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Febrile Neutropenie (FUO): Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die febrile Neutropenie ist ein Notfall: Die empirische Antibiose muss umgehend (innerhalb von 2 Stunden) starten.
  • Die Risikostratifizierung erfolgt nach der erwarteten Neutropeniedauer (Standardrisiko ≤ 7 Tage, Hochrisiko > 7 Tage) und dem MASCC-Score.
  • Die empirische Erstlinientherapie muss zwingend eine Wirksamkeit gegen Pseudomonas aeruginosa aufweisen.
  • Bei Fieberfreiheit über 3-5 Tage und klinischer Stabilität kann die Antibiose trotz anhaltender Neutropenie beendet werden.
  • Bei Hochrisiko-Patienten mit persistierendem Fieber (>96 h) ist eine empirische oder präemptive antimykotische Therapie indiziert.
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Hintergrund

Die febrile Neutropenie (Fieber unbekannter Genese, FUO) bei onkologischen Patienten ist ein medizinischer Notfall. Eine umgehende Diagnostik und die sofortige Einleitung einer antimikrobiellen Therapie sind überlebenswichtig.

ParameterDefinition
NeutropenieNeutrophile <500/µl oder <1.000/µl mit erwartetem Abfall <500/µl in den nächsten 2 Tagen
FieberEinmalig oral >38,3 °C oder >38,0 °C über mind. 1 h bzw. zweimal innerhalb von 12 h

Risikostratifizierung

Der wichtigste Risikofaktor für Komplikationen ist die Dauer und Tiefe der Neutropenie. Zur Einschätzung eines unkomplizierten Verlaufs wird der MASCC-Score herangezogen.

RisikogruppeErwartete NeutropeniedauerMASCC-ScoreVersorgungsstufe
Standardrisiko≤ 7 Tage≥ 21 PunkteAmbulant möglich (bei guter Compliance)
Hochrisiko> 7 Tage< 21 PunkteZwingend stationär

Diagnostik

Diagnostische Maßnahmen dürfen den Beginn der kalkulierten antimikrobiellen Therapie keinesfalls verzögern (A-IIu).

  • Mindestens 2 getrennte Paare Blutkulturen (aerob/anaerob) vor Antibiotikagabe abnehmen (peripher und ZVK) (A-IIt).
  • Bildgebung mittels CT-Thorax/Abdomen bei entsprechender Symptomatik (A-III). Konventionelles Röntgen-Thorax wird nicht empfohlen (D-I).
  • Anamnestische Penicillin-Allergie nach den PEN-FAST Kriterien evaluieren (A-IItu).

Empirische Erstlinientherapie

Die Therapie muss umgehend (innerhalb von 2 Stunden) beginnen und zwingend Pseudomonas aeruginosa abdecken. Ein routinemäßiger Einsatz von Reserve-Antibiotika wird nicht empfohlen.

Hochrisiko-Patienten (> 7 Tage Neutropenie)

WirkstoffEmpfehlungsgradBemerkung
Piperacillin/TazobactamA-IMonotherapie ausreichend
ImipenemA-IMonotherapie ausreichend
MeropenemA-IMonotherapie ausreichend
CefepimA-IMonotherapie ausreichend

Hinweis: Eine Verlängerung der Infusionsdauer von Beta-Lactamen auf 4 Stunden kann erwogen werden (C-III).

Standardrisiko-Patienten (≤ 7 Tage Neutropenie)

Bei Patienten mit MASCC ≥ 21 und gesicherter häuslicher Versorgung ist eine ambulante orale Therapie möglich (A-I).

ApplikationWirkstoff(e)Empfehlungsgrad
OralAmoxicillin/Clavulansäure + CiprofloxacinA-I
OralMoxifloxacinA-I
Oral (bei Penicillin-Allergie)Clindamycin + CiprofloxacinB-IIu
IntravenösPip/Taz, Meropenem, Cefepim oder ImipenemA-I

Therapiedauer und Deeskalation

Bei Fieberfreiheit über 3–5 Tage (>48 Stunden) und klinisch stabiler Situation kann die antimikrobielle Therapie trotz anhaltender Neutropenie beendet werden. Voraussetzung ist ein engmaschiges, tägliches klinisches Monitoring bis zur vollständigen hämatopoetischen Regeneration.

Antimykotische Therapie

Bei Hochrisiko-Patienten mit persistierendem oder rezidivierendem Fieber (>96 Stunden) trotz adäquater Antibiose wird eine empirische antimykotische Therapie empfohlen (A-I).

  • Empfohlene Wirkstoffe: Liposomales Amphotericin B (A-I), Caspofungin (A-I), Voriconazol (B-I).
  • Präemptiver Ansatz: Alternativ (und präferenziell) wird die Therapie nur bei positiver Bildgebung oder laborchemischem Monitoring (Galactomannan) eingeleitet, um Toxizität zu reduzieren.

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie die erste Antibiotikagabe niemals durch aufwendige Diagnostik – das Zeitfenster beträgt maximal 2 Stunden. Nutzen Sie den MASCC-Score aktiv, um Standardrisiko-Patienten für eine sichere ambulante orale Therapie zu identifizieren.

Häufig gestellte Fragen

Nach 3-5 Tagen Therapie und >48 Stunden Fieberfreiheit kann die Antibiose bei klinisch stabilen Patienten auch bei noch anhaltender Neutropenie beendet werden, sofern ein engmaschiges Monitoring gewährleistet ist.
Die Initialtherapie muss zwingend eine Wirksamkeit gegen Pseudomonas aeruginosa, Gram-negative Enterobakterien, Staphylococcus aureus und Streptokokken aufweisen.
Bei Hochrisiko-Patienten, deren Fieber trotz adäquater antibakterieller Therapie länger als 96 Stunden persistiert oder rezidiviert.
Nein, konventionelle Röntgenaufnahmen des Thorax werden laut Leitlinie nicht empfohlen (D-I). Bei entsprechender Symptomatik sollte direkt ein CT-Thorax erfolgen.
Ja, Patienten mit einem Standardrisiko (erwartete Neutropenie ≤ 7 Tage), einem MASCC-Score ≥ 21 und gesichertem sozialen Umfeld können ambulant mit oralen Antibiotika (z.B. Amoxicillin/Clavulansäure + Ciprofloxacin) behandelt werden.

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