Psychische Störungen (mhGAP): Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie mhGAP Intervention Guide (Version 2.0, 2016) richtet sich an medizinisches Personal in nicht-spezialisierten Gesundheitseinrichtungen. Ziel ist es, die Versorgungslücke bei psychischen, neurologischen und substanzbedingten Erkrankungen weltweit zu schließen.
Laut Leitlinie machen diese Erkrankungen global einen großen Teil der Krankheitslast aus. Dennoch hat nur ein Bruchteil der Betroffenen Zugang zu adäquater fachärztlicher Behandlung.
Das Dokument liefert strukturierte klinische Algorithmen für häufige Krankheitsbilder. Dazu zählen unter anderem Depressionen, Psychosen, Epilepsie, Demenz sowie substanzbezogene Störungen und Suizidalität.
Empfehlungen
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer respektvollen und nicht-wertenden Kommunikation. Es wird empfohlen, die Privatsphäre zu wahren und die Betroffenen aktiv in Behandlungsentscheidungen einzubinden.
Diagnostik und Basisassessment
Gemäß Leitlinie soll bei jedem Verdacht auf eine psychische oder neurologische Erkrankung zunächst eine körperliche Untersuchung erfolgen. Es wird geraten, organische Ursachen wie Infektionen, metabolische Störungen oder Medikamentennebenwirkungen auszuschließen.
Die Leitlinie empfiehlt folgende strukturierte Schritte bei der Anamnese:
-
Erfassung des Hauptsymptoms und der bisherigen Krankheitsgeschichte
-
Abklärung der allgemeinen körperlichen Gesundheit und aktueller Medikamente
-
Erhebung der Familienanamnese bezüglich psychischer Erkrankungen
-
Beurteilung der psychosozialen Situation und aktueller Stressoren
Zudem wird nachdrücklich empfohlen, bei jeder psychischen Erkrankung das Risiko für Selbstverletzung oder Suizid zu evaluieren.
Therapeutisches Vorgehen
Die Leitlinie empfiehlt einen multimodalen Behandlungsansatz. Dieser umfasst in der Regel psychosoziale Interventionen und, falls indiziert, eine pharmakologische Therapie.
Zu den empfohlenen psychosozialen Basisinterventionen gehören:
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Psychoedukation für Betroffene und deren Angehörige
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Reduktion von Stressoren und Stärkung sozialer Netzwerke
-
Förderung der Alltagsfunktionen und der beruflichen Reintegration
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Kurzpsychotherapien wie kognitive Verhaltenstherapie oder Problemlösetraining
Bei der Verordnung von Psychopharmaka wird geraten, mit der niedrigsten wirksamen Dosis zu beginnen. Es wird empfohlen, Monotherapien zu bevorzugen und auf Wechselwirkungen zu achten.
Verlaufskontrolle
Laut Leitlinie ist eine regelmäßige und strukturierte Nachsorge essenziell. In der Akutphase wird eine engmaschige Kontrolle empfohlen, die bei Besserung der Symptomatik schrittweise reduziert werden kann.
Bei jedem Termin sollte das Ansprechen auf die Therapie sowie die Adhärenz überprüft werden. Es wird empfohlen, auch die körperliche Gesundheit und mögliche Nebenwirkungen der Medikation kontinuierlich zu überwachen.
