Eosinophilie & klonale Eosinophile: Leitlinie (Onkopedia)
📋Auf einen Blick
- •Eine Eosinophilie liegt ab ≥0,5 x 10^9/l vor, eine Hypereosinophilie ab ≥1,5 x 10^9/l.
- •Über 90 % der Eosinophilien sind reaktiv (z.B. Allergien, Infektionen); nur 5-10 % sind klonal bedingt.
- •Eine kardiale Beteiligung ist prognostisch entscheidend und muss stets (z.B. per Echo/MRT) ausgeschlossen werden.
- •Bei MLN-TK mit PDGFRA- oder PDGFRB-Fusionsgenen ist Imatinib die hochwirksame Therapie der Wahl.
- •Das Hypereosinophile Syndrom (HES) erfordert definitionsgemäß den Nachweis eines Eosinophilie-bedingten Organschadens.
Hintergrund
Die Eosinophilie ist definiert als eine Vermehrung der eosinophilen Granulozyten auf ≥0,5 x 10^9/l im peripheren Blut. Ab Werten von ≥1,5 x 10^9/l spricht man von einer Hypereosinophilie. Die wichtigste diagnostische Aufgabe ist die Unterscheidung zwischen einer reaktiven Eosinophilie (über 90 % der Fälle) und einer primären klonalen/neoplastischen Eosinophilie (5-10 %).
Klinisches Bild und Organschäden
Patienten zeigen oft unspezifische Symptome wie Fatigue. Die Organbeteiligung ist entscheidend für Prognose und Therapie:
- Milz: Eine isolierte Splenomegalie ist typisch für eine klonale Eosinophilie.
- Herz: Eine kardiale Beteiligung (Endo-/Myokardfibrose, Thromben, eingeschränkte EF) ist prognostisch limitierend und muss immer ausgeschlossen werden (Echokardiographie/Kardio-MRT, TnI/ProBNP).
- Haut, Lunge, Darm: Ein isolierter Befall spricht stark für eine reaktive Genese oder ein nicht-klonales Hypereosinophiles Syndrom (HES).
Klassifikation
Die WHO und die International Consensus Classification (ICC) unterscheiden primär folgende Entitäten:
| Entität | Kriterien | Bemerkung |
|---|---|---|
| MLN-TK (Myeloische/lymphatische Neoplasien mit Eosinophilie und Tyrosinkinase-Fusionsgenen) | Nachweis von Fusionsgenen (PDGFRA, PDGFRB, FGFR1, JAK2, FLT3, ETV6::ABL1) | Eosinophilie kann bei einigen Fusionsgenen (z.B. PDGFRB) fehlen. Häufig begleitende Monozytose. |
| CEL, NOS (Chronische Eosinophilenleukämie) | Hypereosinophilie, Blasten ≥5% im Knochenmark oder ≥2% im Blut, klonaler Marker | Ausschluss anderer Neoplasien. Schlechte Prognose. |
| HES (Hypereosinophiles Syndrom) | Hypereosinophilie + Eosinophilie-bedingter Organschaden | Idiopathisch (HES-I) oder lymphozytisch (HES-L). Keine klonalen Marker. |
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt stufenweise:
- Blutbild: Eosinophilenzahl, Suche nach Monozytose (typisch für MLN-TK) oder Blasten.
- Serummarker: Tryptase (Erhöhung >100 µg/l spricht für systemische Mastozytose), Vitamin B12 (oft erhöht bei klonaler Eosinophilie), IgE (Erhöhung spricht für reaktive Genese).
- Knochenmark: Zytologie und Histologie (Zellularität, Dysplasien, Fibrose, Mastzellen).
- Genetik: Nachweis/Ausschluss von FIP1L1::PDGFRA, ETV6::PDGFRB, KIT D816V (Mastozytose), JAK2 V617F sowie konventionelle Zytogenetik.
Therapie
Die Therapie richtet sich strikt nach der zugrundeliegenden genetischen Aberration oder der klinischen Klassifikation.
Zielgerichtete Therapie bei klonaler Eosinophilie
| Genetische Aberration | Erstlinientherapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| PDGFRA (z.B. FIP1L1::PDGFRA) | Imatinib (100 mg/Tag) | Exzellente Prognose (>90% Remission). Therapiefreie Remission nach Absetzen möglich. |
| PDGFRB | Imatinib | Exzellente Prognose. |
| FGFR1 | Pemigatinib | Schlechte Prognose, hohes Blastenphasen-Risiko. Allogene SZT anstreben. |
| JAK2 | Ruxolitinib | Häufig sekundäre Resistenzen. Allogene SZT anstreben. |
| CEL, NOS | Hydroxyurea, Peg-IFN | Keine spezifischen TKI. Allogene SZT bei Eignung prüfen. |
Therapie des Hypereosinophilen Syndroms (HES)
Beim nicht-klonalen HES (HES-I, HES-L) orientiert sich die Therapie an Autoimmunerkrankungen:
- Erstlinie: Kortikosteroide (z.B. 1 mg/kg). Ziel ist eine Erhaltungsdosis <7,5 mg/Tag.
- Biologika: Mepolizumab (Anti-IL-5-Antikörper, 300 mg s.c. alle 4 Wochen) ist für unzureichend kontrolliertes HES zugelassen und wirkt stark steroidsparend.
- Steroidsparende Alternativen: Methotrexat, Azathioprin, Mycophenolat-Mofetil.
- Thromboembolie-Prophylaxe: Bei HES frühzeitig orale Antikoagulation erwägen.
💡Praxis-Tipp
Schließen Sie bei jeder unklaren Eosinophilie eine kardiale Beteiligung mittels Echokardiographie oder MRT aus. Eine begleitende Monozytose im Blutbild ist ein starker Hinweis auf eine klonale Ursache (MLN-TK).