Myelofibrose: Diagnostik, MIPSSv2 und JAK-Inhibitoren
Hintergrund
Die Myelofibrose (MF) ist eine seltene, klonale Erkrankung der hämatopoetischen Stammzellen, die durch eine abnorme Proliferation und Knochenmarkfibrose gekennzeichnet ist. Sie kann de novo als primäre Myelofibrose (PMF) oder sekundär aus einer Polycythaemia Vera (PV) oder essenziellen Thrombozythämie (ET) entstehen.
Laut Onkopedia-Leitlinie wird zwischen der präfibrotischen (präPMF) und der manifesten, fibrotischen Myelofibrose unterschieden. Die präPMF zeigt initial oft eine alleinige Thrombozytose, während bei der manifesten Form häufig bereits bei Diagnosestellung eine Anämie und Splenomegalie vorliegen.
Die Pathogenese wird maßgeblich durch sogenannte Treiber-Mutationen in den Genen JAK2, CALR oder MPL bestimmt. Bei etwa 10 Prozent der Betroffenen liegt keine dieser Mutationen vor, was als "triple negativ" bezeichnet wird und mit einer kürzeren Überlebenszeit assoziiert ist.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt eindringlich vor dem abrupten Absetzen von Ruxolitinib, da dies ein lebensbedrohliches Entzugssyndrom (Ruxolitinib Discontinuation Syndrome) auslösen kann. Es wird empfohlen, die Medikation stets ausschleichend zu beenden und Betroffene in dieser Phase engmaschig auf Schockzeichen und Entzündungsreaktionen zu überwachen. Zudem wird betont, vor einer Fedratinib-Gabe zwingend den Thiamin-Spiegel zu kontrollieren.
Häufig gestellte Fragen
Die Onkopedia-Leitlinie empfiehlt die Bestimmung der Treiber-Mutationen JAK2, CALR und MPL. Zusätzlich wird ein NGS-Screening auf molekulare Hochrisikomarker wie ASXL1, EZH2, IDH1/2, SRSF2 und TP53 empfohlen, da diese für die Risikostratifizierung essenziell sind.
Für Personen im transplantationsfähigen Alter wird primär der MIPSSv2-Score (MIPSS70+ Version 2.0) empfohlen. Bei sekundärer Myelofibrose (Post-PV oder Post-ET) kommt laut Leitlinie der MYSEC-Score zur Anwendung.
Die allogene Stammzelltransplantation wird für transplantationsfähige Personen mit einem hohen oder sehr hohen Risiko (nach MIPSSv2) empfohlen. Die Leitlinie gibt als obere Altersgrenze etwa 75 Jahre an, wobei die Entscheidung individuell getroffen werden sollte.
Laut Leitlinie ist Momelotinib besonders effektiv bei klinisch symptomatischer, moderater bis schwerer Anämie. Es kann sowohl bei JAK-Inhibitor-naiven Personen als auch nach Vorbehandlung mit Ruxolitinib eingesetzt werden.
Ein Versagen liegt vor, wenn die Milzgröße nicht signifikant abnimmt, Symptome persistieren oder klinisch relevante Zytopenien auftreten. Zur frühzeitigen Erkennung eines Therapieversagens empfiehlt die Leitlinie die Anwendung des RR6-Prognosemodells.
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Quelle: Myelofibrose (Onkopedia). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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