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ZVK-Infektionen: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnosesicherung erfolgt präferenziell über die Differential Time To Positivity (DTTP > 2h) aus zentralen und peripheren Blutkulturen.
  • Häufigste Erreger sind Koagulase-negative Staphylokokken (60-70 %), gefolgt von gramnegativen Bakterien (20-27 %).
  • Bei Infektionen durch S. aureus oder Candida spp. ist die rasche ZVK-Entfernung zwingend erforderlich.
  • Eine empirische Gabe von Vancomycin wird nicht empfohlen (Empfehlungsgrad D-I).
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Hintergrund

Patienten mit Krebserkrankungen und zentralvenösen Kathetern (ZVK) haben ein stark erhöhtes Infektionsrisiko. Besonders gefährdet sind Patienten mit Neutropenie oder hämatologischen Neoplasien (vor allem akute myeloische Leukämie). Bei Kurzzeitkathetern (<14 Tage) entstehen Infektionen meist extraluminal, bei Langzeitkathetern (≥14 Tage) dominiert das intraluminale Erregerwachstum.

Häufigste Erreger:

  • Koagulase-negative Staphylokokken (60-70 %)
  • Gramnegative Bakterien (20-27 %, z. B. E. coli, P. aeruginosa, Klebsiella spp.)
  • Candida spp. (2-13 %)
  • Staphylococcus aureus
  • Enterokokken und Streptokokken

Diagnostik

Vor der Entfernung des ZVK müssen andere Infektionsquellen durch körperliche Untersuchung und ggf. Bildgebung ausgeschlossen werden. Die Insertionsstelle, die Port-Tasche bzw. der Kathetertunnel sind auf Infektionszeichen zu inspizieren.

MaßnahmeBemerkungEmpfehlung
BlutkulturenJe ein Paar (aerob/anaerob) aus ZVK und peripherer Vene zur Bestimmung der DTTPA-II
Mehrlumige KatheterBlutkulturen aus jedem Lumen entnehmenB-II
KatheterspitzeMikrobiologische Untersuchung nach EntfernungA-II

Hinweis: DTTP (Differential Time to Positivity) beschreibt die Zeit-Differenz zwischen dem Ergebnis einer positiven Blutkultur aus dem ZVK und aus einer peripheren Vene.

Diagnostische Kriterien (AGIHO)

WahrscheinlichkeitKriterienEmpfehlung
GesichertIdentischer Erreger an ZVK-Spitze und in Blutkultur ODER identischer Erreger in ZVK/peripherer BK und DTTP > 2hA-I / A-II
WahrscheinlichIdentischer Erreger in ZVK/peripherer BK (ohne Kriterien für gesichert) bei typischen Erregern (CoNS, S. aureus, Candida)B-III
MöglichZVK-Kolonisierung + klinische Infektionszeichen ohne Bakteriämie ODER typischer Erreger in BK ohne anderen HerdB-III

Prävention

MaßnahmeEmpfehlung
Vermeidung unnötiger Katheterisierungen und Entfernung nicht benötigter ZVKA-II
Hautdesinfektion (alkoholische Chlorhexidin-/Polyvidon-Iod- oder Octenidin/Propanolol-Lösungen)A-I
Sonographisch gesteuerte Anlage zur Reduktion mechanischer KomplikationenA-II
Nahtlose Fixierung des ZVKB-I
Verbandswechsel (Gaze alle 2 Tage, transparent wöchentlich bei reizlosen Verhältnissen)B-I
Einsatz Chlorhexidin-haltiger PflasterB-I

Therapiemanagement

Das Management richtet sich nach dem Erreger und der klinischen Situation. Eine empirische Gabe von Vancomycin ist nicht sinnvoll (D-I).

Indikationen zur ZVK-Entfernung:

  • Tunnel- oder Tascheninfektionen (B-III)
  • S. aureus (A-II)
  • Candida spp. (A-II)
  • Gramnegative Bakterien: Entfernung innerhalb von 48-72 h (B-II)
  • Sepsis, septischer Schock oder Komplikationen wie Endokarditis, septische Thrombose, Abszedierung oder Osteomyelitis (B-III)

Ein Erhalt des Katheters kann initial bei stabilen Patienten und Infektionen mit Koagulase-negativen Staphylokokken oder Corynebacterium jeikeium versucht werden (B-II).

Antimikrobielle Therapie (Auswahl)

Bei unkomplizierten ZVK-Infektionen sollte die antibiotische Therapie mindestens 7 Tage über die erste sterile Blutkultur hinaus fortgeführt werden (A-II). Bei immunsupprimierten Patienten werden mindestens 2 Wochen empfohlen (B-III).

ErregerTherapieDauer
S. aureus (MSSA)Isoxazolylpenicillin≥ 2 Wochen
S. aureus (MRSA)Glykopeptid, Linezolid, Daptomycin≥ 2 Wochen
Koagulase-negative StaphylokokkenNach Resistogramm (Glykopeptide nur bei MR)5-7 Tage nach Entfieberung (bei persistierender Neutropenie)
EnterokokkenAminopenicillin5-7 Tage nach Entfieberung (bei persistierender Neutropenie)
Pseudomonas spp.Nach Resistogramm≥ 2 Wochen
Candida albicansEchinocandine≥ 2 Wochen

(Hinweis: Bei S. aureus und Candida spp. ist die Entfernung des ZVK zwingend erforderlich)

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei Verdacht auf eine ZVK-Infektion immer zeitgleich Blutkulturen aus dem Katheter und einer peripheren Vene, um die Differential Time to Positivity (DTTP) zu ermitteln. Verzichten Sie auf eine kalkulierte empirische Gabe von Vancomycin.

Häufig gestellte Fragen

Eine rasche Entfernung ist zwingend erforderlich bei Infektionen durch S. aureus oder Candida spp., bei Tunnel- oder Tascheninfektionen sowie bei klinischer Verschlechterung, Sepsis oder septischem Schock.
Durch die zeitgleiche Abnahme von Blutkulturen aus dem ZVK und einer peripheren Vene. Eine DTTP von > 2 Stunden (die ZVK-Kultur wird früher positiv) ist ein Kriterium für eine gesicherte ZVK-Infektion.
Bei unkomplizierten Verläufen mindestens 7 Tage über die erste sterile Blutkultur hinaus. Bei immunsupprimierten Patienten oder Infektionen durch S. aureus bzw. Pseudomonas spp. mindestens 2 Wochen.
Zur Desinfektion der Insertionsstelle sollten alkoholische Chlorhexidin-/Polyvidon-Iod-Lösungen oder Octenidin/Propanolol-Lösungen eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A-I).

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