Monitoring kardiovaskulärer Notfälle (DGK/DGINA)
📋Auf einen Blick
- •Das Basismonitoring umfasst EKG (bevorzugt Ableitung II und V5), NiBP, SpO2, Temperatur und BGA.
- •Bei ACS-Patienten muss ein 12-Kanal-EKG innerhalb von 10 Minuten nach Erstvorstellung ärztlich ausgewertet werden.
- •Ein invasives Blutdruckmonitoring ist bei kardiogenem Schock und hypertensiven Notfällen mit Endorganschäden indiziert.
- •Hochrisiko-Synkopen erfordern ein kontinuierliches Monitoring für mindestens 6 Stunden.
- •Hämodynamisch instabile Lungenembolien (Hochrisiko) müssen kontinuierlich überwacht und zügig auf IMC/ITS verlegt werden.
Hintergrund
Kardiovaskuläre Erkrankungen machen einen großen Anteil der notfallmäßigen Vorstellungen aus. Das Monitoring dieser Patienten in der Notaufnahme stellt eine interdisziplinäre und interprofessionelle Herausforderung dar. Das vorliegende Konsensuspapier der DGK, DGINA und DGIIN definiert Standards für die Überwachung bis zur Einleitung von Diagnostik und Akuttherapie. Grundsätzlich gilt: Das geschulte Fachpersonal ist der bedeutsamste "Monitor".
Basismonitoring und Ersteinschätzung
Jeder Notfallpatient sollte mittels eines validierten Systems ersteingeschätzt werden. Für kreislaufstabile Patienten ist ein Basismonitoring meist ausreichend. Bei instabilen Patienten muss ein erweitertes (ggf. invasives) Monitoring etabliert werden.
| Kategorie | Parameter / Maßnahmen |
|---|---|
| Klinik | Atmung, Rekapillarisierungszeit, Halsvenenfüllung, Hautkolorit, Schmerz (VAS/NRS) |
| Apparativ | EKG (3/5-Kanal, bevorzugt II und V5), Pulsoxymetrie (SpO2), NiBP, Temperatur |
| Labor/POC | Blutgasanalyse (BGA), Laktat, Elektrolyte, Blutzucker |
| Erweitert | Urinbilanzierung, Kapnographie (bei Beatmung), GCS, Delir-Assessment (CAM-ED) |
| Bildgebung | Fokussierte Echokardiographie und Thoraxsonographie (bei Dyspnoe/Thoraxschmerz) |
Akutes Koronarsyndrom (ACS)
Das kardiovaskuläre Monitoring beginnt ab der initialen Triagierung.
- 12-Kanal-EKG: Muss innerhalb von 10 Minuten nach Erstvorstellung ärztlich ausgewertet werden.
- STEMI: Unverzügliche Information des Herzkatheterlabors. Das Monitoring wird bis zur Direktversorgung aufrechterhalten.
- NSTEMI / instabile Angina pectoris: Kontinuierliche Rhythmusüberwachung bis zum Ausschluss oder maximal 24 Stunden in der Notaufnahme/CPU.
- Erweitertes Monitoring: Bei Zeichen der Instabilität (z.B. kardiogener Schock) ist eine invasive Blutdruckmessung indiziert, darf aber die Revaskularisation nicht verzögern.
Akute Herzinsuffizienz und Kardiogener Schock
Patienten mit neu aufgetretener oder dekompensierter Herzinsuffizienz benötigen bis zur Stabilisierung ein engmaschiges Monitoring.
| Form | Charakteristika | Monitoring-Empfehlung |
|---|---|---|
| Akute dekompensierte Herzinsuffizienz | "Wet and warm" / "wet and cold" | Kontinuierliches EKG, SpO2. Intermittierend: NiBP, Atemfrequenz, BGA, Echo. |
| Akutes Lungenödem | Meist valvulär oder hypertensiv | Wie oben, zusätzlich Fokus auf respiratorische Stabilisierung (NIV). |
| Kardiogener Schock | "Wet and cold", oft infarktbedingt | Kontinuierlich: EKG, invasive Blutdruckmessung, Diurese (DK), SpO2. Umgehende ITS-Verlegung. |
Hypertensives Notfallgeschehen
Es muss zwischen einer hypertensiven Dringlichkeit (ohne Endorganschäden) und einem hypertensiven Notfall (mit Endorganschäden) unterschieden werden.
| Klassifikation | Definition | Monitoring-Empfehlung |
|---|---|---|
| Hypertensive Dringlichkeit | Blutdruckerhöhung ohne Endorganschäden | Intermittierendes NiBP-Monitoring für wenige Stunden. |
| Hypertensiver Notfall | Mit Endorganschäden (z.B. ICB, Aortendissektion) | Kontinuierliches Monitoring (≥24h). Invasive Blutdruckmessung bei i.v.-Therapie. |
Synkope
Bei jeder Synkope müssen Anamnese, körperliche Untersuchung, 12-Kanal-EKG, BGA und eine Risikostratifizierung erfolgen.
Kriterien für eine Hochrisiko-Synkope:
- Neu aufgetretene Atemnot, Thorax- oder Abdominalschmerz
- Synkope im Liegen oder bei Belastung
- Plötzliche Palpitationen unmittelbar vor der Synkope
- Schwere strukturelle Herzerkrankung oder auffälliges EKG
- Blutdruck < 90 mmHg systolisch
- Persistierende Bradykardie (< 40/min)
Empfehlung: Bei Hochrisiko-Synkopen soll ein kontinuierliches Monitoring (EKG und NiBP) für mindestens 6 Stunden bzw. bis zur definitiven Abklärung erfolgen.
Akute Lungenarterienembolie (LAE)
Jeder Patient mit Verdacht auf LAE benötigt eine zeitnahe Risikostratifizierung (klinisch-hämodynamischer Schweregrad, PESI, RV-Dysfunktion, Biomarker).
- Hochrisiko-LAE (hämodynamisch instabil): Kontinuierliches Monitoring, primäre Überwachung auf Intensivstation (ITS) oder im Schockraum.
- Intermediär hohes Risiko: Überwachung auf einer Intermediate-Care-Station (IMC) oder einer strukturierten Beobachtungsstation.
Herzrhythmusstörungen
- Hämodynamisch stabil: Temporäre kardiovaskuläre Überwachung (z.B. Beobachtungsstation), bis die Dringlichkeit geklärt ist.
- Hämodynamisch instabil: Engmaschige Überwachung bis zur Stabilisierung. Akuttherapie (Kardioversion, Pacing) muss unter kontinuierlichem Monitor-Monitoring erfolgen.
- Asymptomatisch ohne Risiko: In der Regel kein kardiovaskuläres Monitoring indiziert.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie für das kontinuierliche EKG-Monitoring standardmäßig ein 5-Pol-Kabel und stellen Sie die Ableitungen II und V5 am Monitor ein. So können Sie rund 80 % der ischämiebedingten ST-Streckenveränderungen frühzeitig erkennen.