depression

Die Behandlung stützt sich auf psychosoziale Interventionen (Psychoedukation, Stressreduktion) und medikamentöse Therapie.

WirkstoffStartdosisIndikation & BemerkungKontraindikationen & Warnhinweise
Amitriptylin (TCA)25 mg zur NachtErwachsene; min. effektive Dosis 75 mgKontraindiziert bei Herzerkrankungen, Suizidgefahr (Überdosis tödlich!) und Bipolarer Störung
Fluoxetin (SSRI)10 mg täglichMittel der Wahl bei Suizidrisiko und ÄlterenVorsicht bei Krampfanfällen; Interaktion mit Warfarin (Blutungsrisiko ↑)

Wichtig: Antidepressiva müssen nach Abklingen der Symptome für mindestens 9-12 Monate weiter eingenommen werden.

Psychosen und Bipolare Störung

Psychosen und bipolare Störungen erfordern eine sorgfältige Differenzialdiagnostik, insbesondere den Ausschluss eines Delirs (z. B. durch Infektionen, zerebrale Malaria, Dehydration oder Medikamente).

Diagnostische Kriterien

ErkrankungZeitkriteriumLeitsymptome
Manische Episode≥ 1 WocheGehobene/gereizte Stimmung, vermindertes Schlafbedürfnis, Rededrang, impulsives Verhalten
PsychoseNicht spezifiziertWahnvorstellungen, Halluzinationen, desorganisiertes Sprechen/Verhalten

Therapie der Bipolaren Störung (Manie)

  • Antidepressiva sofort absetzen, da diese eine Manie triggern können.
  • Beginn einer Therapie mit Lithium, Valproat, Carbamazepin oder Antipsychotika.
  • Kurzfristig (max. 2-4 Wochen) können Benzodiazepine (z. B. Diazepam) bei Agitation eingesetzt werden.

Therapie der Psychose

Antipsychotika sollten routinemäßig angeboten werden. Es wird mit der niedrigsten Dosis begonnen und langsam gesteigert.

WirkstoffStartdosisMax. DosisNebenwirkungen & Warnhinweise
Haloperidol1,5-3 mg/Tag20 mg/TagExtrapyramidale Symptome (EPS), QTc-Verlängerung, Malignes Neuroleptisches Syndrom (MNS)
Risperidon1 mg/Tag10 mg/TagMetabolische Effekte (Gewicht ↑, Lipide ↑), EPS, Prolaktin ↑
Chlorpromazin25-50 mg/Tag300 mg/TagOrthostatische Hypotonie, Agranulozytose, QTc-Verlängerung
Fluphenazin (Depot)12,5 mg (i.m.)50 mg alle 2-4 WochenNicht bei Schwangeren oder Kindern anwenden

Besondere Patientengruppen

  • Schwangere/Stillende: Valproat, Lithium und Carbamazepin sind wegen des Risikos von Geburtsfehlern zu vermeiden. Bei Psychosen kann niedrig dosiertes Haloperidol erwogen werden. Anticholinergika sind kontraindiziert.
  • Kinder/Jugendliche: Bei Depressionen Antidepressiva möglichst vermeiden. Falls nötig, Fluoxetin unter strenger wöchentlicher Überwachung (Suizidrisiko). Risperidon bei Psychosen nur unter fachärztlicher Aufsicht.
  • Ältere Patienten: Erhöhtes Risiko für zerebrovaskuläre Ereignisse und Tod bei demenzbedingter Psychose durch Antipsychotika. Amitriptylin sollte vermieden werden.

💡Praxis-Tipp

Verschreiben Sie bei einer Depression niemals Antidepressiva, ohne vorher eine bipolare Störung (Manie in der Anamnese) auszuschließen. Bei suizidalen Patienten sollten SSRI (z. B. Fluoxetin) bevorzugt werden, da eine Überdosierung von Trizyklika wie Amitriptylin tödlich enden kann.

Häufig gestellte Fragen

Die Kernsymptome müssen für mindestens 2 Wochen durchgehend bestehen.
SSRI wie Fluoxetin sind die erste Wahl. Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin sollten vermieden werden, da eine Überdosierung tödlich enden kann.
Nein, Valproat, Lithium und Carbamazepin sollten in der Schwangerschaft und Stillzeit wegen des Risikos von Geburtsfehlern vermieden werden.
Eine bipolare Störung (frühere manische Episoden) muss ausgeschlossen werden, da Antidepressiva eine Manie auslösen können.
Der Ausschluss organischer Ursachen wie Anämie, Hypothyreose, Infektionen (z. B. zerebrale Malaria) oder Medikamentennebenwirkungen ist essenziell.

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