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Infektionen nach ASZT: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Infektionen treten bei ca. 90 % der Patienten nach Hochdosistherapie (HDT) und ASZT auf, meist als Fieber unklarer Ursache (FUO).
  • Vor der Therapie ist ein umfassendes virales Screening (HBV, HCV, HEV, HIV) obligatorisch.
  • Eine generelle antimykotische Prophylaxe wird nicht empfohlen, da invasive Pilzinfektionen in diesem Kollektiv selten sind.
  • Bei HSV- oder VZV-Seropositivität ist eine antivirale Prophylaxe mit Aciclovir oder Valaciclovir für mindestens 6 Monate indiziert.
  • Die empirische Primärtherapie bei FUO erfolgt als Monotherapie mit einem Pseudomonas-wirksamen Breitspektrum-Antibiotikum.
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Hintergrund

Die hochdosierte Chemotherapie (HDT) mit anschließender autologer Stammzelltransplantation (ASZT) ist ein Standardverfahren bei hämatologischen Neoplasien (z. B. multiples Myelom, maligne Lymphome) und ausgewählten Autoimmunerkrankungen. Das Verfahren ist relativ sicher (Mortalität < 5 %), jedoch treten bei ca. 90 % der Patienten infektiöse Komplikationen auf, meist in Form von Fieber unklarer Ursache (FUO).

Obwohl die Neutropeniedauer nach ASZT meist unter 8 Tagen liegt (Standardrisiko), stuft die AGIHO diese Patienten aufgrund zusätzlicher Faktoren (Grunderkrankung, Schleimhauttoxizität, Immundefekte) als Hochrisiko-Kollektiv ein.

Diagnostik

Eine strukturierte Diagnostik ist sowohl vor der Therapie als auch beim Auftreten von Fieber essenziell.

PhaseMaßnahmeZiel / Erreger
Vor HDT/ASZTSerologie & PCRScreening auf HBV, HCV, HEV, HIV, HDV
Neutropenie (ohne Fieber)Blutkulturen, Galactomannan, 1,3-β-D-GlucanDetektion von Bakteriämie oder invasiver Aspergillose
Bei Fieber2 separate Blutkultur-Paare (aerob/anaerob)Bakteriämie-Nachweis (inkl. Abnahme aus ZVK)
Respiratorische SymptomeCT Thorax (ohne Kontrastmittel), ggf. BALDiagnostik von Pneumonien und Pilzinfektionen

Prophylaxe

Die medikamentöse Prophylaxe richtet sich nach dem individuellen Risiko und dem Serostatus des Patienten.

ErregergruppeMedikament / MaßnahmeIndikation & Bemerkung
BakterienFluorochinoloneErwägbar bei erwarteter Neutropenie > 7 Tage (Levofloxacin in DE nicht zugelassen)
Pilze (Candida)Fluconazol 400 mg/dNur bei hohem Risiko (generelle Prophylaxe nicht gerechtfertigt). HEPA-Filter ohne Nutzen.
Pneumocystis (PJP)CotrimoxazolSchwache Empfehlung; Dauer: 3 Monate bis CD4-Zellen > 200/µl
HSV / VZVAciclovir / ValaciclovirFür mind. 6 Monate bei Seropositivität; VZV-Impfung empfohlen
HBVTenofovir / EntecavirZwingend bei HBsAg+ oder anti-HBc+ (auch bei negativer PCR)

Hinweis: Eine routinemäßige Prophylaxe gegen CMV, EBV oder HHV-6 ist im klinischen Alltag nach ASZT nicht indiziert.

Empirische Therapie bei FUO

Die empirische antimikrobielle Therapie bei Neutropenie richtet sich nach dem klinischen Zustand des Patienten.

StufeTherapieBemerkung
PrimärtherapiePseudomonas-aktives Breitspektrum-BetalaktamZ. B. Piperacillin/Tazobactam, Cefepim, Ceftazidim, Meropenem oder Imipenem
Modifikation (klinisch instabil)+ Aminoglykosid oder GlykopeptidNur im Einzelfall bei Instabilität; kein Nutzen bei stabilen Patienten
Fieber > 96h (klinisch stabil)Fortführung der PrimärtherapieKein routinemäßiger Wechsel der Antibiose indiziert
Fieber > 96h (hohes Pilzrisiko)+ Caspofungin oder liposomales Amphotericin BErwägen bei Neutropenie > 7 Tage ohne vorherige antimykotische Prophylaxe

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei klinisch stabilen Patienten mit FUO auf die primäre Kombinationstherapie mit Aminoglykosiden oder Glykopeptiden. Eine Monotherapie mit einem Pseudomonas-wirksamen Betalaktam ist laut Leitlinie völlig ausreichend.

Häufig gestellte Fragen

Eine generelle Prophylaxe wird nicht empfohlen, da invasive Pilzinfektionen nach ASZT selten sind. Ausnahmen gelten nur für Hochrisikopatienten (z. B. bei vorausgegangener Pilzinfektion oder hochdosierter Steroidtherapie).
Bei HSV- oder VZV-Seropositivität wird eine Prophylaxe mit Aciclovir oder Valaciclovir für mindestens 6 Monate empfohlen.
Empfohlen wird eine Monotherapie mit einem Pseudomonas-aktiven Breitspektrum-Antibiotikum (z. B. Piperacillin/Tazobactam, Cefepim, Ceftazidim oder Meropenem).
Nein, eine Reaktivierung des Cytomegalievirus (CMV) spielt im klinischen Alltag bei HDT/ASZT keine Rolle. Eine medikamentöse Prophylaxe ist nicht indiziert.
Bei Nachweis von HBsAg oder anti-HBc-Antikörpern ist zwingend eine medikamentöse Prophylaxe mit Tenofovir oder Entecavir indiziert, auch wenn die HBV-DNA-PCR negativ ist.

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