DGIM Klug entscheiden: Geriatrie Empfehlungen
Hintergrund
Die Initiative "Klug entscheiden" der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) formuliert evidenzbasierte Empfehlungen zu diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen in der Geriatrie. Laut der Leitlinie stellen Patientinnen und Patienten ab 70 Jahren hinsichtlich Funktionalität und biologischem Alter eine sehr heterogene Gruppe dar. Daher wird empfohlen, medizinische Entscheidungen nicht primär an das kalendarische Alter, sondern an ein umfassendes geriatrisches Funktionsassessment (CGA) zu koppeln. Ziel der DGIM-Empfehlungen ist es, sowohl einer Überversorgung durch nicht indizierte Maßnahmen als auch einer Unterversorgung im höheren Lebensalter entgegenzuwirken.
Empfehlungen
Gemäß der DGIM-Initiative "Klug entscheiden" werden für die geriatrische Versorgung verschiedene Kernbereiche definiert:
Medikamentöse Therapie und Polypharmazie
- Laut Leitlinie soll die Neuverordnung eines Medikamentes erst nach der synoptischen Überprüfung der bestehenden Gesamtmedikation erfolgen, um unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Polypharmazie zu vermeiden.
- Es wird empfohlen, Medikamente mit präventivem Therapieansatz (wie Statine) bei einer begrenzten Lebenszeitprognose von unter einem Jahr auf Nutzen und Risiken zu überprüfen und gegebenenfalls abzusetzen (Deprescribing).
- Die Leitlinie rät davon ab, Benzodiazepine oder andere Sedativa als Mittel der ersten Wahl bei Schlafstörungen, Agitation oder Delir einzusetzen, da das Sturz- und Pneumonierisiko im Alter signifikant steigt.
- Bei Verhaltens- und psychologischen Symptomen (BPSD) im Rahmen einer Demenz sollen Neuroleptika laut DGIM nicht als erste Maßnahme eingesetzt werden. Ein Assessment der Ursachen muss vorausgehen.
Ernährung und Stoffwechsel
- Bei der Behandlung des Diabetes mellitus bei Patienten über 75 Jahren soll die Zielgröße des HbA1c an die funktionellen Fähigkeiten und die Lebenserwartung angepasst werden.
- Die Leitlinie empfiehlt, bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz die Ernährung nicht durch eine perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) durchzuführen, sondern eine perorale Ernährungsunterstützung zu bevorzugen.
- Eine Mangelernährung beim geriatrischen Patienten soll laut den Empfehlungen sowohl diagnostisch (z. B. mittels Mini Nutritional Assessment) als auch interventionell Beachtung finden.
Mobilität und Pflege
- Ältere hospitalisierte Patienten sollen gemäß der Initiative frühzeitig, in der Regel innerhalb von 24 Stunden, mobilisiert werden, um den Verlust der Gehfähigkeit zu verhindern.
- Stürze und das Sturzrisiko sollen diagnostisch erfasst und durch Multikomponenten-Interventionen (wie Kraft- und Balancetraining) behandelt werden.
- Die Leitlinie empfiehlt, Harnblasenverweilkatheter zur Vermeidung von Infektionen nur in Ausnahmefällen (z. B. akuter Harnverhalt, perioperativ) und so kurz wie möglich anzuwenden.
Weitere geriatrische Syndrome
- Eine altersassoziierte Osteoporose soll laut DGIM diagnostiziert und behandelt werden, da die medikamentöse Frakturprävention auch im hohen Alter gerechtfertigt ist.
- Bei mittelschweren Depressionen im höheren Lebensalter wird vorrangig eine psychotherapeutische Behandlung empfohlen, wobei bei schwerer Ausprägung kombinierte Maßnahmen angezeigt sind.
💡Praxis-Tipp
Ein praxisrelevanter Hinweis der DGIM-Initiative betrifft die Sondenernährung: Laut Leitlinie ist eine perorale Ernährungsunterstützung ("careful hand-feeding") bei schwerer Demenz hinsichtlich Sterblichkeit und Wohlbefinden mindestens so effektiv wie eine PEG-Sonde, weshalb von einer PEG-Anlage in diesem Stadium abgeraten wird.
Häufig gestellte Fragen
Laut DGIM-Empfehlung sind Blasenkatheter bei akutem Harnverhalt, perioperativ, intensivmedizinisch oder in palliativen Situationen indiziert. Eine reine Urininkontinenz rechtfertigt die Anlage gemäß der Leitlinie nicht.
Die Leitlinie empfiehlt, die HbA1c-Ziele individuell anzupassen. Für fitte Patienten mit einer Lebenserwartung von über 15 Jahren werden 6,5–7,5 % empfohlen, während für multimorbide oder pflegeabhängige Patienten Zielbereiche von < 8,0 % bis zu 8,5–9 % vorgeschlagen werden.
Gemäß der Initiative "Klug entscheiden" wird eine Frühmobilisation innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme empfohlen, um den Verlust der Gehfähigkeit und eine Dekonditionierung zu vermeiden.
Nach aktueller Leitlinienempfehlung sollen Statine und vergleichbare präventive Medikamente bei einer Lebenszeitprognose von unter einem Jahr auf ihren Nutzen überprüft und gegebenenfalls abgesetzt werden (Deprescribing).
Die DGIM warnt vor dem Einsatz von Benzodiazepinen als Mittel der ersten Wahl bei Schlafstörungen im Alter, da sie das Risiko für Stürze, Verkehrsunfälle und Pneumonien laut Leitlinie signifikant erhöhen.
Quelle: DGIM Klug entscheiden: Geriatrie (14 Empfehlungen) (DGIM). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.