Dosierung
Antidepressiva (bei Depression)
| Medikament | Startdosis | Zieldosis / Maximaldosis | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|---|
| Amitriptylin | 25 mg zur Nacht | 100-150 mg täglich (max. 300 mg) | Nicht bei kardiovaskulären Erkrankungen oder Suizidalität |
| Fluoxetin | 10 mg täglich | 20 mg täglich (max. 80 mg) | Vorsicht bei Krampfanfällen in der Anamnese |
Antipsychotika (bei Psychosen)
| Medikament | Startdosis | Zieldosis / Maximaldosis | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|---|
| Haloperidol | 1,5-3 mg täglich | Nach Bedarf (max. 20 mg täglich) | EKG-Kontrolle empfohlen (QT-Zeit) |
| Risperidon | 1 mg täglich | 2-6 mg täglich (max. 10 mg) | Vorsicht bei Herzerkrankungen |
| Chlorpromazin | 25-50 mg täglich | 75-300 mg täglich (max. 1000 mg) | Blutdruckabfall möglich |
Antiepileptika (bei konvulsiver Epilepsie)
| Medikament | Startdosis (Erwachsene) | Maximaldosis (Erwachsene) | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|---|
| Carbamazepin | 100-200 mg täglich (in 2-3 Dosen) | 1400 mg täglich | Dosisanpassung nach 2 Wochen oft nötig |
| Phenobarbital | 60 mg täglich (in 1-2 Dosen) | 180 mg täglich | Kontraindiziert bei akuter Porphyrie |
| Phenytoin | 150-200 mg täglich (in 2 Dosen) | 400 mg täglich | Niedrigere Dosis bei Leber-/Nierenerkrankungen |
| Valproat | 400 mg täglich (in 2 Dosen) | 3000 mg täglich | Vermeiden bei Schwangeren (Teratogenität) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt unter anderem folgende spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Amitriptylin: Kontraindiziert bei kardiovaskulären Erkrankungen, Engwinkelglaukom und unbehandelter bipolarer Störung (Gefahr der Manie-Auslösung).
-
Valproat: Sollte bei Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangeren aufgrund des Risikos für Neuralrohrdefekte vermieden werden. Kontraindiziert bei Lebererkrankungen.
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Lithium: Kontraindiziert bei schweren Nieren- oder Herzerkrankungen. Eine Dehydratation kann die Lithiumspiegel gefährlich erhöhen.
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Antidepressiva bei bipolarer Störung: Es wird davor gewarnt, Antidepressiva ohne gleichzeitiges Phasenprophylaktikum (z.B. Lithium, Valproat) zu verschreiben, da dies eine Manie auslösen kann.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist es ein häufiger Fehler, körperliche Ursachen für psychiatrische Symptome zu übersehen. Es wird dringend empfohlen, bei jeder Erstvorstellung ein Delir, Infektionen oder Medikamentennebenwirkungen auszuschließen und bei jedem Verdacht auf eine psychische Erkrankung aktiv nach Suizidgedanken zu fragen, da dies das Risiko nicht erhöht, sondern präventiv wirkt.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt zur Behandlung von Entzugssymptomen wie Tremor oder Schwitzen die Gabe von Diazepam (10-20 mg oral). Zudem wird die prophylaktische Gabe von Thiamin (100 mg täglich für fünf Tage) angeraten, um einer Wernicke-Enzephalopathie vorzubeugen.
Bei einer akuten Manie wird laut Leitlinie empfohlen, Antidepressiva sofort abzusetzen. Zur medikamentösen Therapie wird der Einsatz von Lithium, Valproat, Carbamazepin oder Antipsychotika (wie Haloperidol) empfohlen.
Die Leitlinie rät bei Kindern unter 12 Jahren primär von einer pharmakologischen Therapie ab. Stattdessen werden psychosoziale Interventionen, Elterntraining und Verhaltensmodifikationen als erste Wahl empfohlen.
Zur Durchbrechung eines Status epilepticus empfiehlt die Leitlinie die intravenöse Gabe von Valproinsäure, Phenobarbital oder Phenytoin. Zuvor sollte die Notfallgabe von Diazepam oder Lorazepam erfolgt sein.
Laut Leitlinie sollten Antidepressiva bei Jugendlichen möglichst vermieden werden. Falls psychosoziale Interventionen nicht ausreichen, kann Fluoxetin unter strenger fachärztlicher Überwachung erwogen werden, wobei wöchentliche Kontrollen bezüglich Suizidalität empfohlen werden.
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Quelle: WHO mhGAP Intervention Guide for Mental Health (Version 2.0) (WHO, 2016). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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