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Sepsis bei Neutropenie: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Es gibt keine Evidenz, dass sich das grundlegende Sepsis-Management bei neutropenischen und nicht-neutropenischen Patienten unterscheidet.
  • Neutropenische Patienten mit Infektionszeichen müssen täglich auf Sepsis-Symptome gescreent werden.
  • Eine empirische Antibiose mit Pseudomonas-wirksamen Breitspektrum-Antibiotika muss sofort begonnen werden.
  • Der routinemäßige Einsatz von G-CSF wird nicht empfohlen, da das Risiko für ein ARDS steigt.
  • Die Aufnahme auf die Intensivstation (ICU) darf bei kritisch kranken Patienten nicht verzögert werden.
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Hintergrund

Sepsis und septischer Schock gehören zu den führenden Todesursachen bei Patienten mit Chemotherapie-induzierter Neutropenie. Die Inzidenz bei neutropenischen Patienten liegt zwischen 7 und 45 %. Die Definition der Sepsis orientiert sich an den Kriterien der internationalen Konsensuskonferenz 2016 (Sepsis-3).

Eine zentrale Kernaussage der Leitlinie lautet: Es gibt keine Evidenz, dass sich Sepsis und septischer Schock bei neutropenischen und nicht-neutropenischen Patienten unterscheiden (A-III). Dies betrifft insbesondere Maßnahmen wie Reanimation, Flüssigkeitssubstitution, Katecholamingabe, Kortikosteroide, mechanische Beatmung und Nierenersatztherapie.

Diagnostik und ICU-Aufnahme

Neutropenische Patienten mit Infektionszeichen sollen täglich auf Symptome einer Sepsis untersucht werden (A-III). Biomarker und Multiplex-PCR-Tests können die Diagnose unterstützen, eine Infektion aber weder sicher bestätigen noch ausschließen.

Bei der Triage und Aufnahme auf die Intensivstation (ICU) gelten folgende Grundsätze:

  • Neutropenie soll bei onkologischen Patienten als Triage-Kriterium gewertet werden (A-IIr).
  • Die ICU-Aufnahme darf bei kritisch kranken Patienten nicht verzögert werden (A-IIt).
  • Es werden tägliche Konsultationen zwischen Onkologen und Intensivmedizinern empfohlen (A-IIt).

Antimikrobielle Therapie und Infektionskontrolle

MaßnahmeEmpfehlung / WirkstoffeEmpfehlungsgrad
Empirische AntibioseSofortiger Beginn mit Pseudomonas-wirksamen Breitspektrum-Antibiotika (Piperacillin/Tazobactam, Meropenem oder Imipenem/Cilastatin)A-IIr,t / A-III
AminoglykosideKombination bei septischem Schock in Betracht ziehen; Absetzen bei Stabilisierung oder ErregernachweisB-III / A-III
AntimykotikaErwägen bei erhöhtem Risiko für invasive Pilzinfektionen oder unkontrollierter kardiopulmonaler InstabilitätA-III
InfektionsquelleSchnellstmögliche Abklärung (z.B. CT-gesteuerte Punktion); Entfernung aller intravaskulären Systeme bei InfektionsverdachtA-IIt

Supportive Therapie

Obwohl viele intensivmedizinische Maßnahmen dem Standard entsprechen, gibt es spezifische Empfehlungen für die supportive Therapie bei Neutropenie:

TherapiebereichSpezifische EmpfehlungEmpfehlungsgrad
FlüssigkeitBalancierte Vollelektrolytlösungen verwendenA-IIt
ErythrozytenTransfusion erst bei Hb < 7,0 g/dL (außer bei Ischämie, schwerer Hypoxie, Blutung)D-IIt
ThrombozytenStandardschwelle ≤ 10 x 10^9/L (individuelle Entscheidung vor Interventionen)A-III
G-CSFNicht routinemäßig empfohlen! Risiko für akute Lungenschädigung/ARDS bei Erholung der GranulozytenDI-IIr / A-III
VTE-ProphylaxePharmakologische Prophylaxe mit UFH oder NMH (ohne Kontraindikationen)A-IIr,t
ErnährungEnteral bevorzugen; Pausieren bei schwerer neutropenischer Enterokolitis oder gastrointestinaler GvHDB-IIt / A-III

Hinweis: Blutwäscheverfahren (Zytokinadsorption) und Granulozytentransfusionen werden nicht empfohlen.

Behandlungsziele und Kommunikation

Eine vollumfängliche intensivmedizinische Behandlung soll angeboten werden, wenn das Langzeitüberleben mit der Prognose der malignen Grundkrankheit übereinstimmt (A-IIu). Behandlungsziele und Prognose müssen vor oder unmittelbar nach der ICU-Aufnahme mit dem Patienten und den Angehörigen diskutiert und täglich reevaluiert werden (A-III).

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie die Verlegung auf die Intensivstation nicht aufgrund der Neutropenie. Beginnen Sie bei Sepsis-Verdacht sofort mit einer Pseudomonas-wirksamen Antibiose (z.B. Piperacillin/Tazobactam), da das grundlegende Sepsis-Management identisch zur Normalbevölkerung ist.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Es gibt keine Evidenz, dass Maßnahmen wie Reanimation, Katecholamingabe oder Beatmung bei neutropenischen Patienten anders durchgeführt werden sollten als bei nicht-neutropenischen Patienten.
Es wird der sofortige Beginn mit Pseudomonas-wirksamen Breitspektrum-Antibiotika empfohlen (z.B. Piperacillin/Tazobactam, Meropenem oder Imipenem/Cilastatin).
Nein, der routinemäßige Einsatz von G-CSF wird nicht empfohlen. Die G-CSF-induzierte Erholung der Granulozyten birgt das Risiko einer akuten Lungenschädigung (ARDS).
Eine Transfusion wird erst bei einem Hb-Wert < 7,0 g/dL empfohlen, es sei denn, es liegen besondere Umstände wie Myokardischämie, schwere Hypoxie oder akute Blutungen vor.

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