Notaufnahme: Troponin, Sonografie und Lungenembolie
Hintergrund
Die Initiative "Klug entscheiden" der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) formuliert evidenzbasierte Empfehlungen zu diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen. Ziel ist es, in der Notaufnahme eine strukturierte und zielgerichtete medizinische Versorgung sicherzustellen.
Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Vermeidung von Überdiagnostik, die zu potenziell ungünstigen Outcomes führen kann. Gleichzeitig werden zeitkritische Interventionen bei lebensbedrohlichen Krankheitsbildern wie dem Herz-Kreislauf-Stillstand oder der diabetischen Ketoazidose adressiert.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Die internistische Notaufnahme verzeichnet stetig steigende Patientenzahlen, wobei kardiovaskuläre, pulmonale und gastrointestinale Beschwerden dominieren. Ältere und multimorbide Patienten stellen die größte und am schnellsten wachsende Patientengruppe dar. Pathophysiologie: Akute internistische Krankheitsbilder basieren oft auf akuten Dekompensationen chronischer Vorerkrankungen, akuten Ischämien oder schweren Infektionen. Eine rasche physiologische Stabilisierung der Vitalparameter steht im Vordergrund der initialen Akutversorgung. Klinische Bedeutung: Die Notaufnahme ist die zentrale Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Eine effiziente und sichere Triage ist essenziell, um kritisch kranke Patienten zeitgerecht zu identifizieren und gleichzeitig Überdiagnostik bei weniger schweren Fällen zu vermeiden. Diagnostische Grundlagen: Die initiale Diagnostik stützt sich auf eine strukturierte Anamnese, die Erhebung der Vitalparameter und eine zielgerichtete körperliche Untersuchung. Ergänzt wird dies durch Basis-Labordiagnostik, EKG und bedarfsgerechte bildgebende Verfahren wie die Point-of-Care-Sonografie.
Wissenswertes
In Deutschland kommen häufig das Manchester Triage System (MTS) oder der Emergency Severity Index (ESI) zum Einsatz. Diese Systeme priorisieren Patienten standardisiert anhand der Dringlichkeit ihrer Symptome und der aktuellen Vitalparameter.
Führend sind Thoraxschmerzen, akute Luftnot, abdominelle Beschwerden und unklares Fieber. Auch Synkopen, Schwindel und metabolische Entgleisungen wie Hypoglykämien gehören zum täglichen klinischen Alltag.
Die Basisdiagnostik umfasst ein 12-Kanal-EKG innerhalb der ersten zehn Minuten sowie die Bestimmung von kardialen Biomarkern wie hochsensitivem Troponin. Begleitend erfolgt eine fokussierte Anamnese bezüglich kardiovaskulärer Risikofaktoren und der Schmerzcharakteristik.
POCUS ermöglicht eine schnelle, bettseitige Beurteilung von Herz, Lunge und Abdomen bei kritisch kranken Patienten. Er dient der raschen Ursachenfindung bei Schock, Dyspnoe oder akutem Abdomen, ohne dass ein aufwendiger Patiententransport notwendig ist.
Die sofortige Erkennung erfolgt oft über klinische Scores in Kombination mit dem Gesamteindruck des Patienten. Die Akuttherapie umfasst die rasche Gabe von Breitspektrum-Antibiotika, Volumensubstitution und die vorherige Abnahme von Blutkulturen.
Eine Aufnahme ist bei Hinweisen auf eine kardiale Ursache, wie EKG-Veränderungen oder bekannten strukturellen Herzerkrankungen, erforderlich. Auch schwere verletzungsbedingte Folgen oder ein hohes Risiko für rezidivierende Ereignisse rechtfertigen eine stationäre Überwachung.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Bei einer diabetischen Ketoazidose kann das Serumkalium initial durch eine azidosebedingte Umverteilung normal oder sogar erhöht erscheinen, obwohl ein absoluter Kaliummangel im Körper besteht. Es wird empfohlen, frühzeitig Kalium zu substituieren, da die beginnende Insulintherapie das Kalium rasch nach intrazellulär verschiebt und lebensbedrohliche Rhythmusstörungen auslösen kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Troponin-Bestimmung nur bei gezieltem klinischem Verdacht empfohlen. Dazu gehören der Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom, eine akute Myokarditis, eine Lungenembolie oder eine Herzinsuffizienz.
Es wird eine Notfallsonografie von Herz, Lunge und Abdomen empfohlen. Diese dient dem raschen Ausschluss behebbarer Ursachen wie einem Perikarderguss, einem Spannungspneumothorax oder einer Hypovolämie.
Die Insulintherapie führt zu einer raschen Verschiebung von Kalium in die Zellen, was bei 10 bis 50 % der Behandelten eine Hypokaliämie auslöst. Eine frühzeitige Kaliumgabe wird empfohlen, um gefährlichen Herzrhythmusstörungen vorzubeugen.
Die Leitlinie empfiehlt zunächst die Anwendung eines klinischen Scores wie dem Wells-Score zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit. Bei hoher Wahrscheinlichkeit wird direkt eine CT-Pulmonalisangiographie ohne vorherige D-Dimer-Bestimmung empfohlen.
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Quelle: DGIM Klug entscheiden: Notaufnahme (4 Empfehlungen) (DGIM). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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