ClariMedClariMed

Antivirale Prophylaxe (HSV/VZV): Onkopedia Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die antivirale Prophylaxe schützt immunsupprimierte Tumorpatienten vor der Reaktivierung von HSV-1, HSV-2 und VZV.
  • Ein routinemäßiges PCR-Screening auf Herpesviren-Reaktivierung ist nicht indiziert.
  • Aciclovir ist die am besten untersuchte Substanz zur medikamentösen Prophylaxe.
  • Bei Hochrisikopatienten kann trotz VZV-Impfung (Shingrix) derzeit nicht auf eine medikamentöse Prophylaxe verzichtet werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Reaktivierung latenter Virusinfektionen ist eine relevante Komplikation der antineoplastischen Therapie bei Patienten mit soliden Tumoren oder hämatologischen Neoplasien. Das Erkrankungsrisiko korreliert stark mit der Intensität und Dauer der T-Zell-Suppression. Die häufigsten Erreger in diesem Kontext sind das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) und das Varizella-Zoster-Virus (VZV).

Klinisches Bild der Reaktivierung

Die Reaktivierung kann asymptomatisch verlaufen oder zu schweren, teils lebensbedrohlichen systemischen Organmanifestationen führen.

VirusHäufige ManifestationenManifestationen bei schwerer Immunsuppression
HSV-1Herpes labialis, StomatitisÖsophagitis, Hepatitis, Colitis, Pneumonitis, Enzephalitis, Keratitis
HSV-2Herpes genitalisHepatitis, Meningitis, Enzephalitis
VZVHerpes zoster (Gürtelrose)Zoster sine herpete, disseminierter Zoster, Hepatitis, Pankreatitis, Pneumonitis, Meningoenzephalitis

Diagnostik

  • Eine serologische Untersuchung (HSV-IgG, VZV-IgG) kann eine frühere Infektion bestätigen.
  • Da die Seroprävalenz bei Erwachsenen bei ca. 90 % liegt, ist eine Prophylaxe in der Regel auch ohne vorherige serologische Testung adäquat.
  • Es besteht keine Indikation für ein regelmäßiges Screening mittels PCR auf Reaktivierungen.

Medikamentöse Prophylaxe

Die medikamentöse Prophylaxe zielt darauf ab, symptomatische Virusreaktivierungen zu verhindern. Obwohl eine Impfung gegen VZV (Shingrix®) verfügbar ist, reichen die Daten zur Dauer des Impfschutzes bei hämatologischen Neoplasien nicht aus, um bei Hochrisikopatienten auf die medikamentöse Prophylaxe zu verzichten.

Eingesetzte Wirkstoffe

Die Dosierungen müssen stets an die Nierenfunktion angepasst werden.

WirkstoffIndikationÜbliche Dosierung
AciclovirHSV-1 / HSV-2400 mg p.o. 2x täglich
AciclovirVZV400 mg p.o. 1x bis 3x täglich
ValaciclovirHSV / VZV250 mg oder 500 mg p.o. 2x täglich

Indikationen und Evidenz

Die Notwendigkeit einer Prophylaxe richtet sich nach der Grunderkrankung und der gewählten Therapie.

Grunderkrankung / TherapieVirusEmpfehlungsgrad (SoR)Evidenzqualität (QoE)
Solider Tumor (Ausnahme: Kopf-Hals-Tumor + Radiochemotherapie)HSV-1, HSV-2, VZVDC / II
Solider Tumor (Ausnahme: Prednisolon-Äquivalent >10 mg/d für >14 Tage)VZVDII
AML, ALL (intensive Chemotherapie)HSV-1, HSV-2, VZVBI / IIr
MPN (Ruxolitinib)HSV-1, HSV-2, VZVCB / IIu
Malignes Lymphom, CLL (Immunochemotherapie)HSV-1, HSV-2, VZVBC / Iiu
Malignes Lymphom, CLL (Idelalisib)HSV-1, HSV-2, VZVBI (obligate CMV-Prophylaxe!)
Malignes Lymphom, CLL (BTK-/BCL2-Inhibitoren)VZVCII
Multiples Myelom (Proteasominhibitoren)HSV-1, HSV-2, VZVAI
Multiples Myelom (Lenalidomid, Daratumumab)VZVCIIt

💡Praxis-Tipp

Führen Sie kein routinemäßiges PCR-Screening auf HSV oder VZV durch. Beginnen Sie die Prophylaxe bei entsprechender Indikation auch ohne vorherige serologische Testung, da die Seroprävalenz bei Erwachsenen ohnehin bei ca. 90 % liegt.

Häufig gestellte Fragen

Nein, ein regelmäßiges Screening mit PCR auf Reaktivierungen durch HSV-1, HSV-2 oder VZV ist laut Leitlinie nicht indiziert.
Für HSV-1 und HSV-2 werden meist 400 mg p.o. 2x täglich eingesetzt. Für VZV liegt die Dosierung bei 400 mg 1x bis 3x täglich. Die Nierenfunktion muss beachtet werden.
Nein, die Datenlage zur Dauer des Impfschutzes bei hämatologischen Neoplasien reicht derzeit nicht aus, um bei Hochrisikopatienten auf die medikamentöse Prophylaxe zu verzichten.
Nein, die in der Leitlinie erwähnte obligate CMV-Prophylaxe bezieht sich spezifisch auf die Therapie mit Idelalisib, nicht auf BTK- oder BCL2-Inhibitoren.

Verwandte Leitlinien