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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Monitoring kardiovaskulärer Notfälle (DGK/DGINA)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Basismonitoring umfasst EKG (bevorzugt Ableitung II und V5), NiBP, SpO2, Temperatur und BGA.
  • Bei ACS-Patienten muss ein 12-Kanal-EKG innerhalb von 10 Minuten nach Erstvorstellung ärztlich ausgewertet werden.
  • Ein invasives Blutdruckmonitoring ist bei kardiogenem Schock und hypertensiven Notfällen mit Endorganschäden indiziert.
  • Hochrisiko-Synkopen erfordern ein kontinuierliches Monitoring für mindestens 6 Stunden.
  • Hämodynamisch instabile Lungenembolien (Hochrisiko) müssen kontinuierlich überwacht und zügig auf IMC/ITS verlegt werden.
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Hintergrund

Kardiovaskuläre Erkrankungen machen einen großen Anteil der notfallmäßigen Vorstellungen aus. Das Monitoring dieser Patienten in der Notaufnahme stellt eine interdisziplinäre und interprofessionelle Herausforderung dar. Das vorliegende Konsensuspapier der DGK, DGINA und DGIIN definiert Standards für die Überwachung bis zur Einleitung von Diagnostik und Akuttherapie. Grundsätzlich gilt: Das geschulte Fachpersonal ist der bedeutsamste "Monitor".

Basismonitoring und Ersteinschätzung

Jeder Notfallpatient sollte mittels eines validierten Systems ersteingeschätzt werden. Für kreislaufstabile Patienten ist ein Basismonitoring meist ausreichend. Bei instabilen Patienten muss ein erweitertes (ggf. invasives) Monitoring etabliert werden.

KategorieParameter / Maßnahmen
KlinikAtmung, Rekapillarisierungszeit, Halsvenenfüllung, Hautkolorit, Schmerz (VAS/NRS)
ApparativEKG (3/5-Kanal, bevorzugt II und V5), Pulsoxymetrie (SpO2), NiBP, Temperatur
Labor/POCBlutgasanalyse (BGA), Laktat, Elektrolyte, Blutzucker
ErweitertUrinbilanzierung, Kapnographie (bei Beatmung), GCS, Delir-Assessment (CAM-ED)
BildgebungFokussierte Echokardiographie und Thoraxsonographie (bei Dyspnoe/Thoraxschmerz)

Akutes Koronarsyndrom (ACS)

Das kardiovaskuläre Monitoring beginnt ab der initialen Triagierung.

  • 12-Kanal-EKG: Muss innerhalb von 10 Minuten nach Erstvorstellung ärztlich ausgewertet werden.
  • STEMI: Unverzügliche Information des Herzkatheterlabors. Das Monitoring wird bis zur Direktversorgung aufrechterhalten.
  • NSTEMI / instabile Angina pectoris: Kontinuierliche Rhythmusüberwachung bis zum Ausschluss oder maximal 24 Stunden in der Notaufnahme/CPU.
  • Erweitertes Monitoring: Bei Zeichen der Instabilität (z.B. kardiogener Schock) ist eine invasive Blutdruckmessung indiziert, darf aber die Revaskularisation nicht verzögern.

Akute Herzinsuffizienz und Kardiogener Schock

Patienten mit neu aufgetretener oder dekompensierter Herzinsuffizienz benötigen bis zur Stabilisierung ein engmaschiges Monitoring.

FormCharakteristikaMonitoring-Empfehlung
Akute dekompensierte Herzinsuffizienz"Wet and warm" / "wet and cold"Kontinuierliches EKG, SpO2. Intermittierend: NiBP, Atemfrequenz, BGA, Echo.
Akutes LungenödemMeist valvulär oder hypertensivWie oben, zusätzlich Fokus auf respiratorische Stabilisierung (NIV).
Kardiogener Schock"Wet and cold", oft infarktbedingtKontinuierlich: EKG, invasive Blutdruckmessung, Diurese (DK), SpO2. Umgehende ITS-Verlegung.

