ClariMedClariMed

Eosinophilie & klonale Eosinophile: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine Eosinophilie liegt ab ≥0,5 x 10^9/l vor, eine Hypereosinophilie ab ≥1,5 x 10^9/l.
  • Über 90 % der Eosinophilien sind reaktiv (z.B. Allergien, Infektionen); nur 5-10 % sind klonal bedingt.
  • Eine kardiale Beteiligung ist prognostisch entscheidend und muss stets (z.B. per Echo/MRT) ausgeschlossen werden.
  • Bei MLN-TK mit PDGFRA- oder PDGFRB-Fusionsgenen ist Imatinib die hochwirksame Therapie der Wahl.
  • Das Hypereosinophile Syndrom (HES) erfordert definitionsgemäß den Nachweis eines Eosinophilie-bedingten Organschadens.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Eosinophilie ist definiert als eine Vermehrung der eosinophilen Granulozyten auf ≥0,5 x 10^9/l im peripheren Blut. Ab Werten von ≥1,5 x 10^9/l spricht man von einer Hypereosinophilie. Die wichtigste diagnostische Aufgabe ist die Unterscheidung zwischen einer reaktiven Eosinophilie (über 90 % der Fälle) und einer primären klonalen/neoplastischen Eosinophilie (5-10 %).

Klinisches Bild und Organschäden

Patienten zeigen oft unspezifische Symptome wie Fatigue. Die Organbeteiligung ist entscheidend für Prognose und Therapie:

  • Milz: Eine isolierte Splenomegalie ist typisch für eine klonale Eosinophilie.
  • Herz: Eine kardiale Beteiligung (Endo-/Myokardfibrose, Thromben, eingeschränkte EF) ist prognostisch limitierend und muss immer ausgeschlossen werden (Echokardiographie/Kardio-MRT, TnI/ProBNP).
  • Haut, Lunge, Darm: Ein isolierter Befall spricht stark für eine reaktive Genese oder ein nicht-klonales Hypereosinophiles Syndrom (HES).

Klassifikation

Die WHO und die International Consensus Classification (ICC) unterscheiden primär folgende Entitäten:

EntitätKriterienBemerkung
MLN-TK (Myeloische/lymphatische Neoplasien mit Eosinophilie und Tyrosinkinase-Fusionsgenen)Nachweis von Fusionsgenen (PDGFRA, PDGFRB, FGFR1, JAK2, FLT3, ETV6::ABL1)Eosinophilie kann bei einigen Fusionsgenen (z.B. PDGFRB) fehlen. Häufig begleitende Monozytose.
CEL, NOS (Chronische Eosinophilenleukämie)Hypereosinophilie, Blasten ≥5% im Knochenmark oder ≥2% im Blut, klonaler MarkerAusschluss anderer Neoplasien. Schlechte Prognose.
HES (Hypereosinophiles Syndrom)Hypereosinophilie + Eosinophilie-bedingter OrganschadenIdiopathisch (HES-I) oder lymphozytisch (HES-L). Keine klonalen Marker.

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt stufenweise:

  1. Blutbild: Eosinophilenzahl, Suche nach Monozytose (typisch für MLN-TK) oder Blasten.
  2. Serummarker: Tryptase (Erhöhung >100 µg/l spricht für systemische Mastozytose), Vitamin B12 (oft erhöht bei klonaler Eosinophilie), IgE (Erhöhung spricht für reaktive Genese).
  3. Knochenmark: Zytologie und Histologie (Zellularität, Dysplasien, Fibrose, Mastzellen).
  4. Genetik: Nachweis/Ausschluss von FIP1L1::PDGFRA, ETV6::PDGFRB, KIT D816V (Mastozytose), JAK2 V617F sowie konventionelle Zytogenetik.

Therapie

Die Therapie richtet sich strikt nach der zugrundeliegenden genetischen Aberration oder der klinischen Klassifikation.

Zielgerichtete Therapie bei klonaler Eosinophilie

Genetische AberrationErstlinientherapieBemerkung
PDGFRA (z.B. FIP1L1::PDGFRA)Imatinib (100 mg/Tag)Exzellente Prognose (>90% Remission). Therapiefreie Remission nach Absetzen möglich.
PDGFRBImatinibExzellente Prognose.
FGFR1PemigatinibSchlechte Prognose, hohes Blastenphasen-Risiko. Allogene SZT anstreben.
JAK2RuxolitinibHäufig sekundäre Resistenzen. Allogene SZT anstreben.
CEL, NOSHydroxyurea, Peg-IFNKeine spezifischen TKI. Allogene SZT bei Eignung prüfen.

Therapie des Hypereosinophilen Syndroms (HES)

Beim nicht-klonalen HES (HES-I, HES-L) orientiert sich die Therapie an Autoimmunerkrankungen:

  • Erstlinie: Kortikosteroide (z.B. 1 mg/kg). Ziel ist eine Erhaltungsdosis <7,5 mg/Tag.
  • Biologika: Mepolizumab (Anti-IL-5-Antikörper, 300 mg s.c. alle 4 Wochen) ist für unzureichend kontrolliertes HES zugelassen und wirkt stark steroidsparend.
  • Steroidsparende Alternativen: Methotrexat, Azathioprin, Mycophenolat-Mofetil.
  • Thromboembolie-Prophylaxe: Bei HES frühzeitig orale Antikoagulation erwägen.

💡Praxis-Tipp

Schließen Sie bei jeder unklaren Eosinophilie eine kardiale Beteiligung mittels Echokardiographie oder MRT aus. Eine begleitende Monozytose im Blutbild ist ein starker Hinweis auf eine klonale Ursache (MLN-TK).

Häufig gestellte Fragen

Von einer Hypereosinophilie spricht man ab einer absoluten Eosinophilenzahl von ≥1,5 x 10^9/l im peripheren Blut.
Über 90 % der Fälle sind reaktiv bedingt, beispielsweise durch Allergien, Infektionen, Medikamente oder Autoimmunerkrankungen.
Ein HES liegt vor, wenn neben einer persistierenden Hypereosinophilie (≥1,5 x 10^9/l) ein nachweisbarer Eosinophilie-bedingter Organschaden (z.B. an Herz, Lunge, Haut oder Darm) besteht.
Die Therapie der Wahl ist der Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib (meist 100 mg/Tag), der bei über 90 % der Patienten zu einer dauerhaften Remission führt.
Mepolizumab (ein IL-5-Antikörper) ist für die Behandlung erwachsener Patienten mit unzureichend kontrolliertem Hypereosinophilen Syndrom (HES) zugelassen und reduziert Krankheitsschübe sowie den Steroidbedarf.

Verwandte Leitlinien