NVLS32026Kardiologie

Chronische KHK: NVL Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NVL (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische KHK behandelt die Diagnostik, Therapie und Langzeitbetreuung des chronischen Koronarsyndroms (CCS). Die Erkrankung ist durch ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und -angebot im Herzmuskel gekennzeichnet.

Leitsymptom ist die Angina pectoris, deren Schweregrad nach der Canadian Cardiovascular Society (CCS) klassifiziert wird. Die Prävalenz der KHK in Deutschland liegt bei etwa sechs Prozent und steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.

Ziel der Leitlinie ist die Verbesserung der patientenzentrierten Versorgung und die Vermeidung von Über- sowie Unterversorgung. Eine partizipative Entscheidungsfindung wird für alle wesentlichen Therapieschritte stark betont.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung der chronischen KHK:

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine stenosierende KHK wird zunächst die Bestimmung der klinischen Wahrscheinlichkeit empfohlen. Im hausärztlichen Bereich soll hierfür der Marburger Herz-Score genutzt werden (starke Empfehlung).

Im spezialfachärztlichen Bereich wird die Nutzung des DISCHARGE-Kalkulators empfohlen. Bei einer mittleren Vortestwahrscheinlichkeit von 15 bis 50 Prozent soll bevorzugt eine CT-Koronarangiographie angeboten werden (starke Empfehlung).

Eine invasive Koronarangiographie soll nicht durchgeführt werden, wenn die Wahrscheinlichkeit für eine KHK gering ist oder keine therapeutische Konsequenz zu erwarten ist (starke Negativ-Empfehlung).

Medikamentöse Therapie

Zur Thrombozytenaggregationshemmung bei stabiler KHK wird empfohlen:

  • Acetylsalicylsäure (ASS) 100 mg pro Tag als Mittel der ersten Wahl (starke Empfehlung)

  • Clopidogrel 75 mg pro Tag bei Kontraindikationen oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit

  • Eine duale Therapie (DAPT) nach Stentimplantation, standardmäßig für sechs Monate

Zusätzlich soll allen Betroffenen unabhängig vom Ausgangswert dauerhaft ein Statin zur Reduktion der Mortalität empfohlen werden (starke Empfehlung).

Invasive Therapie (PCI und CABG)

Bei komplexen Koronarbefunden soll die Therapieentscheidung in einem interdisziplinären Herzteam getroffen werden (starke Empfehlung).

Für die Wahl des invasiven Verfahrens gelten folgende Präferenzen:

  • Bei Eingefäßerkrankung mit proximaler RIVA-Stenose sind PCI oder Bypass-OP gleichwertig.

  • Bei Mehrgefäßerkrankung und Diabetes mellitus soll die Bypass-OP angeboten werden (starke Empfehlung).

  • Bei Hauptstammstenose und einem SYNTAX-Score ab 33 wird primär die Bypass-OP empfohlen.

Dosierung

Die Leitlinie definiert folgende Standarddosierungen und Therapiedauern für die Thrombozytenaggregationshemmung:

IndikationMedikamentDosierungTherapiedauer
Stabile KHK (Standard)ASS100 mg/Tagdauerhaft
Stabile KHK (bei pAVK oder ASS-Intoleranz)Clopidogrel75 mg/Tagdauerhaft
Zustand nach PCI (Standard)ASS + Clopidogrel (DAPT)100 mg + 75 mg/Tag6 Monate
Zustand nach PCI (hohes Blutungsrisiko)ASS + Clopidogrel (DAPT)100 mg + 75 mg/Tag1-3 Monate

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert klare Kontraindikationen für die invasive Koronarangiographie. Sie soll nicht durchgeführt werden bei niedriger Wahrscheinlichkeit für eine stenosierende KHK oder bei fehlendem Ischämie-Nachweis nach nicht-invasiver Diagnostik.

Ebenso wird von einer invasiven Diagnostik abgeraten, wenn Betroffene eine Bypass-Operation aus prognostischer Indikation im Vorfeld ablehnen.

Simvastatin darf laut Leitlinie nicht mehr in einer Dosierung von 80 mg pro Tag eingesetzt werden (starke Negativ-Empfehlung). Dies begründet sich durch das hohe Risiko für entzündliche Muskelerkrankungen und Myopathien.

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💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie wird bei asymptomatischen Betroffenen mit gesicherter KHK von einer routinemäßigen kardialen Verlaufsdiagnostik (wie Belastungs-EKG oder Echokardiographie) abgeraten. Es wird betont, dass solche Untersuchungen ohne neue Symptomatik keine therapeutische Konsequenz haben und stattdessen eine regelmäßige klinische Kontrolle der Risikofaktoren erfolgen sollte.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt für die hausärztliche Versorgungsebene den Marburger Herz-Score. Ein Wert von 2 oder weniger Punkten weist auf eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit für eine stenosierende KHK hin.

Standardmäßig wird eine duale Thrombozytenaggregationshemmung mit ASS und Clopidogrel für sechs Monate empfohlen. Bei einem hohen Blutungsrisiko kann diese Dauer laut Leitlinie auf ein bis drei Monate verkürzt werden.

Die Leitlinie stellt zwei gleichberechtigte Strategien vor. Es kann entweder eine feste Statindosis verordnet werden, oder es wird eine Zielwertstrategie mit einer Senkung des LDL-Cholesterins auf unter 55 mg/dl (unter 1,4 mmol/l) angestrebt.

Es wird eine Bypass-Operation (CABG) bevorzugt, wenn eine komplexe Mehrgefäßerkrankung mit einem hohen SYNTAX-Score (ab 33) vorliegt. Auch bei Menschen mit Diabetes mellitus und Mehrgefäßerkrankung zeigt die Bypass-OP laut Leitlinie einen Überlebensvorteil.

Nein, die Leitlinie rät bei asymptomatischen Betroffenen explizit von anlasslosen apparativen Untersuchungen wie dem Belastungs-EKG ab. Eine erneute Bildgebung wird nur bei fortschreitender Symptomatik empfohlen.

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Quelle: NVL Chronische KHK (NVL, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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