Hypertensives Notfallgeschehen

Es muss zwischen einer hypertensiven Dringlichkeit (ohne Endorganschäden) und einem hypertensiven Notfall (mit Endorganschäden) unterschieden werden.

KlassifikationDefinitionMonitoring-Empfehlung
Hypertensive DringlichkeitBlutdruckerhöhung ohne EndorganschädenIntermittierendes NiBP-Monitoring für wenige Stunden.
Hypertensiver NotfallMit Endorganschäden (z.B. ICB, Aortendissektion)Kontinuierliches Monitoring (≥24h). Invasive Blutdruckmessung bei i.v.-Therapie.

Synkope

Bei jeder Synkope müssen Anamnese, körperliche Untersuchung, 12-Kanal-EKG, BGA und eine Risikostratifizierung erfolgen.

Kriterien für eine Hochrisiko-Synkope:

  • Neu aufgetretene Atemnot, Thorax- oder Abdominalschmerz
  • Synkope im Liegen oder bei Belastung
  • Plötzliche Palpitationen unmittelbar vor der Synkope
  • Schwere strukturelle Herzerkrankung oder auffälliges EKG
  • Blutdruck < 90 mmHg systolisch
  • Persistierende Bradykardie (< 40/min)

Empfehlung: Bei Hochrisiko-Synkopen soll ein kontinuierliches Monitoring (EKG und NiBP) für mindestens 6 Stunden bzw. bis zur definitiven Abklärung erfolgen.

Akute Lungenarterienembolie (LAE)

Jeder Patient mit Verdacht auf LAE benötigt eine zeitnahe Risikostratifizierung (klinisch-hämodynamischer Schweregrad, PESI, RV-Dysfunktion, Biomarker).

  • Hochrisiko-LAE (hämodynamisch instabil): Kontinuierliches Monitoring, primäre Überwachung auf Intensivstation (ITS) oder im Schockraum.
  • Intermediär hohes Risiko: Überwachung auf einer Intermediate-Care-Station (IMC) oder einer strukturierten Beobachtungsstation.

Herzrhythmusstörungen

  • Hämodynamisch stabil: Temporäre kardiovaskuläre Überwachung (z.B. Beobachtungsstation), bis die Dringlichkeit geklärt ist.
  • Hämodynamisch instabil: Engmaschige Überwachung bis zur Stabilisierung. Akuttherapie (Kardioversion, Pacing) muss unter kontinuierlichem Monitor-Monitoring erfolgen.
  • Asymptomatisch ohne Risiko: In der Regel kein kardiovaskuläres Monitoring indiziert.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie für das kontinuierliche EKG-Monitoring standardmäßig ein 5-Pol-Kabel und stellen Sie die Ableitungen II und V5 am Monitor ein. So können Sie rund 80 % der ischämiebedingten ST-Streckenveränderungen frühzeitig erkennen.

Häufig gestellte Fragen

Ein 12-Kanal-EKG muss innerhalb von 10 Minuten nach Erstvorstellung in der Notaufnahme abgeleitet und ärztlich ausgewertet werden.
Es sollten bevorzugt die Ableitungen II und V5 gewählt werden, da diese die höchste Sensitivität für die Erkennung von Ischämien bieten.
Ein kontinuierliches Monitoring (EKG und nichtinvasive Blutdruckmessung) sollte für mindestens 6 Stunden bzw. bis zur definitiven Abklärung der Ursache erfolgen.
Eine invasive Messung ist indiziert bei kardiogenem Schock, bei hypertensiven Notfällen mit Endorganschäden (wie Aortendissektion oder intrazerebraler Blutung) sowie generell bei Notwendigkeit einer intravenösen Katecholamin- oder Antihypertensiva-Therapie über Spritzenpumpe.
Bei der hypertensiven Dringlichkeit (ohne Endorganschäden) reicht ein intermittierendes nichtinvasives Monitoring für wenige Stunden. Ein hypertensiver Notfall erfordert ein kontinuierliches Monitoring für mindestens 24 Stunden, oft invasiv.

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