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Prophylaxe bakterieller Infektionen & PjP (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine Neutropenie >7 Tage definiert Hochrisiko-Patienten für infektiöse Komplikationen.
  • Eine antibakterielle Prophylaxe ist primär im ersten Therapiezyklus bei Hochrisiko-Patienten indiziert (Evidenzgrad A I).
  • Fluorochinolone werden zur bakteriellen Prophylaxe gegenüber TMP-SMX bevorzugt.
  • Mittel der ersten Wahl zur PjP-Prophylaxe ist Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX).
  • Bei TMP-SMX-Intoleranz sind Atovaquon, Dapson oder inhalatives Pentamidin die Alternativen zur PjP-Prophylaxe.
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Hintergrund

Die wesentliche Komplikation bei der Behandlung hämatologischer Neoplasien und solider Tumore ist die Infektion, meist als Folge von Immunsuppression und Neutropenie. Eine Neutropenie ist wie folgt definiert:

  • Neutrophile <500/µl
  • Neutrophile <1000/µl mit vorhersehbarem Absinken unter 500/µl innerhalb von 2 Tagen
  • Leukozyten <1000/µl (falls kein Differentialblutbild vorliegt)

Fieber in Neutropenie (febrile Neutropenie, FN) ist ein onkologisch-infektiologischer Notfall, der eine umgehende empirische Therapie mit Breitspektrum-Antibiotika erfordert.

Risikostratifizierung

Die Dauer der zu erwartenden Neutropenie ist entscheidend für das Infektionsrisiko:

RisikogruppeKriteriumEmpfehlungsgrad
Hohes RisikoProlongierte Neutropenie (>7 Tage)A I
Hohes RisikoNeutropenie ≤ 7 Tage + zusätzliche RisikofaktorenB II
Niedriges RisikoNeutropenie ≤ 7 Tage ohne zusätzliche RisikofaktorenA I

Zusätzliche Risikofaktoren: u.a. Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Leukozytopenie bei Therapiebeginn, erster Zyklus der Chemotherapie.

Antibakterielle Prophylaxe

Eine Prophylaxe kann febrile Episoden reduzieren, verbessert aber nicht nachweislich das Gesamtüberleben. Wegen Resistenzbildung und Nebenwirkungen ist eine strenge Indikationsstellung nötig.

Klinische SituationInterventionEmpfehlungsgrad
Hohes Risiko, 1. ZyklusAntibakterielle Prophylaxe empfohlenA I
Hohes Risiko, weitere ZyklenIndividuelle AbwägungB I
Niedriges Risiko, 1. ZyklusIndividuelle AbwägungB I
Niedriges Risiko, weitere ZyklenIndividuelle AbwägungC I

Dauer der Prophylaxe

  • Beginn: Mit Start der Chemotherapie (B IIu)
  • Ende: Mit Regeneration der Leukozyten oder bei Beginn einer empirischen Breitbandantibiose (A IIu)

Arzneimittelwahl

Fluorochinolone (FQ) werden gegenüber Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX) bevorzugt, da sie weniger Nebenwirkungen aufweisen (A I).

  • 1. Wahl: Ciprofloxacin oder Levofloxacin (A II)
  • Achtung: Levofloxacin ist in Deutschland für diese Indikation nicht zugelassen (Off-Label) und trägt eine Warnung vor lebensbedrohlicher Lebertoxizität. Die Leitlinie empfiehlt hier eine individuelle Risiko-Nutzenbewertung.

Pneumocystis-jirovecii-Prophylaxe (PjP)

Die PjP ist eine lebensbedrohliche Komplikation. Eine Prophylaxe ist bei bestimmten Grunderkrankungen und Therapien zwingend indiziert.

Risikofaktoren für PjP (Auswahl)

  • Akute Lymphatische Leukämie (ALL)
  • Allogene Stammzelltransplantation
  • Langzeittherapie mit Steroiden (>20 mg/d Prednison-Äquivalent für >4 Wochen)
  • Therapie mit Fludarabin, Alemtuzumab oder Idelalisib
  • CD4-Zellzahl <200/µl

Medikamentöse PjP-Prophylaxe

WirkstoffDosierung / SchemaEmpfehlungsgradBemerkung
TMP-SMX1 Tbl. (80/400 mg) tgl. ODER 1 Tbl. (160/800 mg) tgl. bzw. 3x/WocheA IIt / B IItMittel der 1. Wahl
Atovaquon1500 mg/TagA IIt2. Wahl bei Intoleranz
Dapson100 mg/TagA IIt2. Wahl (Cave: Blutbildungsstörungen/Hämolysen)
Pentamidin300 mg monatlich (inhalativ)B IIt3. Wahl (geringere Effektivität, wirkt nicht gegen Toxoplasmose)

💡Praxis-Tipp

Levofloxacin wird zwar als Fluorochinolon der Wahl genannt, ist in Deutschland für diese Indikation jedoch nicht zugelassen und birgt das Risiko einer Lebertoxizität. Bevorzugen Sie Ciprofloxacin oder klären Sie Patienten ausführlich über den Off-Label-Use auf.

Häufig gestellte Fragen

Bei einer zu erwartenden Neutropenie-Dauer von mehr als 7 Tagen.
Fluorochinolone (wie Ciprofloxacin) werden aufgrund geringerer Nebenwirkungen gegenüber TMP-SMX bevorzugt (Evidenzgrad A I).
Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX) ist die erste Wahl (Evidenzgrad A IIt).
Als Alternativen stehen Atovaquon (1500 mg/Tag), Dapson (100 mg/Tag) oder monatlich inhalatives Pentamidin (300 mg) zur Verfügung.

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